Datentransfer

Nach geglücktem Pairing startet der KDE Bluetooth Obex Push Client (siehe Abbildung 3). Wählen Sie hier einfach die zu sendende(n) Datei(en) in der oberen Fensterhälfte aus und ziehen sie auf das Feld File to send. Unter Device Selector sollten Sie Ihr Handy sehen. Findet Kbtobexclient kein Gerät, klicken Sie auf Search, um eine Suche nach neuen Geräten zu starten. Über einen Klick auf Send überträgt das Programm die Files aufs Handy. Je nach Handy landen die gesendeten Dateien entweder direkt im Telefonspeicher, oder Sie müssen den Transfer auf dem Handy zunächst noch gutheißen. Welche Dateitypen Ihr Gerät akzeptiert, hängt von dessen Funktionsumfang ab. Auf allen Testhandys funktionierten folgende Dateien:

  • Adressbuch-Einträge (*.vcf)
  • Kalender-Einträge (*.ics oder *.vcs)
  • Bilder (*.jpg)
  • MIDI-Klingeltöne (*.mid )

Das Senden von Dateien vom Handy auf den PC gestaltet sich ähnlich einfach. Wählen Sie auf Ihrem Mobiltelefon den entsprechenden Menüpunkt aus, sucht das Telefon nach Bluetooth-Geräten. Hier machen Sie Ihren Linux-Rechner über den Namen ausfindig, den Sie in der Datei /etc/bluetooth/hcid.conf eingegeben haben, und klicken auf Senden. Bei fast allen Testgeräten gibt es dazu einen Menüpunkt Senden | Via Bluetooth. Eine Ausnahme davon bilden das Motorola V600 und der MDA III. Beim Motorola heißt der entsprechende Menüpunkt je nach Kontext Verschieben oder Kopieren. Beim Windows-Gerät gibt es den Menüpunkt überhaupt nicht: Sie müssen Ihre Dateien umständlich über den Bluetooth-Manager auswählen (mehr dazu weiter unten).

Läuft der KDE-Bluetooth-Daemon, erscheint auf Ihrem Desktop ein Fenster, das Sie auf den anstehenden Dateitransfer hinweist. Über Future policy for this device legen Sie in diesem Dialog fest, ob Sie den Datentransfer in Zukunft automatisch akzeptieren oder zurückweisen möchten. Nehmen Sie die Datei an, erscheint das Fenster Incoming File Transfer. Hier können Sie die Datei entweder über einen Mausklick öffnen oder über Save speichern.

Unter Fedora Core benötigen Sie die Pakete gnome-bluetooth und gnome-vfs-extras, um Daten zwischen dem Handy und dem PC auszutauschen. Weigert sich Fedora, Daten vom Handy zu empfangen, müssen Sie zunächst den gnome-obex-server starten. Ist Gnome-Bluetooth installiert, erscheint auch hier ein entsprechendes Fenster, in dem Sie den Transfer gutheißen können. Die ankommenden Dateien speichert Fedora dann in Ihrem Home-Verzeichnis.

Vorsicht ist bei Suse Linux 9.2 geboten. Hier erscheint bei gekoppelten Geräten kein Hinweisfenster mehr und alle eingehenden Dateien landen direkt im Verzeichnis /var/lib/bluetooth. In der Praxis heißt das, dass jemand Ihnen unbemerkt Dateien senden kann, falls er Ihren Bluetooth-PIN-Code kennt.

Kasten 1:Bluetooth einrichten

Das Bluetooth-System besteht aus mehreren Daemonen, von denen Sie in der Regel den sdpd und den hcid benötigen. Während sich der Host Controller Interface Daemon für die grundlegenden Bluetooth-Funktionen verantworlich zeichnet, verschafft der Service Discovery Protocol Daemon anderen Kommunikations-Teilnehmern Übersicht über die Dienstleistungen des Gerätes. Die entsprechenden Dienste lassen sich über /etc/init.d/bluetooth start oder von Hand starten.

Damit das Bluetooth-System bei Hochfahren des Rechners automatisch aktiv ist, geben Sie unter Suse als root den Befehl insserv bluetooth aus. Bei Fedora Core benutzen Sie entweder chkconfig --add bluetooth, oder Sie starten den grafischen Editor über Anwendungen | Systemeinstellungen | Servereinstellungen | DiensteRunlevel-Editor in YaST.

Die zentrale Konfigurationsdatei des Bluetooth-Systems heißt /etc/bluetooth/hcid.conf. Hier sollten Sie zunächst in Default settings for HCI devices den Eintrag für name anpassen, da in der Grundeinstellung die meisten Linux-PCs auf den Namen BlueZ hören.

