Es gibt viele Gründe, einen kompletten PC per Software zu emulieren. Wer ohne Reboot mal eben ein Windows-Programm verwenden will, mehrere Testsysteme abseits der Begrenzungen durch die Partitionstabellen aufsetzen möchte oder seine neue Website unter verschiedenen Betriebssystemen und Browsern evaluieren muss, findet im virtuellen Rechner die passende Antwort.
Tarnen und Täuschen
Im Gegensatz zu API-Emulatoren wie Wine (siehe vorangegangener Artikel) bildet VMware Workstation einen kompletten Rechner in Software ab. Das so genannte Gastbetriebssystem läuft dabei in der VMware-Simulation, die es nicht von einem eigenen PC unterscheiden kann. Unter [1] bietet die gleichnamige Firma VMware – seit Anfang 2004 eine Tochterfirma des Branchenriesen EMC Corporation – Linux- und Windows-Varianten des Emulators an. 199 US-Dollar kostet die Box-Version im VMware-Store [4], die Download-Variante kommt 10 Dollar günstiger [3]. In Deutschland ist VMware Workstation zum Beispiel bei LinuxLand für 229 Euro erhältlich [5].
Soll die Emulation einigermaßen zügig laufen, darf der so genannte Host (der gastgebende PC, auch Wirt genannt) nicht zu schwachbrüstig sein. VMware selbst empfiehlt einen Pentium II oder eine adäquate AMD-CPU, 256 MByte Hauptspeicher, eine 16-Bit-Grafikkarte und mindestens 20 MByte freien Festplattenplatz für die VMware-Software. Dazu kommen ausreichend Plattenplatz, die der Wirt seinem Gastsystem bereitstellt und eine Netzwerkkarte, sofern der emulierte PC auf das Netzwerk zugreifen soll.
Diese Angaben verstehen sich als Minimalkonfiguration. Als Gastbetriebssysteme unterstützt VMware praktisch alle Microsoft-Produkte von MS-DOS bis Windows Server 2003, die gängigsten Linux-Distributionen, Novell Netware 5/6, Solaris 9/10 für X86 sowie FreeBSD. Jenseits diesen offiziellen Supports laufen unter VMware jedoch auch zahlreiche weitere Betriebssysteme. Einem Gast-OS gaukelt der Emulator dabei die in Kasten 1 gelistete Hardware vor.
Als Testsystem für diesen Artikel diente VMware für Linux 4.5.2 auf einem Wirts-PC mit Suse Linux 9.1, einer CPU des Typs AMD Athlon XP 1900+, 512 MByte Hauptspeicher, einer Grafikkarte auf Basis der NVIDIA GeForce MX4000 (kommerzielle NVIDIA-Treiber) sowie einem WLAN-Adapter.
Kasten 1: Emulierte Hardware
VMware emuliert einen kompletten PC mit fest vorgegebener Hardware-Ausstattung. Die emulierte Hardware hat nichts mit der Ausstattung des Wirtsrechners zu tun, nur das Gastsystem sieht die virtuellen Komponenten.
Prozessor:
- Intel ab Pentium II, AMD ab Athlon (abhängig von der Original-CPU)
- Experimentelle Unterstützung für AMD64 und IA-32e-CPU
Hauptspeicher (RAM):
- Bis zu 3,6 GByte abhängig vom tatsächlich vorhandenen Speicher
- Maximal 4 GByte für alle virtuellen Maschinen zusammen
IDE-Laufwerke:
- Bis zu vier IDE-Geräte
- Virtuelle (max. 128 GByte) oder physische Festplatte(n)
- CD/DVD-ROM Laufwerke
SCSI-Geräte:
- Bis zu sieben Geräte
- Virtuelle (max. 256 GByte) oder physische Festplatte(n)
- Generic-SCSI-Unterstützung
- Unterstützung für Scanner, CD/DVD-ROM, Bandlaufwerke, usw.
- LSI Logic LSI53C1030 Ultra320 SCSI I/O Controller
- Mylex (BusLogic) BT-958 kompatibler Host-Busadapter (nur unter Windows XP mit zusätzlichen Treibern)
Wechselmedien:
- CD-ROM/CD-R/CD-RW-Laufwerk (physisch oder via ISO-Image)
- DVD-ROM-Laufwerk
- max. zwei 1,44-MByte-Laufwerke (physisch oder via Image)
Grafik-Hardware:
- VGA und SVGA mit VESA-BIOS
Anschlüsse:
- maximal vier serielle Ports (COM)
- maximal zwei bidirektionale Parallelports (LPT)
- zwei USB-1.1-UHCI-Controller
- 104-Tasten-Windows-Tastatur
- PS/2-Maus
Netzwerkgeräte:
- maximal drei virtuelle Netzwerkkarten (Ethernet)
- AMD-PCnet-PCI-II-kompatible Soundkarte
- Unterstützung für Aufnahme und Wiedergabe
- Creative Sound Blaster Audio PCI kompatibel (keine MIDI oder Joystick-Unterstützung)
BIOS:
- PhoenixBIOS 4.0 Release 6 VESA BIOS mit DMI-v2.2/SMBIOS-Unterstützung
Beschaffungstaktik
Wie eingangs erwähnt, ist eine VMware-Lizenz nicht ganz billig. Wenn Sie den Emulator erst testen wollen bevor Sie knapp 230 Euro investieren, können Sie die Software 30 Tage lang kostenlos benutzen. VMware verlangt für den Download [3] lediglich eine Registrierung und sendet Ihnen dann per E-Mail einen Testschlüssel. Zum Download stehen für registrierte Benutzer ein rpm-Paket und ein tar-Archiv bereit. Für den Test kam das RPM-Paket zum Einsatz. Es lässt sich mit dem Kommando su -c "rpm -Uhv VMware-workstation-4.5.2-8848.i386.rpm" recht einfach installieren.
Der Versuch, das Programm daraufhin direkt mit vmware zu starten führt zu der in Abbildung 1 dargestellten Fehlermeldung. VMware verlangt, dass Sie zunächst das Konfigurationsskript vmware-config.pl starten. Das Skript stimmt den Host und den Emulator aufeinander ab: Der virtuelle PC greift zum Teil auf die real existierende Hardware zu, dafür braucht er ein eigenes Kernelmodul im Hostsystem.
Für Suse Linux 9.1 bringt VMware kein vorkompiliertes Kernelmodul mit, erst das Konfigurationsskript erstellt das Modul. Dazu benötigt es einen C-Compiler, unter Linux den gcc. Bei Suse 9.1 befindet er sich unter /usr/bin/gcc – der Aufruf whereis gcc findet das heraus.



