Der Bildbearbeiter Gimp kennt eine Menge nützlicher Funktionen. Sich ständig durch die komplizierte Menüstruktur zu klicken, wird bei einer großen Zahl an Bildern mühsam. Praktischerweise bietet Gimp eine eingebaute Programmierschnittstelle für eigene Skripts, die häufige Aufgaben automatisieren. Die verwendete Programmiersprache Scheme [1] ist allerdings nicht jedermanns Sache, denn ihre von Klammern geprägte Syntax (siehe Glossar S. 30) ist gewöhnungsbedürftig.
Deshalb haben die Fans anderer Skriptsprachen für Alternativen gesorgt. Sehr weit entwickelt ist die Perl-Schnittstelle Gimp-Perl. Unter anderem kennt sie einen Server-Modus, in dem Gimp ohne grafische Oberfläche Skripts abarbeitet.
Verbreitetes Python
Der Perl-Modus fehlt allerdings bei den Gimp-Versionen der meisten Distributionen. Dagegen hat sich Gimp-Python als Scheme-Alternative etabliert, die in fast allen Linux-Varianten zur Verfügung steht. Nur Suse-Benutzer haben Pech, denn bei ihrem System fehlt Gimp-Python, siehe Kasten "Selbst kompilieren".
Selbst kompilieren
Wer Gimp selbst übersetzten möchte, findet den Quellcode der aktuellen Version 2.2 auf der Heft-CD. Nach dem Entpacken führen Sie das Konfigurationsskript mit dem für Python nötigen Parameter aus: ./configure --enable-python.. Um Konflikte zu vermeiden, sollten Sie installierte Gimp-Pakete entfernen, bevor Sie mit make install eine frische Version installieren.
Fedora-Benutzer können gleich loslegen, Debian- und Ubuntu-User müssen eventuell noch das Paket gimp-python nachinstallieren.
Datenbank mit Plugin-Funktionen
Die für das Python-Plugin relevanten Einträge finden Sie im Hauptmenü unter Xtns | Python-Fu. Mit dem dort befindlichen Punkt Test | Sphere testen Sie die Installation: Haben Sie den folgenden Dialog mit dem Button OK bestätigt, sollte eine rote Kugel mit Schatten erscheinen.
Auftretende Fehler gibt Gimp in dem Terminalfenster aus, in dem es gestartet wurde. Beim Start über ein grafisches Menü öffnen Sie zur Fehlerdiagnose stattdessen das entsprechende Gimp-Fenster über Datei | Dialoge | Fehlerkonsole. Die Konsole zeigt allerdings nicht alle auftretenden Probleme an. Deshalb sollten Gimp-Skripter das Programm von einem Terminalfenster aus starten.
Als wichtigstes Tool für angehende Gimp-Programmierer fungiert der Browser für die so genannte Procedural Database, kurz PDB (Abbildung 1), zu finden im Hauptmenü unter Xtns | Python-Fu | PDB-Browser. Er listet Funktionen, die Skript-Programmierern in Gimp zur Verfügung stehen. Zum Beispiel lädt die Funktion file_jpg_load eine JPG-Datei. Direkt ausführen lassen sich solche Methoden in der Python-Console (Xtns | Python-Fu | Console).
Der Browser ist die maßgebliche Informationsquelle für die in der jeweiligen Gimp-Version eingebauten Funktionen. Im Netz kursierende Tutorials und Referenzen befinden sich leider oft nicht auf dem aktuellen Stand. Die Suchfunktion hilft, die angezeigten Funktionen auf das eigene Interessenfeld zu begrenzen. Suchen Sie zum Beispiel nach layer, zeigt der Browser alle Funktionen mit passendem Namen. Klicken Sie im linken Feld eine Funktion an, zeigt der PDB-Browser rechts die zugehörigen Infos. Wichtig sind neben der Funktionalität selbst die Parameter (In) und der Rückgabewert (Out).



