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Fortschitt und Feature

Ein neuer Mailer: Mutt – Next Generation

01.03.2005 Mutt ist einer der beliebtesten Mailer der Kommandozeile mit einer langen Entstehungsgeschichte. Das Projekt "Mutt – Next Generation" tritt an, um den Anwendern einen generalüberholten Mailer mit vielen neuen Eigenschaften zu präsentieren.

Kaum ein Programm lässt so viele Patches im Internet umherschwirren wie Mutt. Allein auf der Web-Seite des Mutt-Wiki finden sich beinahe 100 Code-Flicken, um den Mailer mit erweiterten Fähigkeiten auszustatten. Der Grund für dieses Patchwork liegt in der Weigerung der Mutt-Entwickler, Neuheiten in den traditionellen MUA zu implementieren.

Sie begnügen sich statt dessen mit dem Beseitigen sicherheitsrelevanter Bugs, während der letzte große Release-Sprung bereits drei Jahre zurückliegt. Zum Bedauern der Nutzer fiel bisher manches gewünschte Feature aufgrund dieser konservativen Entwicklungspolitik unter den Tisch.

Frischer Wind

Die Haltung der Mutt-Entwickler brachte schließlich Andreas Krennmair dazu, Anfang des Jahres einen Fork des Mailers zu starten. Er nannte sein Projekt Mutt-NG Kürzenl für "Mutt – Next Generation". Und es ist in der Tat ein Evolutionssprung für das Mail-Programm. So nimmt sich Andreas unter anderem das leidige Thema IMAP vor und integriert viele beliebte Patches: Mutt-NG kann, anders als sein Vorläufer, in der für Mailer typischen dreigeteilten Ansicht arbeiten, wobei sich links ein Fenster mit den Mail-Ordnern befindet, das die neuen und alte Nachrichten darin anzeigt.

Auch das Lesen von Newsgroups ist für das Programm kein Problem. Wer auf der Web-Seite des Projektes [1] durch das SVN-Repository browst, der kann sich schnell einen Überblick verschaffen, mit welchen Highlights und Verbesserungen Mutt-NG noch aufwartet.

Interview mit Andreas Krennmair

LinuxUser: Wann und wodurch ist Dir die Idee zu Mutt-NG gekommen?

Andreas Krennmair: Eigentlich aus ganz praktischen Gründen: meine Freundin kommt aus Island, in ihrem Namen kommt ein 'á' vor, und sie verwendet einen Webmailer, der eine leicht kaputte RFC2047-Header-Codierung produziert. Also habe ich zuerst das Problem mit der Header-Codierung behoben und dann das Problem mit dem 'á' gelöst. Das war dann die Motivation, noch mehr Eigenschaften von Mutt, die mich störten, zu beheben, auch wenn diese Patches von den Mutt-Entwicklern nicht übernommen werden würden.

Ein Freund von mir, Michael Prokop, wies mich dann auch noch auf die große Anzahl von existierenden Mutt-Patches hin, und ich erkannte das Potential, das darin steckt. Deshalb fasste ich den Entschluss, diese Patches in meine eigene Mutt-Version zu übernehmen, und schließlich, einen Fork von Mutt zu starten.

LU: Wieviele Leute arbeiten momentan mit Dir an dem Projekt, und wie sind die Aufgaben verteilt?

AK: Derzeit sind zwei Personen am Projekt beteiligt, wobei derzeit hauptsächlich ich arbeite: ich kümmere mich um die Implementierung bzw. Integration und das Testen von neuen Features, während Nico Golde überwiegend die Dokumentation betreut.

LU: Wie stehen die Mutt-Maintainer zu Deinem Fork?

AK: Ich habe auf Anraten des Suse-Maintainers von Mutt eine Art Announcement auf deren Mailing-Liste gepostet, aber bisher noch kein direktes Feedback erhalten. Allerdings erhielt ich von einer Reihe von anderen Personen, meist aus dem Mutt-Umfeld, durchwegs positives Feedback.

LU: Welche Ziele konntest du bisher in der Entwicklung des Mailers realisieren?

AK: Einerseits kann ich jetzt endlich den Namen meiner Freundin ablesen. Andererseits habe ich etliche kleine, aber lästige Bugs beseitigt, und natürlich etliche Features, die viele Leute gefordert haben, integriert.

LU: Würdest du sagen, dass andere Mailer ebenfalls einen Vorbildcharakter für Mutt-NG haben könnten?

AK: Da ich beruflich auch auf anderen, nicht-unixoiden Plattformen arbeite, musste ich mich zwangsläufig mit anderen E-Mail-Clients auseinandersetzen, und dabei ist mir aufgefallen, dass deren IMAP-Funktionalität durchgehend besser ist als bei Mutt. Während Mutt-NG mit dem integrierten Header-Cache-Patch ein schnelles Laden von Mailfoldern über IMAP sicherstellt, kann man mit anderen E-Mail-Clients wie Thunderbird seine Emails komplett offline lesen. Das ist auf jeden Fall ein Feature, das ich noch in Mutt-NG implementieren möchte.

LU: Was würdest Du als die wichtigsten Dinge auf Deiner Todo-Liste bezeichnen?

AK: Zuerst möchte ich noch ein paar Features integrieren, die mir wichtig sind, dann einen Security Audit der wichtigsten Programmteile durchführen, und natürlich regelmäßig Releases machen. Wichtig ist mir dabei, dass die (hoffentlich wachsende) Mutt-NG-Community mir dabei auch mitteilen soll, wohin sie die Entwicklung von Mutt-NG treiben will.

LU: Wie schwer wird es für Anwender sein, von Mutt zu Mutt-NG zu migrieren?

AK: Die Migration von Mutt auf Mutt-NG heißt für den Systemadministrator, Mutt-NG herunterzuladen, zu übersetzen und installieren. Für den User heißt es, eine Kopie seiner .muttrc mit dem Namen .muttngrc anzulegen. Von den verfügbaren Optionen her ist Mutt-NG vollständig abwärtskompatibel zu Mutt. Ich denke, das ist auch wichtig, um mehr Mutt-User zum Umstieg auf Mutt-NG zu bewegen: Einerseits ist es leicht, Mutt-NG genauso wie Mutt zu verwenden, andererseits sollte man auch auf die etlichen zusätzlichen Features von Mutt-NG gegenüber Mutt hinweisen, um den Leuten zu zeigen, was denn Mutt-NG in der Praxis mehr kann als Mutt.

LU: Vielen Dank für das Interview.

Andreas Krennmair

Andreas Krennmair wurde am 18. Oktober 1983 in Wels, Österreich geboren. Neben seiner Arbeit an mutt-ng schrieb er unter anderem akpop3d, einen POP3-Server für Linux/Unix, sowie MyMp3s, ein Frontend für Mp3-Player in der Konsole und noch einige Programme mehr, die Sie auf seiner Webseite http://www.synflood.at finden.

Glossar

MUA

Mail User Agent. Programm zum Erstellen und Verwalten von E-Mails.

Infos

[1] Mutt-NG-Projektseite: http://mutt-ng.berlios.de/

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LinuxUser 06/2012

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