Distribits

01.02.2005

Kurz notiert

Das Betriebssystem Syllable (http://www.syllable.org) liegt in Version 0.5.5 vor. Das System ähnelt in Programmierung und Konzeption dem mittlerweile eingestellten BeOS. Die Entwickler bauten zahlreiche Verbesserungen in den Kernel ein und integrierten neue Treiber. Die wichtigsten Neuerungen sind die Unterstützung des i855-Grafikchips von Intel und die Treiber für NVidias GeForce-Grafikkarten. Das Handling von USB-Festplatten wurde ebenfalls überarbeitet. Ein ISO-Image des Systems liegt auf der Homepage zum Herunterladen bereit.

Der amerikanische Distributor Linspire (http://www.linspire.com) entwickelte das Programm IRMA (International Resource Managment Application), um die Lokalisierungen von Programmen auch für Nichtprogrammierer einfacher zu gestalten. Dies geschah mit dem Ziel, die Übersetzung der hauseigenen Distribution und aller darin enthaltenen Programme in möglichst viele Sprachen voranzutreiben, darunter auch Deutsch. Zur Zeit verkauft Linspire seine Produkte nur in Englisch, Japanisch, Italienisch und Spanisch. Als Übersetzer arbeiten Betatester von Linspire, neue Helfer sind jedoch willkommen.

Mit MiniVDR 1.0 (http://minivdr.de) betritt eine weitere Distribution zum Aufbau eines digitalen Videorekorders die Bühne. Sie basiert auf Suse Linux und setzt als Hardware eine DVB-Karte mit Video-Ausgang voraus. Zum Übertragen von Dateien auf den Rekorder und zur Wartung nimmt MiniVDR Netzwerkverbindungen über Samba und SSH entgegen. Sie finden ein ISO-Image der Distribution auf der Homepage des Projekts.

LinVDR (http://linvdr.org) liegt in einer neuen Version 0.7 vor (siehe Heft-CD und Artikel ab Seite 42). Ein PC mit LinVDR und einer DVB-Karte stellen für einen digitalen Videorecorder die Grundvorausetzung dar. Das System kann mehrere Sendungen gleichzeitig aufzeichnen, hilft Ihnen beim Schneiden des Materials, wandelt es in verschiedene Formate um und kann Aufnahmen zeitversetzt wiedergeben. Mit Hilfe von Plugins lässt sich das System erweitern und unterstützt dann unter anderem die MP3- und DVD-Wiedergabe. Das mit 31 MByte erfreulich schlanke ISO-Image steht auf der Homepage des Projekts als Zip-Archiv zum Herunterladen bereit.

Die Distribution Netwosix (http://www.netwosix.org) steht in Version 1.2 zur Verfügung. Da sie für den Aufbau eines Servers konzipiert ist, bietet sie eine grafische Benutzeroberfläche nur optional an. Stattdessen enthält sie vorkonfigurierte Web-, Mail- und FTP-Server, die aktuellste Version von Samba sowie Software zum Aufbau drahtloser Netze. Die Paketerwaltung erledigt Nepote, ein eigens für die Distribution geschriebenes Programm, das sich an das Port-System der BSD-Familie anlehnt. Ein 224 MByte großes ISO-Image zur Installation finden Sie auf der Netwosix-Homepage.

Für alle Nostalgiker und Software-Archäologen stellt Mandrakesoft-Gründer Gael Duval mit der Version 5.1 die allererste Mandrake-Distribution noch einmal zum Download bereit. Unter der Haube werkelt Kernel 2.0.34, XFree86 liegt in Version 3.3.2 bei, Netscape trägt die Versionsnummer 4.0.5. Gimp und KDE waren damals gerade als Version 1.0 erschienen. Sie finden das knapp 400 MByte große ISO-Image unter (http://www.rli.ch/static/mdk51/).

Mit Embedded Gentoo (http://www.gentoo.org/proj/en/base/embedded/) steht die Entwickler-Distribution nun auch für eingebette Systeme zur Verfügung. Zur Zeit unterstützen die Entwickler die Prozessorarchitekturen i386, Mips, PPC und Arm, weitere sollen folgen. Die meiste Arbeit stecken die Developer vor allem in die Vorbereitung der Pakete für die Cross-Kompilierung auf verschiedenen Plattformen sowie die Zusammenstellung der Programme zu diesem Zweck.

