Viele Linuxer bringen den Namen Gentoo in erster Linie mit einer beliebten Selbstbastel-Distribution in Zusammenhang. Tatsächlich hat diese Distribution nichts mit dem gleichnamigen Dateimanager zu tun [1]. Auf der Homepage des Dateiverwalters erfahren Sie, dass die Doppelverwendung des Namens beiden Projekten bekannt ist und darüber hinaus sogar akzeptiert wird: Was im Umfeld kommerzieller Software nahezu undenkbar erscheint, funktioniert in diesem Fall. Eine kleine Gemeinsamkeit verbindet die beiden Gentoos: Flexibilität! Der Dateimanager lässt sich nahezu beliebig an Ihre Bedürfnisse anpassen und wird damit zum unverzichtbaren Begleiter auf dem Desktop.
Installation
Viele Distributionen, wie Suse, Debian oder Mandrake Linux, bringen eigene Gentoo-Pakete mit. Sie installieren sie über das jeweilige Installations-Tool. Hält Ihre Distribution kein passendes Paket bereit oder wollen Sie mit der aktuellen Version 0.11.54 arbeiten, hilft der Griff zum Quellcode weiter. Nach dem Download des Archivs von [2] entpacken Sie es und wechseln in das dabei entstandene Verzeichnis. Gentoo basiert auf dem Gimp Toolkit (gtk) in Version 1.2.x, so dass dessen Entwicklerpakete zum Übersetzen des Dateimanagers installiert sein müssen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, spielen Sie Gentoo mit den drei Befehle ./configure, make und su -c "make install" ein.
Bricht bei Ihnen der make install-Aufruf mit einem Fehler ab – bei unserem Test war das beispielsweise mit Suse Linux 9.1 der Fall – ist ein Fehler im Makefile schuld. Sie beheben ihn, indem Sie in der Datei po/Makefile im Quellcodeverzeichnis die Zeile
MKINSTALLDIRS = $(top_builddir)/./mkinstalldirs
in
MKINSTALLDIRS = mkinstalldirs
ändern. Ein danach aufgerufenes su -c "make install" läuft fehlerfrei durch.
Erste Schritte
Starten Sie Ihre Neuerwerbung mit dem Kommando gentoo & als normaler Benutzer. Gentoo ist ein sicherheitsbewusster Vertreter und präsentiert eine Warnmeldung, wenn Sie versuchen, ihn als root aufzurufen. Diesen Sicherheitsmechanismus umgehen Sie mit dem Aufrufparameter --root-ok. Mit diesem geht Gentoo davon aus, dass Sie wissen was Sie tun und entsprechend vorsichtig agieren.
Nach dem Start präsentiert sich Gentoo in einer Zweifensteransicht mit zusätzlicher Knopfleiste (Abbildung 1). Daneben wartet in der unteren, linken Ecke des Fensters eine Liste mit Lesezeichen. Soll in der rechten Fensterhälfte Ihr Home-Verzeichnis zu sehen sein, wählen Sie den rechten Verzeichnisbaum durch einen Linksklick auf seine Kopfzeile aus. Damit ist die rechte Fensterhälfte aktiv und ein Klick auf die Schaltfläche Home wechselt in den gewünschten Ordner.
Verzeichnisse, für die Gentoo keinen Button mitbringt, betreten Sie mit einem Doppelklick. Alternativ geben Sie den absoluten Pfad zu einem Ordner in das Eingabefeld unterhalb der Verzeichnisanzeige ein. Damit Sie sich nicht die Finger wund tippen, unterstützt dieses Feld das automatische Vervollständigen mit Druck auf die Tab-Taste und merkt sich alle einmal angesteuerten Ordner. Ein Klick auf das Icon links neben dem Eingabefeld wechselt eine Verzeichnisebene nach oben, wohingegen der Button rechts neben dem Eingabefeld die Anzeige versteckter Dateien an- bzw. abschaltet.
Die am häufigsten benötigten Dateioperationen erledigen Sie mit der Button-Leiste. Wechseln Sie in der linken Fensterhälfte ins Quell- und auf der rechten Seite ins Zielverzeichnis. Danach markieren Sie eine Datei und kopieren Sie beispielsweise durch einen Klick auf CopyMake Link einen symbolischen Link und Move verschiebt die ausgewählte Datei. Benutzen Sie stattdessen die Knöpfe CloneLink Clone oder Rename, so bezieht sich die jeweilige Aktion ausschließlich auf das Verzeichnis, in dem die ausgewählten Dateien liegen. Beim Klonen erfragt Gentoo für jede markierte Datei einen neuen Namen. Unter diesem speichert das Programm dann eine Kopie der Datei.
Die Auswahl mehrerer Dateien erleichtern die drei Schaltflächen AllToggle und SelectREAll markiert alle Dateien und Verzeichnisse, Toggle kehrt die aktuelle Auswahl um und SelectRE öffnet den in Abbildung 2 dargestellten Dialog. Dort wählen Sie mit Hilfe von Platzhaltern Dateien aus, deren Name einem bestimmten Muster entspricht. So wählt die Eingabe von rep*txt alle Dateien aus, deren Name mit rep beginnt und mit der Zeichenfolge txt endet.



