Streaming mit dem Darwin Streaming Server

Datenstrom mit Hängern

Mit dem Darwin Streaming Server bietet Apple eine freie Version des kommerziellen Quicktime-Servers an. Er beherrscht die zukunftsträchtigen Formate MP3 und MPEG-4-Video und kommt mit einem Web-Frontend. Wie Sie ihn trotz einiger Schwierigkeiten zum Laufen bekommen, verrät dieser Praxisartikel.

Video-Streaming ist unter Linux noch immer ein Stiefkind. Freie Serverprogramme unterstützen häufig nur exotische Formate, kommerzielle Produkte dagegen sind kostspielig. So funktioniert der Real-Server der gleichnamigen Firma zwar gut, geht aber mit einigen Tausend Euro richtig ins Geld. Ihr freier Basic-Server bedient maximal fünf Clients und versagt nach einjähriger Testphase den Dienst [1].

Die Firma Apple hat dagegen vor einiger Zeit die wesentlichen Teile ihres Quicktime-Servers unter einer Open-Source-Lizenz freigegeben, der Apple Public Source License [2]. Der Darwin Streaming Server (DSS) beherrscht das gängige Audio-Format MP3, Quicktime- und MPEG-4-Videofilme.

Freier Server für MP3 und MPEG-4

Um an die Software zu kommen, müssen Sie sich zuerst auf der Apple-Website [3] registrieren. Klicken Sie dann auf der DSS-Seite [4] unter Source Code auf Streaming Server 5.0.1, startet gleich der Download. Alternativ wählen Sie das für Red Hat 9.0 gedachte Paket – das klappte im Test mit Debian, Suse 9.1 und Fedora Core 3. Wer den Quellcode trotzdem selbst kompilieren will oder muss, findet einige Hinweise dazu im Kasten Eigenbau.

Eigenbau

Um den Sourcecode selbst zu kompilieren, entpacken Sie die Zip-Datei mit unzip DarwinStreamingSrc5.0.1.1.zip. Dann wechseln Sie ins neu angelegte Verzeichnis DarwinStreamingSrc5.0.1.1 und geben den Befehl ./Buildit ein. Das Skript ./Install bewegt die Dateien an den richtigen Ort: /usr/local/bin und /usr/local/sbin für die Programme, /etc/streaming für die Konfigurationsfiles. Das Installationsskript fragt auch gleich nach einem Loginnamen und einem Passwort für den Administrator des Darwin-Servers.

Leider enthalten die Skripts Fehler: Buildit legt die kompilierten Dateien nicht dort ab, wo Install sie erwartet:

copying qtpasswd to /usr/local/bin/qtpasswd
cp: cannot stat `qtpasswd': No such file or directory

Beobachten Sie also die Ausgabe des Installationsskripts und kopieren Sie die Dateien von Hand an den richtigen Ort. Finden Sie die Dateien nicht ohne weiteres, hilft der Befehl find:

# find -name "qtpasswd"
./qtpasswd.tproj/qtpasswd

Dieses File kopieren Sie an die von Install vorgesehene Stelle: cp ./qtpasswd.tproj/qtpasswd /usr/local/bin. So verfahren Sie mit allen benötigten Dateien.

Auch wenn die Programmdateien auf vielen Distributionen laufen, funktioniert das Installationsskript nicht unbedingt fehlerfrei. Zum Beispiel fehlt manchmal die nötige Benutzergruppe, die Sie als Administrator leicht von Hand einrichten: groupadd qtss. Auch die Konfigurationsdatei der Source-Code-Distribution ist unbrauchbar. Verwenden Sie besser diejenige des Binärpakets, denn sie enthält bereits sinnvolle Einstellungen.

Stimmen Konfigurationsfile, User- und Gruppeneinstellungen, lässt sich der Server als Administrator mit /usr/local/sbin/DarwinStreamingServer starten. Die Option -d sorgt dafür, dass der Server im Vordergrund läuft. Die Tastenkombination [Strg-C] bricht ihn wieder ab. Das Skript /usr/local/sbin/streamingadminserver.pl schaltet die Verwaltung über die Web-Oberfläche ein.

Einstellen über Browser

Erscheint die Meldung Launching Streaming Server..., können Sie das Web-Frontend ausprobieren. Dazu geben Sie im Browser die URL http://Serveradresse:1220/ ein. Laufen Server und Browser auf demselben Rechner, verwenden Sie als Serveradresse localhost, sonst den Rechnernamen oder die IP-Adresse. Startet man DarwinStreamingServer ohne Web-Frontend, funktioniert der Server sonst normal. Es ist also auch möglich, die Konfigurationsdatei von Hand zu editieren. Ein killall -HUP DarwinStreamingServer bringt den Server dazu, die veränderte Datei neu einzulesen.

Am Web-Frontend melden Sie sich mit dem bei der Installation gewählten Usernamen und dem entsprechenden Passwort an. Auf der folgenden Seite fragt Darwin ein weiteres Passwort ab, das er für eingehende MP3-Streams verwendet, die er selbst weiterverteilt.

Dann bietet der Server an, die Verbindung mit SSL zu verschlüsseln. Dazu benötigt er einige Software-Pakete, die möglicherweise fehlen: die OpenSSL-Bibliothek, das Perl-Modul Net::SSLeay und vor allem ein gültiges SSL-Zertifikat. Das so gesicherte Web-Frontend finden Sie unter Port 1240. Betreiben Sie Darwin nur zu Hause oder im abgesicherten eigenen Netz, können Sie auf SSL verzichten.

Schließlich folgt der Pfad zu den Videodateien, per Default /usr/local/movies, wohin das Installationsskript die Beispieldateien geschrieben hat. Als letzten Schritt bietet Darwin an, Streaming über Port 80 einzuschalten, was helfen kann, Firewalls zu überbrücken. Die beschriebenen Optionen lassen sich im Webinterface auch nachträglich noch ändern. Nach diesen ersten Einstellungen erscheint das Hauptfenster des Web-Frontends (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Hauptfenster des Web-Interfaces zeigt statistische Daten des laufenden Servers.

Wie erwähnt liegen nach der Installation im Hauptverzeichnis (Master Directory) /usr/local/movies die Beispiel-Videodateien. Um sie unter Linux abszuspielen brauchen Sie einen Player, der die Formatfamilie MPEG-4 und das Streaming-Protokoll RTSP beherrscht. Den bekannten MPlayer [5] muss man dazu mit der LIVE-Bibliothek [6] neu kompilieren. Die meisten Player, wie etwa der VideoLAN-Client vlc, [7] benötigen für MPEG-4-Dateien die Bibliothek FFMpeg [8]. Wie Sie das Programm Totem fürs Abspielen einrichten, beschreibt ein Artikel im LinuxUser [9].

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