NetBSD (http://www.netbsd.org) erschien in Version 2.0. Ziel von NetBSD ist die Unterstützung möglichst vieler Systemplattformen, zur Zeit sind es 54. Für 48 dieser Plattformen gibt es fertige Binärpakete. Auf dem Server von NetBSD und zahlreichen Mirrors liegen ISO-Images zum Download bereit.

Die zweite öffentliche Beta-Version von Pro Mepis 2005 (http://mepis.org) ist verfügbar. Die Distribution basiert auf Debian Unstable und richtet sich an fortgeschrittene Benutzer und Entwickler. Pro Mepis bringt neben den aktuellen Desktop-Umgebungen Gnome 2.8 und KDE 3.3.1 Unterstützung für zahlreiche WLAN-Karten und ISDN mit. Auch Datenbank-, Web- und Mailserver finden sich im Fundus.

Eine Dämonische Live-CD

Freesbie (http://www.freesbie.org) ist der Name einer Live-CD, die das neueste FreeBSD 5.3 als Grundlage hat. Wenn Sie gerne einmal BSD ausprobieren möchten, ohne gleich eine Installation zu starten, bekommen Sie so ein vollständiges System an die Hand.

Es startet auf älteren Rechnern recht flott. 256 MByte Arbeitsspeicher sind allerdings notwendig, da sich sonst der Aufruf von Programmen später zäh gestaltet. Nach dem Booten wählen Sie nur noch die Tastaturbelegung aus und bestimmen den gewünschten Desktop, wobei Fluxbox und Xfce zur Wahl stehen.

Die Erkennung von Netzwerkkarte, Maus und USB-Geräten funktioniert sehr zuverlässig. Allerdings schaffte es das System auf mehreren Computern nicht, eine funktionierende Konfiguration für das grafische System X.org zustande zu bringen. Sowohl Laptops als auch Desktop-Rechner mit NVidia-Grafikkarten bereiten dem System Probleme. Auf einem Rechner mit einem Mini-ITX-Board wollte X.org gar nicht funktionieren. Mit Hilfe des Programme xorgconfig und xorgcfg ließ sich X.org in den meisten Fällen allerdings manuell konfigurieren.

Haben Sie diese Hürden gemeistert, finden Sie ein gut zusammen gestelltes System. Alle Programme für die tägliche Arbeit sind vorhanden. Das aktuelle OpenOffice kümmert sich um die Büroarbeit, Gimp 2 übernimmt die Grafikbearbeitung und Firefox sowie Thunderbird dienen als Browser beziehungsweise Mail-Client. Musik- und Filmgenuss steht dank XMMS und MPlayer nichts im Wege. Als Linux-Benutzer fühlt man sich auf dem System sofort zuhause.

Die Samba-Installation zeigte sich leider unvollständig. Zwar lässt sich, das Netzwerk nach Servern zu durchsuchen, ein Mounten der Shares klappt dann allerdings nicht.

Freesbie lässt sich mit Hilfe von Sysinstall, einem leicht zu bedienenden Installationsprogramm, auf eine Festplatte installieren und mit Programmen aus dem reichhaltigen Fundus von FreeBSD erweitern.

Das System eignet sich gut, um einmal in FreeBSD hineinzuschnuppern. Einige ärgerliche Fehler wie die unvollständige Samba-Installation und die unzuverlässige Konfiguration von X.org trüben das Bild jedoch ein wenig. Sie finden das 600 MByte große ISO-Image auf der Homepage des Projekts und zahlreichen Spiegel-Servern. Ein Bezug über Bittorrent ist möglich.

Der Anblick von Freesbie wirkt für Benutzer von Linux sehr vertraut.

Xandros verbessert Sicherheit

Die Distribution Xandros Desktop (http://www.xandros.com) liegt in Version 3.0 vor. Der kanadische Hersteller setzt bei diesem Release die Priorität auf die Verbesserung der Sicherheit und die Integration kabelloser Geräte. Das macht Xandros 3.0 für Benutzer von Notebooks interessant.

