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Spamkings und Antispammer

Neurotiker unter sich

01.01.2005 Zwielichtige Angebote und schlüpfrige Botschaften verstopfen die Inbox. Wer steckt hinter solchen Massen-Mails? Ein Buch deckt die Fakten auf.

Keine Frage – der tägliche Werbemüll in der Mailbox sorgt immer noch für Unmut. Auch der Schaden an der globalen Volkswirtschaft beziffert sich auf mehrere Millionen Euro, je nach Lesart. Obwohl meist kurios und in vielen Fällen unverständlich, scheinen die digitalen Werbeträger doch zumindest eine kleine Gruppe von selbsternannten Marketingstrategen so gut zu ernähren, dass diese weiterhin ihr Unwesen trieben.

Es lohnt sich also, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die ans Licht zu zerren, die sich mit diesem Geschäft ihre schmutzigen Dollars verdienen. Diesen Job übernimmt Brian McWilliams in seinem Buch "Spam Kings", das anhand mehrerer Lebensläufe die Eigenarten und Entwicklungen dieses sehr modernen Marketingmediums nachzeichnet.

Beim Namen genannt

McWilliams nennt hier Roß und Reiter und deckt die Identitäten einiger Größen aus dem Gewerbe auf. Das ist notwendig, um einen tiefen Einblick in das Tun der Täter zu bekommen, denn zumindest bei einem der Porträtierten speist sich der Drang zu schnellem, rücksichtlosen Profit sich aus einem mannshohen Minderwertigkeitskomplex, der in zerrütteten Familienverhältnissen und einem Einzelgängerdasein während Schule und Studiums einen gesunden Nährboden fand.

So vertreibt ein amerikanisches Mitglied des illustren Zirkels eher im Nebenjob nationalsozialistische und faschistische Insignien, organisiert einen Marsch weißer Arier auf Washington und zieht sich erst nach dem totalen Fehlschlag dieser Aktion langsam aber beständig in den Graubereich des Online-Marketings zurück.

An sich ein intelligenter Kopf, findet er hier ein Betätigungsfeld, dass ihm nach seinem abgebrochenen Schulabschluß nicht nur ein geregeltes Einkommen, sondern auch die intellektuelle Herausforderung im Krieg mit denen, die ihn bekämpfen.

Neurotische Beziehung

Ebenso interessant wie das Portrait der Spammer gestaltet sich die Analyse der Gegenseite: Aus allen Rohren schießend, jagen die Anti-Spammer hinter den digitalen Dreckschleudern her. Der Jagdtrieb nimmt so manches Mal missionarischen Züge an, und in einigen wenigen Fällen lässt sich eine gewisse Neurose nicht verleugnen.

So kämpfen die Antispammer nicht nur mit juristischen Mitteln. Gerne setzen sie auch das Mittel der persönlichen Diffamierung ein und veröffentlichen die persönlichen Daten von Spammern, was nicht selten mit massiven Drohnung gegen deren Leib und Leben verbunden ist.

Nichtsdestotrotz bleibt es ein richtiges Anliegen, unbedarfte Anwender vor dem Werbemüll zu schützen. Aus dieser Motivation entstand beispielsweise die Site Spamhaus http://www.spamhaus.org, die mit Blacklists und Verzeichnisse der Spammer für mehr Schutz und Transparenz in dem Bereich sorgt, bis bessere technische Lösungen gefunden sind.

Das Buch sorgt streckenweise für gesträubte Nackenhaare: So scheint an einer Stelle deutlich durch, dass sogar die ISPs die Hand aufhalten und Spammern ihre Server als Relays überlassen. Gegen solche Machenschaften helfen natürlich auch keine technischen Mittel mehr, und der Anwender darf sich auch künftig über den Schlüpfiges und Zwielichtiges in seiner Mailbox freuen.

Info

Titel: Spam Kings – The Real Story Autor: Brian McWilliams Verlag: O'Reilly Preis: 22,95 US-Dollar ISBN: 0-596-00732-9

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LinuxUser 06/2012

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