Home / LinuxUser / 2005 / 01 /

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Eingedost
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Aufteiler
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.

Aufmacher Artikel

01.01.2005

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Geld liegt auf der Straße. Und natürlich findet sich einer, der es aufhebt – ein alter Bekannter sogar. Michael Robertson heißt der Mann. Wenn's da bei Ihnen noch nicht gleich klingelt: Mr. Robertson ist der CEO eines bekannten amerikanischen Linux-Distributors. Seitdem Microsoft dem Unternehmen die ursprüngliche Marke weggeklagt hat, firmiert es unter dem Namen Linspire.

Nomen est omen – an der Inspiration hat es Michael Robertson noch nie gemangelt. Das beweist schon die Idee, seine Debian-basierende Distribution um ein so genanntes Warehouse zu bereichern. Von dieser sinnigen Einrichtung dürfen Abonnenten gegen Zahlung von 49,99 US-Dollar per annum oder ersatzweise 4,95 Dollar monatlich Update-Pakete herunterladen.

Man sollte glauben, ein derartiges Geschäftsmodell sei schlankweg nicht mehr zu toppen. Debian-Anwendern den Download von Debian-Paketen zu verkaufen, liegt immerhin schon recht nahe am sprichwörtlichen Veräußern von Kühlschränken an Eskimos. Doch offenbar gebricht es Mr. Robertson auch über diese clevere Idee hinaus nicht an Inspiration.

Das beweist eine Website, die kürzlich im Netz der Netze aufgetaucht ist und auf den schönen Namen OOoFf.com hört. Dort wird ein atemberaubendes neues Produkt beworben, das – Sie raten es – den Namen OOoFf (sprich: "Uff") trägt. OOoFf setzt sich zusammen aus der Bürosuite OpenOffice.org 1.1.3 (OOo) sowie dem Browser Firefox 1.0, die in OOoFf "erstmals zusammengeführt werden", so Linspire.

In einer bunten Packschachtel finden sich zwei CD-ROMs, deren eine die Programme in Versionen für Linux, MacOS X und Windows trägt. Auf der anderen finden sich der OpenOffice-User-Guide sowie eine Flash-Demo. Das ganze ist derzeit frei Haus zum Einführungspreis von "nur 29,95 US-Dollar" zu haben, später soll das "Produkt" 49,95 Dollar kosten. Hersteller von OOoFf – sie raten es wohl wieder – ist natürlich niemand anderes als Linspire, der wohlbekannte Mr. Robertson also.

Ich gönne gerne Linspire die tolle "Produktidee" und Mr. Robertson das damit verdiente CEO-Gehalt. Immerhin bekommt der Käufer für sein Geld ja zwei CDs mit bewährten und erfolgreichen Anwendungen der Open Source. Auch dass man OpenOffice und Firefox anderswo günstiger bis (fast) kostenfrei bekommen könnte, wollen wir einmal dahin gestellt lassen.

Was mich aber wirklich wurmt, ist die dahinter stehende Attitüde, das Unwissen weniger sattelfester PC-Anwender in klingende Münze umzusetzen – und das auch noch mit Hilfe freier Software. Hinter der Open-Source-Community steht der Stallman'sche Gedanke der Fünf Freiheiten – die letztlich bedeuten, dem Mitmenschen auch ohne finanzielle Anreize zum allgemeinen Nutzen und auf Basis des Kategorischen Imperativs unter die Arme zu greifen.

Diese Idee dadurch zu pervertieren, indem man mit ihren Ergebnissen weniger bedarfte Zeitgenossen über den Löffel barbiert, macht hoffentlich keine Schule. Ein wenig beruhigt mich immerhin die Tatsache, dass OOoFf nur in den "Continental United States" verkauft wird. Offenbar weiß Mr. Robertson sehr wohl, welches Echo er mit seinem Produkt im Open-Source-offeneren Europa ernten würde.

Falls Sie sich jetzt fragen, ob wir just jenes OpenOffice 1.1.3 und eben den Firefox 1.0, aus denen sich OOoFf zusammensetzt, aus widerständlerischen Gründen auf unsere Heft-CD gepackt haben: Nein, den CD-Inhalt haben wir schon geraume Zeit vor Herrn Robertsons Geistesblitz entschieden. Dazu haben wir gleich noch die Preview-Version (1.9.m62) für das anstehende OpenOffice 2.0 gepackt. Den Test dazu finden Sie übrigens auf Seite 61 dieses Hefts.

Eine Bitte zum Schluß: Falls Sie unsere Heft-CD nicht benötigen, weil Sie sich die aktuellsten Versionen von OpenOffice und Firefox lieber via DSL aus dem Netz holen – geben Sie die Heft-CD doch an jemand weiter, der keinen so opulenten Internet-Anschluß sein eigen nennt. So spricht sich herum, dass man kein OOoFf kaufen muss, um an gute Büro- und Internet-Software zu kommen, und wir nicht noch mehr solche "Produkte" sehen müssen.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Tip a friend    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

656 Hits
Wertung: 0 Punkte (3 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 05/2014

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,95 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 60,60) können Sie im Medialinx-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Bilder vergleichen mit diffimg
Bilder vergleichen mit diffimg
Tim Schürmann, 01.04.2014 12:40, 1 Kommentare

Das kleine Werkzeug diffimg kann zwei (scheinbar) identische Bilder miteinander vergleichen und die Unterschiede optisch hervorheben. Damit lassen sich nicht nur Rätsel a la „Orignial und Fäls...

Aktuelle Fragen

programm suche
Hans-Joachim Köpke, 13.04.2014 10:43, 8 Antworten
suche noch programme die zu windows gibt, die auch unter linux laufen bzw sich ähneln sozusagen a...
Funknetz (Web-Stick)
Hans-Joachim Köpke, 04.04.2014 07:31, 2 Antworten
Bei Windows7 brauche ich den Stick nur ins USB-Fach schieben dann erkennt Windows7 Automatisch, a...
Ubuntu 13.10 überschreibt immer Windows 8 Bootmanager
Thomas Weiss, 15.03.2014 19:20, 8 Antworten
Hallo Leute, ich hoffe das ich richtig bin. Ich habe einen Dell Insipron 660 Ich möchte gerne Ub...
USB-PTP-Class Kamera wird nicht erkannt (Windows-only)
Wimpy *, 14.03.2014 13:04, 15 Antworten
ich habe meiner Frau eine Digitalkamera, AGFA Optima 103, gekauft und wir sind sehr zufrieden dam...
Treiber
Michael Kristahn, 12.03.2014 08:28, 5 Antworten
Habe mir ein Scanner gebraucht gekauft von Canon CanoScan LiDE 70 kein Treiber wie bekomme ich de...