Keine Wunder

Die Radeon Karte Sapphire 9800 All-in-Wonder Pro Ultimate eignet sich zur Zeit noch nicht zum Fernsehen unter Linux. Die Entwicker von Gatos [2] arbeiten zwar an Treibern für die neuen All-in-Wonder-Karten, konkrete Erfolgsberichte [3] gibt es aber erst für das Modell Radeon 9700 unter Fedora Core 3. Auch fungieren unter den Treibern nur Module für saa7114. Unsere Testkarte besitzt aber einen saa7134-Chip.

Die neuen Gatos-Treiber (ati.4.4.0) sind kaum dokumentiert und es gibt auch noch keine offiziellen Releases. Daher stellt bereits das Kompilieren des benötigten Treibers den durchschnittlichen Linux-Benutzer vor größere Hindernisse. Experimentierfreudige laden sich den Sourcecode mit

cvs -z3 -d:pserver:anonymous@cv ↩
s.sourceforge.net:/cvsroot/gato ↩
s co -r r200_branch ati.4.4.0 §§

aus dem Gatos-CSV-Verzeichnis herunter. Das so erhaltene Verzeichnis ati.4.4.0 speichern Sie unter /usr/src und laden sich anschließend den unter [4] erhältlichen X.org-Patch zum Treiber herunter. Entpacken Sie den Patch im Verzeichnis /usr/src/ati.4.4.0 und wenden Sie ihn mit folgendem Befehl an:

patch -p0 < ati.4.4.0-xorg-6.8. ↩
patch

Nach erfolgreichem Patchen kompilieren Sie die Sourcen mit

imake -I/usr/X11R6/lib/Server/c ↩
onfig/cf - I/usr/X11R6/lib/X11/ ↩
config -DTOPDIR=/usr/X11R6/lib/ ↩
Server -DCURDIR=. §§

und anschließendem make. Unter Suse Linux müssen Sie dazu auch X.org neu kompilieren, da die Suse-Pakete einige benötige Dateien nicht mitbringen. Läuft make nicht durch, schauen Sie am besten auf der Gatos-Mailingliste, ob bereits eine Lösung existiert. Nach erfolgreicher Kompilierung kopiert make install die benötigten Treiber in die Unterverzeichnisse drivers und multimedia von /usr/X11R6/lib/modules/.

Unter [5] finden Sie auch fertige Module, die unter X.org 6.8.1.901 kompiliert wurden und eventuell auch unter anderen Versionen laufen. Laden Sie sich das Paket modules-extra.tar.bz2 herunter und kopieren Sie anschließend die Dateien des Verzeichnisses drivers in das Unterverzeichnis drivers von /usr/X11R6/lib/modules/. Das Verzeichnis multimedia kopieren Sie komplett nach /usr/X11R6/lib/modules/. Damit der Treiber funktioniert, benötigen Sie die Microcode-Datei des Windows-Treibers. Kopieren Sie dazu die Datei ativmc20.cod von der Catalyst-Treiber-CD aus dem Verzeichnis /install/WDM/WDM_XP/ nach /usr/X11R6/lib/modules/multimedia/ und benennen Sie sie nach rt2_pmem.bin um. Alternativ binden Sie die Datei über den Eintrag Option "RageTheatreMicrocPath" "/pfad/zur/datei" im Abschnitt "Device" von /etc/X11/xorg.conf ein. Nach einem Neustart der grafischen Oberfläche verrät Ihnen ein Blick in die Datei /var/log/Xorg.0.log, ob das Einlesen der Datei erfolgreich war.

Sind Ihre Schritte bis hierher von Erfolg gekrönt, benötigen Sie nun noch Avview als TV-Programm. Es ist ebenfalls Teil des Gatos-Projektes. Sie finden den Quellcode und einige Binaries auf der Gatos-Homepage [2]. Achten Sie beim Kompilieren darauf, dass Avview die Sourcen des kompilierten Ffmpeg benötigt. Es gelang im Test zwar nicht, den Tuner in Betrieb zu nehmen, aber immerhin funktionierte mit Avview der S-Video- und der Composite-Eingang.

In den nächsten Monaten dürfte sich zudem bei Gatos einiges tun. Nachdem das Projekt seine Treiber aufgrund der Xfree86-Lizenz immer als Patch zum offiziellen Xfree86 veröffentlichen musste, will es nun die Treiber so schnell wie möglich ins neue X.org integrieren. Im besten Fall unterstützt also Linux auch die All-in-Wonder-Karten schon bald vollständig.