Das System spiegelt den Stand von Debian Sarge wieder und enthält neben KDE 3.3 zusätzlich den Realplayer 10, Mozilla 1.7, Java und Macromedia Flash. In der Deluxe- und Business-Version besteht die Möglichkeit, das Home-Verzeichnis mit den Nutzerdaten verschlüsselt abzulegen.

Xandros Desktop erscheint zunächst in zwei Versionen. Die Standardvariante kostet 50 US-Dollar; eine Deluxe-Edition schlägt mit 90 US-Dollar zu Buche. Beiden Varianten unterscheiden sich vor allem in Bezug auf den Support-Zeitraum: Bei der einfachen Version sind es 30 Tage, bei der Deluxe 60. Ferner enthält letztere ein gedrucktes Handbuch. Käufer der günstigeren Version müssen mit einem kleinen Heftchen auskommen, das die Installation kurz erklärt.

Im ersten Quartal 2005 erscheint dann eine kostenlose Open Circulation Edition und eine lokalisierte Business-Edition. In diese integrierten die Entwickler erstmals eine Unterstützung für ISDN. Auch die Lokalisierungen für die Standard- und Deluxe-Version erscheinen erst Anfang 2005.

Knoppix 3.7

Klaus Knopper gab die beliebte Live-CD Knoppix (http://www.knoppix.de) in Version 3.7 frei. Auf dem Medium befinden sich neben dem aktuellen System auf der Basis von Debian Unstable wie gewohnt zahlreiche Anwendungen in komprimierter Form, die zusammen etwa 2 GByte umfassen.

Die Neuerungen gegenüber der Vorgängerversion liegen vor allem bei den Aktualisierungen: Alle Pakete stehen in Versionen aus Debian Testing oder sogar Unstable zur Verfügung. Als Standard-Desktop kommt daher KDE 3.3.1 zum Einsatz. Zur Auswahl stehen die Kernel 2.4.27 und 2.6.9, wobei letzterer über ACPI-Unterstützung verfügt.

Die Entwickler berücksichtigten ebenso das Sicherheits-Update auf Java 1.4.2_06 wie die Einbindung weiterer Grafikkartentreiber. Mit isdntool-knoppix steht jetzt ein grafisches Programm zur Einrichtung von ISDN-Hardware zur Verfügung. FreeNX liegt in Version 0.2.5 bei.

Das aktuelle Knoppix liegt in Form eines etwa 700 MByte großen ISO-Images auf der Knoppix-Homepage und zahlreichen Mirrors zum Download bereit. Hier kann auch Bittorent zum Einsatz kommen. Verschiedene Anbieter versenden die Distribution als fertig gebrannte oder gepresste CD.

Knoppix bietet in der neuesten Version wieder eine üppige Auswahl an Software.

Spielespass von der Live-CD

Zeitgleich mit der aktuellen Version von Knoppix erschien Games Knoppix (http://games-knoppix.unix-ag.uni-kl.de). Der Ableger basiert ebenfalls überwiegend auf freier Software und wurde besonders für den Einsatz mit PC-Spielen optimiert. Die Distribution bringt Treiber für ATI- und NVidia-Grafikkarten mit, so dass die die Hardware-Beschleunigung dieser Karten sofort funktioniert und Spiele flüssig ablaufen.

Die Entwickler nennen als Minimum 400 MByte RAM, besser 512 MByte. Einige Spiele laufen aufgrund der Hardware-Beschleunigung allerdings auch schon mit 256 MByte RAM.

Zur Konfiguration des Joysticks lieferen die Entwickler ein eigenes Programm mit. An Bord sind Spiele aus allen Bereichen. Auch Hardware-Emulatoren finden sich auf der CD, um alte DOS- oder klassische Super Nintendo-Spiele auszuführen. Spiele-Knoppix ist über Bittorrent und FTP/HTTP von der Homepage aus erhältlich.

Aufgrund der in Deutschland geltenden Gesetze ist für diese CD eine Altersfreigabe notwendig. Da die Entwickler diese nicht haben, darf sie nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verteilt werden, obwohl sich keine jugendgefährdenden Spiele auf ihr befinden. (Frank Wieduwilt/agr)

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