Der PC schaut fern

Drei analoge TV-Karten im Test

01.03.2005
Vorbei sind die Zeiten, in denen der PC ins Arbeitszimmer verbannt war. Ein Linux-Rechner mit eingebauter TV-Karte und großem Bildschirm eignet sich auch als Ersatz für den Fernseher. Wir zeigen, wie Sie analoge Tunerkarten unter Linux in Betrieb nehmen und Sendungen aufzeichnen.

Alle sprechen vom digitalen Fernsehen, dabei steckt das digitale Broadcasting noch in den Kinderschuhen. Auch ist der Empfang in vielen Regionen Deutschlands noch nicht garantiert. Um am PC die Tagesthemen anzuschauen oder Sonntags den Tatort aufzunehmen, benötigen Sie weder digitalen Empfang, noch teure Hardware: Eine analoge TV-Karte und eine Dachantenne oder Kabel-TV-Anschluss genügen vollständig.

In diesem Test wollten wir ursprünglich fünf Karten vorstellen. Bis zum Redaktionsschluss erreichten uns aber nur drei davon. Dieser Artikel beschränkt sich deshalb auf die TV-Tunerkarten PCTV Rave und PCTV Stereo von Pinnacle Systems, sowie die Sapphire Radeon All-in-Wonder 9800 Pro Ultimate von Sapphire Tech. Bei letzterer handelt es sich um eine passiv gekühlte, lüfterlose ATI-Grafikkarte mit integriertem TV-Tuner.

Neue Chipsätze

Lange Zeit galten TV-Karten mit einem Bttv-Chipsatz als Quasi-Standard. Karten mit diesem Chipsatz unterstützte Linux sehr gut, sodass beim Kauf einer analogen TV-Karte eigentlich nur auf den Preis und die Funktion der Fernbedienung geschaut werden musste. Vor rund zwei Jahren lösten neue Chipsätze die alte Bttv-Generation ab, und der Kauf einer TV-Karte wurde zum Glückspiel. Heute hat sich der Mark wieder konsolidiert. Die aktuellen analogen TV-Karten besitzen entweder einen neueren Bttv-, einen Conexant- oder einen Philips-Chipsatz. Die meisten von ihnen unterstützt der Linux-Kernel seit Version 2.6.5.

Die getesteten Karten besitzen alle einen Philips-Tuner mit dem Chipsatz saa7134. Während die Inbetriebnahme der beiden Pinnacle-Karten beinahe keine manuelle Konfiguration erfordert, ist von einem Kauf der Sapphire-Karte zu TV-Zwecken abzuraten. Die Treiber für diese Karte stecken noch in früher Entwicklung.

PCTV-Karten

Die PCTV Rave (rund 50 Euro) und PCTV Stereo (rund 80 Euro) unterscheiden sich auf der Hardwareseite nicht. Einziger Unterschied ist, dass der PCTV Stereo eine Fernbedienung beliegt, die in unseren Tests allerdings unter Linux nicht funktionierte. Für Linux-Benutzer empfiehlt sich deshalb der Kauf der kostengünstigeren Rave-Variante. Da Pinnacle unter dem gleichen Namen auch TV-Karten mit Bttv878- und Connexant-Chipsätzen produzierte, sollten Sie vor dem definitiven Kauf die Karte auspacken (lassen) und überprüfen, ob sie wirklich einen Philips-Chips besitzt (siehe Abbildung 1).

Da die Karte keinen externen Audio-Ausgang besitzt ist es wichtig, dass Sie sie beim Einbauen mit Hilfe des zum Lieferumfang gehörenden Kabels mit der Soundkarte verbinden. Der entsprechende Ausgang (Abbildung 1 ganz rechts) ist auf der Tunerkarte mit einem schwarzen Kunststoffwürfel geschützt. Sie müssen diesen vor der Installation entfernen.

