Distribits

01.12.2004

Kurz notiert

  • Die Multimedia-Distribution Agnula/Demudi (http://www.agnula.org) ist in Version 1.2 erschienen. Sie bringt zahlreiche Programmen für die Bearbeitung von Audiodateien mit. Als Basis dient Debian Sarge, als Installationsprogramm kommt ein modifizierter Debian-Installer zum Einsatz. Sie können Agnula vom Server des Projekts in Form einer ISO-Datei herunterladen.
  • Für das schon etwas in die Jahre gekommene Debian Woody (http://www.debian.org) erschien mit Version 3.0r3 ein finales Update, das alle in der letzten Zeit bekannt gewordenen Sicherheitsprobleme behebt.
  • Mit einer voraussichtlich letzten Vorabversion von Fedora Core 3 (http://fedora.redhat.com) bereiten sich die Entwickler auf die kommenden Release vor. Diese wird höchstwahrscheinlich in Kürze freigegeben wird, und das die Grundlage für Red Hat Enterprise Linux 4 bildet. Wichtige Änderungen sind eine stärker Integration von SE Linux, die Unterstützung indischer Sprachen, X.org 6,8 und KDE 3.3. Sie können Fedora Core 3 Test2 von der Homepage und zahlreichen Spiegel-Servern sowie über Bittorrent herunterladen.
  • In der letzten Zeit kam es zu einigen Phishing-Attackenauf Systeme, die mit Red Hat Linux oder Fedora laufen. Die Angreifer versuchten dabei, den Benutzern einen Fehler im Fileutils-Paket glaubhaft zu machen und boten ein Update des Paketes an. Installiert der arglose Benutzer die angeboteten Dateien, legen diese ein passwortloses Benutzerkonto an und startet den SSH-Server, um so den Angreifern den Zugriff auf den Rechner zu ermöglichen. Weitere Informationen gibt es unter (http://linuxtoday.com/security/2004102500826SCRHSW).
  • Der Novell Desktopenthält nun doch sowohl Gnome als auch KDE. Das Unternehmen möchte damit auf lokale Vorlieben der Benutzer Rücksicht nehmen. Das System basiert voraussichtlich auf Kernel 2.6 und ist entgegen den ursprünglichen Planungen möglicherweise schon Ende dieses Jahres erhältlich.
  • Bei Rubyx (http://www.rubyx.org) handelt es sich um eine neue Distribution, die Sie ebenso wie Gentoo vollständig aus den Quellen übersetzen und installieren. Das Herzstück der Distribution bildet ein Ruby-Skript, welches die notwendigen Pakete aus dem Internet herunterlädt, die Übersetzung anstößt und das System anschließend konfiguriert. Zusätzlich steuert es das Paketmanagment des Systems. Zielgruppe von Rubyx sind erfahrene Anwender, die sich ein individuelles System zusammenstellen möchten. Der Download von der Homepage ist nur mit dem Filesharing-Programm White Water möglich.
  • Slackware (http://www.slackware.org) wird möglicherweise in der nächsten Version ohne den Desktop Gnome ausgeliefert. Slackware-Initiator Patrick Volkerding ist die Wartung der Gnome-Pakete zu aufwendig geworden. Außerdem sorgt das Dropline-Projekt (http://www.dropline.net/gnome/) für eine aktuelle Variante von Gnome auf Slackware.
  • TCC-Boot (http://fabrice.bellard.free.fr/tcc/) funktioniert als Bootloader ähnlich wie Grub oder Lilo. Allerdings übersetzt er beim Systemstart einen Linux-Kernel aus den Quellen und startet diesen anschließend. Die Kernel-Quellen müssen zu diesem Zweck gepatcht werden, da der Loader den TinyCC-Compiler verwendet. Der Entwickler versteht TCC-Boot vor allem als Experiment, das zeigen soll, dass TinyCC in der Lage ist, den Linux-Kernel zu übersetzen. Experimentierfreudige Benutzer finden auf der Homepage ein ISO-Image, das die Funktionsweise des Bootloaders zeigt.

