Openoffice [1] stellt eine Menge nützlicher Funktionen zur Verfügung. Manchmal reichen aber selbst diese nicht aus. Dann helfen Skripts, mit denen sich jede erdenkliche Anwendung programmieren lässt. Schon in Version 1.1 gab es den Weg, über so genannte Bridges, eigene Anwendungen mit C, C++, Java oder Python zu schreiben. In der bevorstehenden Version 2.0 sollen diese Möglichkeiten schon im Standard-Openoffice eingebaut sein. Dazu kommt das so genannte Common Language Interface (CLI), das eigene Programme in Javascript und C# und auch das Mischen der Sprachen erlauben soll.
Komplexes UNO, simples Basic
Die einfachste Variante der Openoffice-Programmierung bietet zur Zeit die Sprache Basic. Sie ist ohne weiter Klimmzüge in Openoffice verfügbar und auch ohne Informatik-Studium zu beherrschen. Ganz ohne einige fortgeschrittene Konzepte geht es aber nicht, denn die komplexe Architektur von Openoffice hat auch in der Basic-Schnittstelle Spuren hinterlassen. Die Sprache selbst ähnelt dem von Microsoft-Produkten bekannten Visual Basic, ist aber nicht zu 100% kompatibel.
Die sprachunabhängige Openoffice-Programmierschnittstelle heißt UNO (Universal Network Objects). Sie gehorcht den zur Zeit modernen Designprinzipien (und den so genannten Entwurfsmustern [2] ) für Software: Dienste (Services), Komponenten und Schnittstellen (Interfaces). Der Umfang von Entwickler- [3] und API-Dokumentation [4] sprechen für sich.
Das Basic in Openoffice kann nicht den ganzen Umfang von UNO unterstützen, da die Sprache sehr einfach aufgebaut ist. So kennt sie zum Beispiel keine komplexen Datentypen wie Hashes, die Schlüsselworten Werte zuordnen. Das machte ein geplantes Beispiel schwer zu realisieren: Es sollte zählen, wie häufig jedes Worts in einem Text vorkommt. Dazu bietet es sich an, einen solchen Hash (auch assoziatives Array) zu verwenden, mit dem Wort selbst als Schlüssel (Key) und der Anzahl als Wert. Diese einfache Aufgabe erfordert in Openoffice schon einen außordentlichen Programmieraufwand. Man müsste schon selbst eine Hash-Tabelle implementieren, aber das würde den Umfang dieses Artikels kaum sprengen. Stattdessen stellen wir einige Grundlagen des Machbaren anhand eines einfachen HTML-Exporters vor.
Makros, Module und Bibliotheken
Im Gegensatz zum Openoffice-Basic arbeitet die allgemeine Schnittstelle von UNO objektorientiert. Dieser Bruch spiegelt sich in einigen Eigenarten wider. So werden manche Methoden direkt auf Eigenschaften (Properties) abgebildet. Das bedeutet, dass man als Programmierer keine Funktion kreis.radius() aufrufen muss, sondern direkt das Attribut kreis.radius benutzen darf. In der Praxis bedeutet das jedenfalls Verwirrung, denn man findet in Beispielen beide Schreibweisen gemischt.
Die Programmierung mit Basic beginnt im Menü Extras | Makros. Dort finden sich zwei Einträge: Makro aufzeichnen, das eine Art Rekorder für die interaktive Benutzung darstellt, und Makro..., das ein neues Fenster öffnet (Abbildung 1).
Es dient zur Organisation der mitgelieferten und selbstgeschriebenen Makro-Skripts. Die Basic-Programme sind jeweils einem Modul und einer Bibliothek zugeordnet, per Default Module1 respektive Standard. Ein neues Modul enthält bereits die Methode Main, deren Rumpf existiert, die aber sonst noch keinen Code enthält. Klicken Sie auf den Button Bearbeiten, öffnet sich der Editor und sie sehen das leere Gerüst der Funktion (Abbildung 2).
Nun steht der ganze Basic-Sprachumfang zur Verfügung. Wählen Sie im Editor Hilfe | Inhalt, erscheint die Hilfe zu Openoffice-Basic, wo Sie unter anderem eine Liste der Funktionen finden (Makros und Programmierung | Befehle | Alphabetische Liste ..). Einen guten Einstieg bietet auch das Tutorial zu Starbasic [5], der Sprache des Staroffice-Produkts von Sun. Es passt auch zu Openoffice.
Ergänzen Sie für den Anfang das Programmgerüst folgendermaßen:
Sub Main
Ausgabe = "Es ist " & Time()
MsgBox Ausgabe, 0
End Sub
Das Schlüsselwort Sub gibt an, dass es sich um eine Funktion handelt, die in diesem Fall den Namen Main trägt. Tatsächlich schert sich Openoffice wenig um den Namen, es startet die Abarbeitung einfach bei der ersten Funktion im Makromodul. Bei Ausgabe handelt es sich um einen String, der sich aus dem festen Bestandteil "Es ist " und der Ausgabe der Funktion Time() zusammensetzt, die die aktuelle Zeit liefert. Der Operator & verkettet beide Teile zu einem String. Sie können auch, wie beschrieben, die Klammern der Time-Funktion weglassen – es macht keinen Unterschied.
Die Methode MsgBox schließlich zeigt ein Dialog-Fenster. Der erste Parameter enthält den anzuzeigenden Text, der zweite bestimmt den Typ des Dialogs. Die "0" im Beispiel legt fest, dass er nur einen Ok-Button enthalten soll. Eine "1" würde zusätzlich einen Abbruch-Button einbauen. Es existieren weitere Varianten für Ja-/Nein-Buttons und andere Kombinationen. MsgBox gibt auch einen Wert zurück, der anzeigt, welche Buttons der Benutzer gedrückt hat. Das Beispiel macht davon aber keinen Gebrauch.