Wesentlich einfacher als die TV-Funktion richten Sie die 3D-Treiber von ATI ein [6] (für Suse unter [7]). Laden Sie das entsprechende Paket von http://www.ati.com herunter, installieren Sie es als Benutzer root und richten Sie anschließend mit fglrxconfig die grafische Oberfläche ein. Suse-Benutzer halten sich an das README, das mit dem Treiber zusammen auf dem Suse-FTP-Server liegt. Die Karte brachte es bei glxgears auf 3250 FPS und bei fgl_glxgears auf 600 FPS. Die 3D-Treiber arbeiten allerdings nicht mit den Gatos-Treibern zusammen.

Ebenfalls out-of-the-box funktioniert die Fernbedienung der All-in-Wonder. Einfach den Empfänger an den USB-Port anschließen und schon ist sie funktionsbereit. Sogar der Mauszeiger lässt sich damit steuern.

Tabelle 1: Codecs und Speicherbedarf

Kontainer Format Speicherbedarf
Microsoft AVI 24-bit, ohne Kompression 350 MByte/Minute
Microsoft AVI JPEG 36 MByte/Minute
Microsoft AVI MJPEG 28 MByte/Minute
Quicktime 24-bit, ohne Kompression 350 MByte/Minute
Quicktime JPEG 32 MByte/Minute

Achtung, Aufnahme!

Analoge TV-Karten kommen zwar in Punkto Qualität nicht an die Leistung von speziellen Capture- oder MPEG2-Dekoderkarten heran, für Videos mit einer maximalen Auflösung von 320 x 240 Punkten eignen sie sich aber ausgezeichnet. Um mit Ihrer TV-Karte Sendungen auf der Festplatte zu speichern, benutzen Sie am besten das Programm Motv (siehe Abbildung 2). Es bietet zwar keine allzu moderne Oberfläche, liefert aber ein ausgezeichnetes Bild und eignet sich auch gut für Aufnahmen. Um eine Sendung aufzuzeichnen, wählen Sie Datei | Film aufnehmen.

Abbildung 2: Motv schaut zwar nicht sehr modern aus, ist aber eines der besten TV-Programme.

Im folgenden Dialog (Abbildung 3) legen Sie unter Ausgabeformat den sogenannten Video-Container und unter Format das eigentliche Format fest. Bei den einzelnen Optionen gibt es sehr grosse Unterschiede bezüglich Platzverbrauch und Qualität. Steht die Qualität im Vordergrund, sollten Sie unter Format den Eintrag 24 bit TrueColor und als Containerformat Apple Quicktime oder Microsoft AVI (RIFF) wählen. Die Bildwiederholrate stellen Sie auf 25 fps. Mit diesen Einstellungen lassen sich die Aufnahmen trotz der kleinen Auflösung von 320 x 240 Punkten auch noch im Vollbildmodus betrachten. Spielt hingegen der Plattenplatz eine wichtige Rolle, wählen Sie als Format JPEG oder MJPEG. Hier zeigen sich im Vollbildmodus schon deutliche Artefakte zu sehen. Richtwerte für die Aufnahme finden Sie in Tabelle 1. Meldet Motv nach dem Klick auf Aufnahme einen Fehler, müssen Sie das Programm mit der Option -noxv neu starten.

Abbildung 3: Motv bietet verschiedene Aufnahmeformate und Codecs an.

Für eine qualitativ gute Aufnahme mit geringem Speicherbedarf empfiehl es sich, zunächst unter Motv die Variante mit dem hohen Speicherbedarf zu wählen. Anschließend konvertieren Sie das Video mit transcode [8] oder mit Hilfe von mencoder zu einem MPEG4- oder einem Xvid-Stream. Diese Codecs ermöglichen Filme von ausreichender Qualitat bereits mit 5 MByte pro Minute. Der Umweg über Transcode und Mencoder ist zwar wesentlich komplizierter, als einfach unter Windows die mitgelieferte Software zu benutzen. Im Endeffekt bietet er aber auch das wesentlich bessere Ergebnis.

Infos

[1] Details zu TDA9887: http://www.semiconductors.philips.com/pip/TDA9887.html

[2] Gatos-Projekt: http://gatos.sf.net

[3] Erfolgsbericht zu Radeon 9700: http://sf.net/mailarchive/forum.php?thread_id=6414899&forum_id=5014

[4] Patch zu den ATI-4.4.0-Treibern: http://mabene.icomedias.com/gatos-stuff/ati.4.4.0-xorg-6.8.patch

[5] Ati-4.4.0 Binärpakete: http://web.gin.cz/tien/modules-extra.tar.bz2

[6] Offizielle ATI-3D-Treiber: http://www2.ati.com/drivers/linux/fglrx_6_8_0-8.8.25-1.i386.rpm

[7] ATI-3D-Treiber für Suse: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/supplementary/X/ATI/suse92/i386/fglrx/

[8] Jörg Reder, "Unterm Messer – Videos konvertieren mit Transcode": LinuxUser 11/2004, S.35.

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