Zurück in die Vergangenheit

Emulatoren unter Linux

01.03.2005
Emulatoren erwecken altertümliche Computer, Spiele, längst vergessen geglaubte Daten und Erinnerungen zum Leben.

Seit über 30 Jahren tummeln sich kleine Kisten namens Computer in den heimischen vier Wänden vieler Familien. Die rasante technische Entwicklung sorgte dafür, dass die alten Geräte längst wieder verschwunden sind; die zugehörige Software taucht aber immer wieder auf.

Die Reanimation derartiger Programme gestaltet sich jedoch nicht so einfach: Meist lässt sich die Original-Hardware nicht mehr auftreiben, und mit dem aktuellen Computer arbeitet die alte Software nicht ohne Weiteres zusammen. Hier springen Emulatoren in die Bresche: Kleine Programme, die das Verhalten eines bestimmten Computermodells möglichst realistisch nachbilden und alte Anwendungen oder Spiele ausführen.

Vorbereitung

Alle Emulatoren benötigen zwei Dinge: Das Betriebssystem des entsprechenden Computers und die auszuführende Software. Der Großteil der zwischen 1975 und 1995 hergestellten Home-Computer verfügten im Gegensatz zu heutigen PCs über ein fest eingebautes, unveränderbares Betriebssystem. Zudem legten Sie ihre Daten statt auf Festplatten auf Disketten oder anderen Datenträgern ab, die sie jeweils in einem proprietären Format beschrieben (Kasten 1). Als Resultat des Auslesens erhält man gewöhnlich Abbilder einer Diskettenseite oder eines ROM-Moduls, so genannte Images.

Kasten 1: Viele Wege führen ans ROM 

ROM (Read Only Memory) gab es als fest eingebaute Chips, die gewöhnlich das Betriebssystem enthielten und als einsteckbare Module, auf denen einzelne Spiele residierten. Spezielle Software liest diese auf der Original-Hardware Bit für Bit aus. Für die in der Anfangszeit der Computer verwendeten Speichermedien wie Kassetten oder exotische Diskettenformate gibt es heute jedoch meist keine Lesegeräte mehr.

Nach dem erfolgreichem Auslesen auf der Original-Hardware überträgt ein Adapterkabel die gewonnenen Daten auf den PC. Der genaue Ablauf dieser Prozedur unterscheidet sich ebenso wie das benötigte Kabel von Computer zu Computer. Die zum Auslesen notwendigen Programme finden Sie meistens zusammen mit einer Anleitung auf den Web-Seiten der Emulatoren. Wer diese Arbeit scheut, findet im Internet häufig bereits ausgelesene Programm- und Betriebssystem-Images. Oft sind diese Angebote jedoch illegal (Kasten 2).

Kasten 2: Am Rande der Legalität 

Fast alle denkbaren ROMs oder Diskettenabbilder alter Konsolen und Computer finden sich auf mehr oder weniger gut versteckten Internet-Seiten; ob Betriebssysteme, Spiele oder Anwendungen. Doch zu sorglos sollten Sie den Download nicht anwerfen: Auch alte Programme unterliegen nach wie vor dem Urheberrecht. Wer nicht über das Original verfügt, erstellt somit durch das Herunterladen eine Raubkopie.

Da inzwischen viele Hersteller gar nicht mehr existieren, liegt der Verbleib ihrer Rechte im Dunklen. Einige wenige Firmen erlauben mittlerweile ausgewählten Internet-Seiten, ihre alten Programme anzubieten. Lesen Sie in jedem Fall die meist klein gedruckten Lizenzhinweise, bevor Sie etwas herunterladen.

Rechtliche Sicherheit erlangen Sie, wenn Sie die Original-ROMs besitzen. Die finden Sie häufig zu günstigen Preisen auf Gebrauchtmärkten im Internet oder in der realen Welt.

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen verschiedene Hersteller ihre alten Programme als Sammlungen auf CD. Hierzu zählen zum Beispiel die Atari-2600-Spielesammlung oder die Amiga-Classix-CDs. Dort liegen meist Emulatoren einschließlich legaler Kopien der Betriebssysteme bei.

Arkadia

Bevor die Computer in die heimischen Wohnzimmer einzogen, verschwanden viele Münzen in den dunklen Einwurfschächten der Spielautomaten. Sie standen wie heute vornehmlich in Bars oder Spielhallen und stellten die einzige Möglichkeit zum Spielen am Bildschirm dar. Ein Vater dieser Groschengräber war Nolan Bushnell, der 1972 die Firma Atari gründete. Sein erster Automat trug den Namen Pong und bot ein einfaches Tennisspiel für zwei Personen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ein Klassiker der Atari-Automaten: Pong.

Der große Erfolg brachte auch zahlreiche Konkurrenten hervor – Donkey Kong und Out Run kennen noch heute die meisten Videospieler. Im Laufe der Zeit wurden die schwarzen Kisten immer komplexer, bis hin zu Autolenkrädern und ganzen Motorradaufbauten. Diese Vielfalt zog zwar Kunden magisch an, stellt die Entwickler heutiger Emulatoren jedoch vor ein Problem. Sie müssen die Hardware jedes einzelnen Spiels unter die Lupe nehmen und ein speziell dazu passendes Programm schreiben. Der bekannteste Automaten-Emulator ist Mame, die Unix-Version hört auf den Namen Xmame [1].

Eine Liste aller Automaten, die Xmame emuliert, finden Sie in der Textdatei gamelist.txt im Unterverzeichnis doc/mame des entpackten Xmame-Archivs. Diese Tabelle führt für jedes Spiel einen Internal Name auf. Legen Sie die zu einem Spiel gehörigen Dateien in ein gleichnamiges Unterverzeichnis, beispielsweise $HOME/dkong. Dann starten Sie den Emulator mit xmame -rompath $HOME dkong.

Nach dem Start von Xmame erreichen Sie mittels [Tab] das Einstellungsmenü. Mit den Tasten [5] bis [8] beginnen Sie im Startbildschirm das Spiel, indem Sie virtuelle Münzen einwerfen. Zum Steuern verwenden Sie die die Pfeiltasten und [Strg].

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