Einigen Programmen müssen Sie das Bluetooth-Gerät über rfcomm als serielle Schnittstelle zur Verfügung stellen. Damit lassen sich dem Handy Modembefehle senden, um zum Beispiel den Akkuzustand abzufragen oder eine SMS zu versenden. Der entsprechende Befehl heißt rfcomm bind 0 <bt-adresse>, wobei <bt-adresse> durch die Bluetooth-Hardwareadresse zu ersetzen ist. Damit jeder Benutzer auf das Device rfcomm0 zugreifen kann, müsse Sie noch die Rechte der Gerätedatei ändern. Das geht als root mit chmod 666 /dev/rfcomm0.

Da neuere Linux-Systemen die Gerätedateien dynamisch anlegen, ist dieser Befehl unter Umständen nach jedem rfcomm bind-Befehl notwendig. Möchten Sie hier die Zugriffsrechte permanent ändern, tragen Sie folgende Zeile am Ende der Datei /etc/udev/udev.permissions (Suse Linux 9.1) respektive /etc/udev/permissions.d/50-udev.permissions (Fedora Core und Suse Linux 9.2) ein:

rfcomm*:root:root:666

Rufen Sie den Befehl rfcomm ohne Parameter auf, zeigt er die angebundenen Geräte an. Um eine bestehende Verbindung zu trennen verwenden Sie rfcomm release /dev/rfcomm0. Bei einigen Testgeräten kam es vor, dass das Handy keine Dateien senden konnte, solange es noch an /dev/rfcomm0 gebunden war.

Abbildung 4: Mit dem KDE Bluetooth Framework lässt sich die PIN-Abfrage zur Gerätekoppelung bequem über ein grafischen Frontend abwickeln.

Konkurrenz in Blau

Um die Gunst der LinuxUser-Redaktion buhlten acht Bluetooth-Handys (siehe Tabelle 1). Sie wurden uns von den jeweiligen Providern zur Verfügung gestellt. Die Handys lassen sich in drei Gruppen gliedern. Die erste Gruppe bilden die Telefone mit relativ kleinem Display und Hersteller-eigenem Betriebssystem. Dazu zählen das T610 und das K700i von Sony Ericsson, das Motorola V600 und das Sharp GX15.

Die zweite Gruppe stellen Handys mit dem Betriebssystem Symbian und der grafischen Oberfläche Series60 dar. Dazu gehören die Nokia-Handys 6600 und 7610 sowie das Siemens SX1. Die dritte "Gruppe" besteht aus dem T-Online-Einzelkämpfer MDA III mit Windows CE als Betriebssystem.

Mit Ausnahme des Nokia 7610, das eine Megapixel-Kamera (1152x864) besitzt, bringen sämtliche Handys eine VGA-Kamera (640x480) mit, die Standbilder und Videos im 3GP-Format aufnimmt. Bei letzterem handelt es sich um ein Quicktime-Format, das sich unter Linux mit dem Realplayer abspielen lässt. Sind Sie nicht im Besitz des Realplayers, ändern Sie einfach die Dateiendung *.3gp in *.mov. Danach sollten auch andere Player die Videos abspielen. Auf unserem Testrechner war dann allerdings kein Ton mehr zu hören. Keine Video-Aufnahmefunktion beinhaltet das Motorola V600.

Tabelle 1: Bluetooth-Handys im Überblick

 
Modell T610 k700i GX15 V600 SX1 6600 7610 MDA III
Hersteller Sony Ericsson Sony Ericsson Sharp Motorola Siemens Nokia Nokia HDC
Anbieter E-Plus Vodafone D2 Vodafone D2 O2 T-Mobile T-Mobile T-Mobile T-Mobile
Betriebssystem proprietär proprietär proprietär proprietär Symbian - Series60 Symbian - Series60 Symbian - Series60 Windows CE
Interner Speicher 2 MB 32 MB 2 MB 5 MB 24 MB 6 MB 8 MB 128 MB
Obex-Dateitransfer x x - x x x x x
Bluemote Fernsteuerung x x - - - - - -
Bemused Fernsteuerung - - - - x x x -
IrMC Synchronisation x x - - - - - -
SyncML Synchronisation - x - - x x x -
Kmobiletools1 x x - - x x x -
Ogg-Player - - - - x x x x
SSH-Client - - - - x x x x
Preis ohne Abo - 499,50 Euro 399,90 Euro - 499,95 Euro 369,95 Euro 499,95 Euro -
Preis mit Prepaid 149,90 Euro - 199,50 Euro - - - - -
Preis mit Vertrag - 129,50 Euro 1 Euro 9,95 Euro 199,95 Euro 99,95 Euro 199,95 Euro 449,95 Euro
1 x bedeutet, dass mindestens die Akku-Anzeige funktioniert. Bei einigen Geräten funktioniert auch das Senden von SMS und das Auslesen des Telefonbuches.

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