Preview: OpenOffice 2.0

Optische Täuschung

Auf den ersten Blick erschreckt OpenOffice 2.0 mit einer weitgehend bei Microsofts Pendant abgekupferten Oberfläche. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart das vermeintliche Biest unvermutete innere Werte, die zum Umstieg auf die generalüberholte Version verlocken.

Ungefähr ein Jahr nach Version 1.1 des OpenOffice Pakets kündigt sich dieser Tage die Version 2.0 an. Der Funktionsumfang des neuen OpenOffice steht seit einem so genannten "Feature Freeze" im August 2004 weitgehend fest. Zwar lässt das endgültige Release der neuen Version wohl noch bis März 2005 auf sich warten. Größere Änderungen sind aber nicht mehr zu erwarten. Ein guter Moment also, bereits vorab einen neugierigen Blick auf die Änderungen zu werfen.

Die beginnen schon mit der Programmeinrichtung. Der bisher gut versteckte Modus Netzwerkinstallation fungiert in Form der Mehrbenutzer-Einrichtung jetzt als Standard und kann auch über den grafischen Modus angestoßen werden. Die meisten Nutzer bemerken den Unterschied vermutlich kaum. Systemadministratoren jedoch erleichtert er das Leben deutlich, indem er die bislang für jeden Nutzer notwendige, separate Workstationinstallation überflüssig macht.

Erhalten bleibt dagegen auch in der Version 2.0 die umständliche, separate Einrichtung von Rechtschreibprüfung, Thesaurus und Silbentrennung. Dafür offeriert das Paket weiter die schon seit OpenOffice 1.1.2 vorhandene, recht komfortable Installationshilfe in Form eines Makros.

Ansichtssache

In der neuen Version passt sich OpenOffice gezielt seiner Umgebung an: Unter Gnome und Windows XP übernimmt es sowohl das Aussehen der Bedienelemente (Widgets) als auch die Farbschemata (Themes). Ändert man das Look-and-feel im Betriebssystem, mutiert OpenOffice mit. KDE-Nutzer müssen allerdings noch eine Weile auf diesen Vorteil verzichten: Es lässt sich bereits absehen, dass die entsprechende Integration für OpenOffice 2.0 nicht mehr rechtzeitig fertig wird.

Für Umsteiger von OpenOffice 1.x wartet die neue Version mit einer unerfreulichen Überraschung auf: OpenOffice 2.0 ähnelt eher einem aktuellen Microsoft Office als seinem eigenen Vorgänger. Konvertiten von der Windows-Fraktion mögen dies eine feine Sache finden – altgediente OpenOffice-Nutzer ärgern sich jedoch zurecht darüber, mühsam Andressiertes jetzt anscheinend wieder verlernen zu müssen. Immerhin bleibt die MS-Office-artige Benutzerführung optional, die gewohnte Bedienung lässt sich alternativ weiter nutzen.

Zwar betont das OpenOffice Team, die Hauptmenüs fielen durch die Auslagerung selten benutzter Funktionen nun kürzer und übersichtlicher aus. Es drängt sich aber eher der gegenteilige Eindruck auf: Wie ein kurzes Nachzählen erweist, beherbergen die einzelnen Menüs tendenziell mehr Punkte als bisher.

Am stärksten haben die Entwickler die Menüstruktur überarbeitet. Alte MS-Office-Hasen können sich im Writer jetzt beispielsweise des gewohnten Menüs Tabelle erfreuen (Abbildung 1). Doch nicht nur die Struktur, auch einige Begrifflichkeiten wurden an den Großen Bruder angepasst: So heissen die bisherigen AutoPiloten jetzt Wizards, die eingangs erwähnte Installationshilfe findet sich beispielsweise unter Datei | Wizards.

Abbildung 1: Was – das neueste Microsoft Word? Nein, hier präsentiert sich der Writer aus OpenOffice 2.0.

Die Werkzeugleisten erscheinen am unteren Bildschirmrand statt wie bislang links. Sie lassen sich jetzt beliebig verschieben und an jedem Fensterrand andocken (Abbildung 2). Ähnliches gilt für alle Bestandteile von OpenOffice – sogar für den Stylisten, der damit einen festen Platz erhalten kann, statt wie bisher eher heimatlos dem Hauptfenster im Weg zu sein. Die Icons auf den Werkzeugleisten, hinter denen sich wiederum abreißbare und frei positionierbare Werkzeugleisten verbergen, sind nun deutlicher gekennzeichnet.

Abbildung 2: Die Werkzeugleisten lassen sich in OpenOffice 2.0 an jeder Kante andocken. An der rechten Seite sehen Sie den ebenfalls dockbaren Stylist.

Als augenscheinlichste Veränderung auf den Funktionsleisten fällt das hinzugekommene Pinsel-Werkzeug auf. Hier spendiert das OpenOffice-Team den Umsteigern – und wohl auch vielen bisherigen Nutzern – ein häufig gewünschtes Feature. Der Pinsel ermöglicht, Formatierungen von einem Bereich in den anderen zu übertragen, ohne erst mit Absatz- oder Zeichenformaten hantieren zu müssen.

Writer als Tabellenkünstler

Die Textverarbeitung Writer, die wohl am häufigsten genutzte Anwendung des OpenOffice-Pakets, verzichtet auf dramatische Veränderungen. Kein Wunder, denn schon heute nutzt kaum jemand alle Features der Anwendung. Allerdings erhielten die Tabellenfunktionen eine gründliche Überarbeitung. Sie können Tabellen nun schachteln, auch dürfen diese neuerdings Nummerierungen und Aufzählungen enthalten. Text lässt sich zudem vertikal in Tabellenzellen anordnen: Sie schreiben dann also von oben nach unten – umgekehrt funktioniert es aber nicht.

Sehr nützlich ist die Fähigkeit, auch innerhalb von Tabellenzeilen einen Seitenumbruch setzen zu können. Diese Option erfreut insbesondere all jene, die häufig Dokumente aus Microsoft Word öffnen müssen: Bisher musste man solche Tabellen aufwändig nachformatieren. Eine erfreuliche Renovierung erfuhr auch die Funktion Wörter zählen. Versteckte sie sich bisher kaum auffindbar in unter Datei | Eigenschaften | Statistik, erreicht man sie nun bequem über das Menü Extras. Weiterhin zählt sie nicht mehr nur die Gesamtzahl aller Wörter im Text, sondern auch diejenige eines markierten Bereichs.

Eine letzte Kleinigkeit gefällt insbesondere Teamarbeitern, die häufig mehrere Dokumente in eines konsolidieren müssen: Dem Menüpunkt Bearbeiten | Inhalte einfügen haben die Entwickler endlich ein festes Tastaturkürzel zugeordnet ([Strg]-[Shift]-[V]). Klar, man konnte auch in OpenOffice 1.x manuell einen Hotkey dazu definieren – aber Hand aufs Herz, wann haben Sie so etwas das letzte Mal getan?

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