Die neue Suse live und in Farbe

Suse 9.2 (http://www.suse.de) steht bereits vor Erscheinen der Installationsversion in Form von zwei Live-CDs und einer Live-DVD auf dem Server des Unternehmens zum Download bereit. Der Unterschied zwischen den CDs und der DVD liegt in der Zahl der unterstützten Sprachen und dem Umfang der installierten Software. Die CD-Images sind jeweils 680 MByte groß, das der DVD bringt es auf 1,3 GB.

Die CDs unterscheiden sich in der Desktop-Umgebung (Gnome oder KDE) und unterstützen die Sprachen Deutsch und Englisch; die DVD enthält beide Desktop Environments und enthält mehr Lokalisierungen. Die Files finden sich auf verschiedenen Spiegel-Servern im Verzeichnis suse/i386/live-cd-9.2/. Die Installationsversion von Suse Linux erscheint voraussichtlich Mitte November. Für den Betrieb der Live-CDs sollten mindestens 384 MByte Arbeitsspeicher vorhanden sein.

Mandrake 10.1 Official

Die Version 10.1 von Mandrake Linux (http://www.mandrakelinux.com) gibt es jetzt in der Official-Version. In dieser Version sind die Fehler behoben, die seit Herausgabe der Community-Version bekannt wurden. Die Entwickler legten besonderen Wert auf die bessere Unterstützung für mobile Technologien wie die Centrino-Chips von Intel.

Die Distribution benutzt jetzt einen Kernel der 2.6er-Serie, was sich unter anderem positiv auf die Erkennung von Bluetooth-Geräten auswirkt. Die beiliegenden Desktop-Umgebungen Gnome 2.6 und KDE 3.2.3 sind nicht mehr ganz taufrisch, zumindest ein aktuelles KDE lässt sich aber als Option installieren.

Der Anwender hat die Wahl zwischen drei Varianten: Die Discovery-Variante kostet 44,90 Euro, das PowerPack, das sich an anspruchsvolle Benutzer richtet, kostet 79,90 Euro, das PowerPack+ schließlich, das für kleine Firmen und Heimnetzwerke gedacht ist und eine komplette Groupware-Lösung enthält, schlägt mit rund 200 Euro zu Buche. Ab Mitte November stehen die Pakete voraussichtlich im Laden.

Mobiles Linux aus Polen

Die polnische Distribution Aurox (http://www.aurox.org) ist in Version 10.0 erschienen. Aurox orientierte sich bisher stark an Red Hat Linux und Fedora. Mit dieser Version verwendeten die Entwickler erstmals einen eigenen Kernel und ergänzten das System um einige Funktionen, die besonders für Benutzer von Laptops nützlich sind.

Die Installation der Distribution erfolgt mit dem von Fedora bekannten Installationsprogramm, das alle zum Einrichten notwendigen Angaben abfragt. Dank der hervorragenden Hardware-Erkennung Vorschläge macht, die Sie meist nur bestätigen müssen. Auf Wunsch partitioniert das Setup-Programm die Festplatte automatisch, so dass während der Installation kein Eingriff nötig ist.

Neben der kompletten Software-Ausstattung für die tägliche Arbeit legten die Entwickler großen Wert auf ungetrübten Musik- und Filmgenuss. Während in Fedora alle Audio-Programme der MP3-Unterstützung beraubt wurden, gibt es in Aurox gleich eine ganze Reihe von Playern für dieses Format. Auch das Rippen von CDs und das Konvertieren in MP3 sind problemlos möglich.

Auf der technischen Seite ändert sich die Integration von CD-Brennern. Aurox steuert diese Geräte nicht mehr über die SCSI-Emulation, sondern sprechen sie direkt an. Zudem lassen sich SATA-Festplatten besser in das System integrieren.

Aurox bietet mit der aktuellen Version einen Hibernationsmodus. Bei Systemabschluss kopiert das System die Daten aus dem Arbeitsspeicher in die Swap-Partition. Von dort stellt es sie beim nächsten Start wieder her. Zur Ausführung ist weder APM noch ACPI erforderlich. Sie müssen lediglich sicherstellen, dass die Swap-Partition mindestens 30 Prozent größer ist als der installierte RAM.

