Sehr zu Diensten

Wer nun Blut geleckt hat und noch mehr LaTeX Kommandos lernen will, der kann sich die exzellente LaTeX-Referenz sowie das Kile-Handbuch zu Gemüte führen. Beide erreichen Sie über das Menü Help.

Mit seinen Wizards, der Projektunterstützung und nicht zuletzt dank des umfangreichen Handbuchs und der LaTeX-Referenz bietet Kile Anfängern einen guten Einstieg in LaTeX. Dank seiner umfangreichen Shortcuts und des komfortablen Editors mit Auto-Vervollständigung ist er auch für Fortgeschrittene sehr attraktiv. So wird LaTeX in Zeiten von OpenOffice und Co auch für den normalen Benutzer wieder attraktiv.

Abbildung 4: Ein Druck auf den QuickBuild Button verwandelt den LaTex-Quelltext…
Abbildung 5: …in einen fertigen Brief im PDF-Format. Als Zwischenprodukte entstehen eine DVI- und eine PostScript-Datei.

Kasten: Briefe verfassen

Der Wizard von Kile bietet die Dokumentenklasse letter an. Doch leider ist diese sehr auf amerikanische Gepflogenheiten fokussiert. Für deutsche Briefformate kennt LaTeX daher die Vorlage G-Brief, mit der sich ein typischer Geschäftsbrief erstellen lässt.

Die G-Brief Vorlage kann mit deutschen Auszeichnungen versehen werden, und ist somit recht leicht zu handhaben.

Nach dem üblichen Vorspann:

\documentclass[11pt,german]{g-brief}
\usepackage[utf8]{inputenc}

müssen Sie nun ein paar Daten angeben, die im Brief auftauchen sollen. Um die Positionierung brauchen Sie sich nicht weiter kümmern – sie wird automatisch vorgenommen. Dabei ist jedes der Felder optional.

\Name                {Dagobert Duck}
\Strasse             {Geldspeicherweg 1}
\Ort                 {34343 Entenhausen}
\Telefon             {555 / 35 35 35}
\HTTP                {http://www.duck.de}
\EMail               {donald@duck.de}
\Bank                {Duck Bank}
\BLZ                 {356 325 33}
\Konto               {11111111}
\Unterschrift        {Dagobert Duck}

Als nächstes muss der Brief adressiert werden, auch hier kann wieder jedes beliebige Feld weggelassen werden. Der Postvermerk kennzeichnet Einschreiben oder Büchersendungen, die Addressee wird per \\ umgebrochen. Das lästige angeleichen des Datums auf den aktuellen Tag entfällt durch Angabe von \today als Datumswert.

\Postvermerk         {E I N S C H R E I B E N}
\Adresse             {Mac Moneysack \\
                      Geizweg 44  \\
                      34343 Entenhausen
                     }
\Betreff             {Wettmessen}
\Datum               {\today}
\Anrede              {Lieber Freund,}
\Gruss               {Mit freundschaftlichem Gruß,}{0.5cm}
\Anlagen              {\textbf{Anlage:} Wettkampfregeln}

\fenstermarken helfen beim Positionieren der Addresse bei Briefumschlägen mit Sichtfenster. Für Freunde von Locher und Hefter bietet G-brief den Befehl \faltmarken an. Mit \trennlinien ergänzen Sie zwei Linien zum Abschluss von Briefkopf und Briefkörper ein. Entscheiden Sie selbst, wie es Ihnen am besten gefällt. Es folgt der eigentliche Brieftext:

\begin{document}
\begin{g-brief}
diesmal werde ich es dir beweisen – ich bin der reichste Mann der Welt.
Lass uns noch einmal unser Geld in die Waagschale werfen.
Ich schlage vor, wir legen sobald wie möglich los, die Spielregeln haben
sich nicht geändert, du findest sie im Anhang. Möge der Reichere gewinnen!
\end{g-brief}
\end{document}

Grußformel und Unterschrift fügt LaTeX nach \end{g-brief} selbstständig ein. Nach einem Seitenumbruch mit \pagebreak ergänzen Sie den Text der Anlage. Über Quickbuild rufen Sie den LaTeX-Parser auf und können anschließend Ihren Brief in der schön formatierten Druckfassung betrachten (Abbildungen 4 und 5).

Ein ausführlicheres Beispiel für dieser Dokumentenklasse sowie eine Anleitung finden Sie unter [3]. Haben Sie das Beispiel an Ihre Bedürfnisse angepasst, speichern Sie es unter FileCreate from Document als Vorlage. Beim nächsten Brief müssen Sie dann nur noch Empfängeradresse und Text eingeben, den Rest fügt Kile automatisch ein.

Glossar

WYSIWYG

Moderne Textverarbeitungsprogramme erlauben dem Anwender, ein Dokument direkt so zu erstellen, wie es später aussehen soll. Dafür hat sich der englische Begriff "What you see is what you get" (WYSIWYG) eingebürgert. Im Gegensatz dazu stehen bei einer Auszeichnunssprache wie LaTeX die Formatierungsanweisungen zusammen mit dem Fließtext. Es wird dann immer erst ein Interpreter oder Konverter benötigt, um den Text in seiner endgültigen Fassung anzuzeigen.

DVI

LaTeX erzeugt nach einem erfolgreichen Lauf eine DVI-Datei ("Device Independant File Format"). Sie dient lediglich als Zwischenprodukt bei der Konvertierung in die endgültigen Formate wie PostScript oder PDF.

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