Die Adventure-Engine SCUMM ("Script Creation Utility for Maniac Mansion") entwickelte seinerzeit Ron Gilbert für das 1987 erschienene Spiel Maniac Mansion von Lukasfilm Games. Diese Firma, später umbenannt in LukasArts, verbesserte die Engine stetig und verwendete sie weiter für ihre nachfolgenden Adventures.
Historisches
Die Adventure-Spiele auf Basis der SCUMM-Engine boten etwas damals sensationell Neues: Der Spieler steuerte die Hauptfigur nicht mehr über die Tastatur durch die Eingabe von Textbefehlen, sondern setzte die Anweisungen durch Mausklicks auf Gegenstände und vorgegebene Verben zusammen. Dieses Genre heißt seitdem "Point & Click Adventures".
Mit ihrer liebevollen Grafik bestechen die Spiele-Klassiker von LukasArts [2] und anderen Firmen noch heute, auch ohne aufwändige 3D-Effekte. Eingängige Musik und Spielwitz runden die SCUMM-Adventures ab. Um diese Spiele auch auf anderen Betriebssystemen zu starten, programmierten die ScummVM-Entwickler [1] die Engine neu. ScummVM lässt sich nicht mit einem Emulator vergleichen; es verwendet die spezifischen Daten jedes Spiels, um damit die Grafiken, Sounds und die Handlung eigenständig wiederzugeben. Nicht nur unter Linux, auch unter fast allen anderen gängigen Betriebssystemen läuft ScummVM (Kasten 1). Kasten 2 listet die derzeit unterstützten Spiele auf.
Kasten 1: ScummVM auf verschiedenen Betriebssystemen
ScummVM startet die unterstützten Spiele auf Basis von SCUMM nicht nur unter Linux. Auf den meisten anderen Unix-Systemen läuft die virtuelle Maschine ebenfalls, darunter Irix, Solaris, Mac OS X und die BSD-Varianten. Handheld-Besitzer mit Palm OS oder Windows CE kommen ebenso in den Genuss der alten Spiele wie Nutzer eines Desktop-Windows. Selbst für die Spielekonsole Dreamcast gibt es eine ScummVM-Version.
Auch Windows-Nutzer greifen gern auf ScummVM zurück, obwohl sie die Adventure-Klassiker nativ abspielen könnten: Die zahlreichen Features von ScummVM verbessern den Komfort deutlich. So gibt es für die meisten neuen Soundkarten keine DOS-Treiber, ohne ScummVM blieben die Spiele im MS-DOS-Modus ohne die neue Engine stumm.
Kasten 2: Unterstützte Spiele
Mit ScummVM spielen Sie die folgenden Adventure-Klassiker von Lukasfilm Games/LukasArts [2] auch unter Linux: * Maniac Mansion * Day of the Tentacle * Zak McKracken * Loom * Monkey Island 1 und 2 * Curse of Monkey Island * Indiana Jones 3 und 4 (Abbildung 1) * The Dig * Full Throttle * Sam & Max (Abbildung 2)
Auch Spiele anderer Firmen benutzen die SCUMM-Engine und laufen unter ScummVM: * Simon the Sorcerer 1 und 2 (Adventure Soft [3]) * Flight of the Amazon Queen (Interactive Binary Illusions; Abbildung 3) * Beneath a Steel Sky (Revolution Software [4]) * Broken Sword (deutscher Titel: Baphomets Fluch) 1 und 2 (ebenfalls Revolution)
Installation
Auf unserer Heft-CD finden Sie das RPM-Paket von der ScummVM-Homepage [1]. Es funktioniert mit allen RPM-basierten Distributionen wie Mandrake, Suse und Fedora von Red Hat. Spielen Sie das Programmpaket mit folgendem Kommando als root ein:
rpm -Uvh scummvm-0.6.1b-1.i386.rpm
Für Debian Sarge und Sid existieren ebenfalls passende Pakete. Nutzer dieser Distribution installieren ScummVM mit apt-get von ihrer Installations-CD oder vom eingestellten Debian-Server übers Internet.
Der Befehl scummvm in der Kommandozeile bringt Sie dann ins Hauptfenster, das beim ersten Start noch keine Spiele enthält. Um hier Adventures hinzuzufügen, kopieren Sie alle benötigten Dateien in ein Verzeichnis. Welche Dateien Sie für die unterstützten Spiele brauchen, steht in der Datei dateien.html im Verzeichnis LinuxUser/scummvm auf der Heft-CD oder unter [5]. Wählen Sie nach dem Kopiervorgang im ScummVM-Hauptfenster Add Game... und navigieren Sie ins entsprechende Verzeichnis. Dort klicken Sie auf Choose und ScummVM fügt das Spiel dem Hauptmenü hinzu (Abbildung 4).
Ein Doppelklick auf einen Eintrag startet das entsprechende Spiel. Tabelle 1 listet die wichtigsten Tastenkürzel auf. Eine vollständige Liste der Shortcuts für alle Spiele finden Sie in der README-Datei [6] jeder ScummVM-Version.
Tabelle 1: Shortcuts
| [Strg+z] oder [Alt+x] | ScummVM beenden |
| [Alt+Eingabe] | Fullscreen-Modus ein- und ausschalten |
| [F5] | Den Speichern-/Laden-/Beenden-Bildschirm aufrufen |
| [Leertaste] | Pause (nur bei Lucasfilm/Lucas Arts-Spielen) |
| [+] und [-] | Textgeschwindigkeit erhöhen und verlangsamen |
Leider sind die Point-&-Click-Adventures meist nicht mehr im Handel erhältlich, in Gebrauchtmärkten im Internet gibt es sie jedoch noch häufig. Die beiden Spiele Beneath a Steel Sky und Flight of the Amazon Queen haben die Hersteller Revolution Software bzw. Interactive Binary Illusions inzwischen freigegeben, sie stehen auf der ScummVM-Homepage zum Download bereit. Viele Distributionen liefern die beiden Titel direkt mit aus.
Über das Menü Options konfigurieren Sie ScummVM bezüglich Grafik und Soundausgabe. Im Reiter Graphics schalten Sie den Fullscreen-Modus aus oder ein. Der Reiter Audio definiert die Soundausgabe, die Standardeinstellung funktioniert mit gängigen Soundkarten. Unter Misc schließlich legen Sie das Verzeichnis fest, in dem ScummVM Zwischenstände speichert.



