Nachgeschlagen

Duden- und Brockhaus-Neuausgaben 2005

01.03.2005
Bislang geben sich die meisten Hersteller von Lernsoftware und binären Nachschlagewerken in Sachen Linux-Engagement noch zögerlich. Der Brockhaus-Verlag dagegen gibt von drei Titeln rund um richtiges Deutsch und gutes Allgemeinwissen bereits die zweite Linux-Auflage heraus.

Dank Rechtschreibreform ist die Schreibunsicherheit größer und der Duden wichtiger denn je. Da kommt die Neuauflage der Duden-CD für Linux vom Herbst 2004 gerade recht. Im Schlepptau folgen Aktualisierungen des Duden-Synonymwörterbuchs und des Brockhaus-Lexikons. Alle drei stammen aus der Reihe "Office-Bibliothek" des Verlags "Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG Mannheim".

Ein Programm für alle

Sämtlichen Titeln der "Office-Bibliothek" liegt ein grafisches Bedienprogramm namens officebib bei. Es steht unter [1] zwar kostenlos, aber nicht im Quelltext zum Download bereit.

Tabelle 1: Neuerscheinungen Office-Bibliothek für Linux 2005

Titel ISBN Preis (1) Stichwörter Datenmenge (2)
"Der Brockhaus in Text und Bild 2005" 3-411-06373-4 79,95 EUR ca. 195 000 mit Bildern ca. 665 MB, ohne ca. 130 MB
"Duden – Die deutsche Rechtschreibung" 3-411-06379-3 19,95 EUR ca. 125 000 ca. 162 MB
"Duden – Das Synonymwörterbuch" 3-411-06376-9 19,95 EUR ca. 20 000 ca. 7 MB
(1) Preisempfehlung für Deutschland (2) ohne officebib

Nutzen Sie ein RPM-basiertes System, dann lassen Sie sich von der im beiliegenden Booklet gegebenen Installationsanweisung nicht irritieren: Anders als Duden und Brockhaus behaupten, können Sie die RPM-Datei officebib-3.0.6-3-intel-linux.rpm keineswegs ausführen. Stattdessen installieren Sie sie als root mit rpm -ivh oder yast -i, unter Debian (auch Sarge) mit alien -i. Dem Synonymwörterbuch liegt eine veraltete Gebrauchsanweisung bei, die Linux mit keinem Wort erwähnt.

Auf Systemen, auf denen sich das RPM-Paket nicht verwenden lässt, entpacken Sie alternativ den Tarball officebib-3.0.6-3-intel-linux.tar.gz von der CD und starten als root das darin befindliche Programm setup. Schlägt dies fehl, bleibt als letzte Möglichkeit der Aufruf des – ursprünglich für Mac OS X gedachten – Skripts officebib.install. Ihm kann man entnehmen, dass es sich bei den im Archiv enthaltenen Dateien officebib.ss und officebib.sw um mit tar gepackte Zusammenstellungen der Software handelt, die einfach nur im Dateibaum ausgepackt werden. Mit dem Binary uninst bzw. dem Shell-Skript officebib.remove enthält officebib-3.0.6-3-intel-linux.tar.gz zudem jeweils passende Deinstallationsroutinen.

Bei der Installation landen die Daten der Office-Bibliothek im Verzeichnis /opt/officebib, das ausführbare Programm in /usr/bin, ein paar Icons und eine Desktop-Datei in /usr/share sowie einige Truetype-Fonts mit Sonderzeichen in /usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype. KDE- und Gnome-Nutzer ziehen die Datei /usr/share/applications/officebib.desktop einfach per Drag-and-drop auf den Bildschirmhintergrund: Fertig ist das Desktop-Icon, das die Office-Bibliothek auf Mausklick startet. Im Start-Menü nistet sich das Programm unter Büroprogramme ein.

Gemeinsame Datenhaltung

Unterhalb von /opt/officebib findet sich das Verzeichnis data, in das alle Nutzer des Systems schreiben können. Hier kommen die Nachschlagewerke zu liegen. Nutzen mehrere Personen den Rechner, empfiehlt es sich, die Schreibrechte nach dem Einspielen der Datenbanken mit chmod -R go-w /opt/officebib/data zu entfernen. Diesen Befehl gilt es nach einem eventuellen Online-Update des Datenbestands (den bislang nur der Brockhaus bis Ende 2005 bietet) zu wiederholen. Nutzen Sie diese Möglichkeit, müssen Sie allerdings Schritt 2 und 3 im Dialog DateiInternetaktualisierung... (Abbildung 1) mit root-Rechten durchführen.

Abbildung 1: Entziehen Sie dem Verzeichnis data die Schreibberechtigung für alle, müssen Sie den Brockhaus als root aktualisieren. Sonst kontert officebib mit der (falschen) Behauptung, die Aktualisierungsdatei sei defekt.

Beim ersten Start erfragt das Programm officebib den Mountpunkt der Software-CD (bei einem DVD-Laufwerk unter Suse etwa /media/dvd). Ignorieren Sie diese Anfrage mit Abbrechen, startet das Office-Bibliotheksprogramm ohne Daten. Über den Knopf Neues Buch installieren links unten (Abbildung 3 und 4) oder den Menüpunkt Datei / Bestand erweitern gelangen Sie in diesem Fall zur Mountpunkt-Abfrage zurück. Ein Klick auf Weiter >> führt bei der Brockhaus-CD zur Eingabe der Registriernummer von der Rückseite der CD, bei den Duden-CDs direkt zur Lizenzvereinbarung. Sie verbietet in jedem Fall das Nutzen der Daten auf mehreren Rechnern.

Bevor Sie sich nun dazu entschließen, die Nachschlagewerke tatsächlich auf die Festplatte zu kopieren, sollten Sie sich vergewissern, dass die Partition genügend freien Platz aufweist (siehe Tabelle 1). Im Zweifelsfall lagern Sie das Verzeichnis data auf eine andere Partition aus und verlinken es mit /opt/officebib/data. Mangelnder Platz ließ im Test auf einem Suse Linux 9.2 den KDE-Desktop einfrieren.

Besitzen Sie eine Netzwerklizenz, können Sie das Verzeichnis data auf dem Server etwa via NFS freigeben. Auf den Clients müssen Sie es unter /opt/officebib/data einhängen. Interessenten bittet der Verlag, sich an hotline@bifab.de zu wenden; die Konditionen standen zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

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