Geben Sie den Befehl hibernate in eine Konsole ein, versetzt dies den Rechner in den entsprechenden Modus. Bei einem Neustart stellt das System den Arbeitsspeicherinhalt von der Platte wieder her. Dies verkürzt den Systemstart enorm.

Die Entwickler überarbeiteten ferner die Unterstützung drahtloser Netzwerke, so dass Laptops mit Centrino-Chipsätzen jetzt problemlos ins WLAN kommen. Ebenfalls enthalten ist das Paket Ndiswrapper, das die Verwendung von Windows-XP-Treibern für WLAN-Karten ermöglicht, sowie ein neuer Treiber für Synaptics Touchpads.

Das neue Aurox ist vollständig ausgestattet und wirkt durchdacht. Aufgrund der Unterstützung für die WLAN-Technik erweist es sich als gute Wahl für tragbare Computer. Die Distribution steht auf der Homepage zum Herunterladen bereit.

Abbildung 1: Aurox eignet sich besonders für die Installation auf Laptops.

Zero Install mit Boot

Unter dem Namen Boot (http://www.b00t.webstep.net) existiert eine minimalistische Linux-Distribution, die sich mit Hilfe von Zero Install (http://www.0install.net) um zusätzliche Programme erweitern lässt. Diese dürfen dabei auf beliebigen Rechnern liegen, die über ein Netzwerk erreichbar sind.

Das Download-Paket von Boot ist gerade 1,4 MByte groß. Das System basiert auf der C-Bibliothek Uclibc und verwendet Busybox für die am häufigsten benötigten Konsolenprogramme. Das Konzept von Zero Install stammt aus dem Rox-Projekt (http://rox.sourceforge.net). Es vereinfacht die Installation von Software, indem Programme immer in Form von Applikationsverzeichnissen auf einer Web-Seite oder einem Verzeichnis im lokalen Netzwerk zur Verfügung stehen.

Wenn Sie mit einem Programm arbeiten, lädt die Workstation das Verzeichnis herunter, entpackt das Programm und führt es aus. Greifen Sie später wieder auf das Programm zu, lädt der Rechner es aus einem lokalen Cache. So steht es schnell wieder zur Verfügung.

Da die Programme komplett in einem Verzeichnis lagern, lassen sie sich einfach und sauber wieder aus dem System entfernen. Boot ist zur Zeit noch ein Versuchsballon, um auszuprobieren, ob die Technik des Zero Install funktioniert. Für Endbenutzer eignet sich nicht.

Vector Linux 4.3

Bei Vector Linux (http://www.vectorlinux.com) handelt es sich um ein kompaktes Desktop-Linux auf Basis des aktuellen Slackware. Die Installation von Vector Linux erfolgt textbasiert und gestaltet sich daher nicht so einfach wie die anderer Distributionen. Besonders die Partitionierung der Zielfestplatte mit den Programmen parted oder cfdisk ist nichts für Anfänger.

Das System wird stets komplett auf die Festplatte kopiert, eine Paketauswahl ist im ersten Schritt nicht möglich. Die Hardware-Erkennung funktioniert tadellos. Somit sind außer dem Rechnernamen, der Tastaturbelegung und dem zu verwendenden Kernel keine Angaben zu treffen.

Nach der Installation steht Ihnen ein vollständig konfiguriertes System zur Verfügung, das alle für die Büroarbeit nötigen Programme enthält. Vector Linux setzt auf ressourcenschonende Window-Manager. Zur Wahl stehen Icewm, Fluxbox und Xfce4, so dass das System auf älteren Rechnern noch ausreichend schnell arbeitet.

Die Distribution lässt sich mit Hilfe des enthaltenen Paketmanagers leicht um Programme aus dem riesigen Slackware-Fundus ergänzen. Auch aktuelle Varianten von KDE und Gnome oder OpenOffice sind so leicht zu installieren. Vector Linux liegt in Form eines etwa 325 MByte großen ISO-Images auf zahlreichen Ibiblio-Spiegel-Servern zum Download bereit. (Frank Wieduwilt/agr)

Abbildung 2: Vector Linux stattet ältere Rechner mit moderner Software aus.

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