Suse Linux 9.2 und Fedora Core 3 erkennen die Karte beim Booten des Systems automatisch und fragen nach, ob Sie die Karte einrichten möchten. Bei Fedora Core antworten Sie dazu mit Ja und zweimaligem Drücken der [Enter]-Taste. Unter Suse Linux wählen Sie als Anbieter Pinnacle und als Kartentyp PCTV Stereo (saa7134) aus. Das vollautomatische Einrichten der Karte ohne manuellen Feinschliff gelang nur unter Suse Linux 9.2 bei der Erstinstallation des Betriebssystems.

Abbildung 1: Die neuen PCTV-Modelle besitzen einen Philips-Tuner.

Nach dem Konfigurieren der Karte starten Sie unter Fedora tvtime, unter Suse Linux kdetv oder motv. Vermutlich hören Sie jetzt ein Rauschen anstelle des Tons. Es handelt sich dabei um ein Problem mit dem Sound-Demodulator TDA9887 [1] des Philips-Tuners. Der standardmässig aktivierte Quasi-Split-Sound-Modus (QSS) ist nur in Frakreich verbreitet. Sie müssen Ihn deshalb mit der Option qss=0 deaktivieren. Entfernen Sie dazu zunächst das betroffene Modul mit rmmod tda9887 und laden Sie es anschließen neu mit dem Befehl:

modprobe tda9887 qss=0

Beide Befehle müssen Sie als root ausführen. Sie sollten nun anstelle des Rauschens den Ton hören. Gibt die Karte überhaupt keinen Ton aus, überprüfen Sie die Mixer-Einstellungen. Haben Sie das Soundkabel der TV-Karte am Mainboard angeschlossen (integrierte Soundkarte), öffnen Sie den Regler für CD. Ist das Kabel an einer PCI-Soundkarte angesteckt, überprüfen Sie die Eingänge Line und Line-IN. Klappt es nach dem Laden des Moduls mit der entsprechenden Option, tragen Sie folgende Zeile in die Datei /etc/modprobe.conf respektive /etc/modprobe.d/tv (Suse) ein:

options tda9887 qss=0

Kernel vor der Version 2.6.5 kennen die Option qss=0 nicht. Betroffen davon sind auch die Benutzer des Original-Kernels von Suse Linux 9.1. Sie sollten vor der Installation der TV-Karte den Kernel via YOU auf den neuesten Stand bringen. Liefert Ihr TV-Programm weder Bild noch Ton, halten Sie in der Datei /var/log/messages nach Einträgen zu saa7134 Ausschau. Vermutlich hat Ihre Distribution die Karte dann nicht vollautomatisch erkannt und Sie müssen das Modul saa7134 mit der Option card=26 laden. Auch hier schafft ein entsprechender Eintrag in /etc/modprobe.conf respektive /etc/modprobe.d/tv Abhilfe:

options saa7134 card=26

Einen vollständigen Eintrag für Fedora Core 3 finden Sie in Kasten 1.

Der PCTV Stereo liegt auch eine Fernbedienung und ein an den seriellen Port des PC anzuschließender Infrarot-Empfänger bei. Unsere Versuche, die Fernbedienung unter Linux in Betrieb zu nehmen, scheiterten jedoch. Auch der Download und das Kompilieren der neuesten Lirc-Version brachte keinen Erfolg. Auf der Karte befindet sich ein zusätzlicher Anschluss für einen IR-Empfänger im Mini-Jack-Format, wie er zum Beispiel auf der Flyvideo 3000 von Life-View zu finden ist. Doch auch über diesen Anschluss ließ sich keine Fernbedienung einrichten.

Mit Ausnahme dieses Mankos machte die Karte in den Tests einen sehr guten Eindruck. Im Vergleich zur bereits erwähnten Flyvideo 3000, die ebenfalls einen saa7134-Tuner besitzt, liefert sie ein schärferes, nahezu perfektes Bild. Auf der älteren Flyvideo-Karte waren hingegen bei einigen Sendern störende Streifen zu sehen.

Kasten 1: Modprobe-Einträge

alias char-major-81 saa7134
options saa7134 card=26
options tda9887 qss=0

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