Datenjongleure

Datenbank-Frontends

01.12.2004
Auf der Landkarte der Linux-Applikationen gibt es nicht viele weiße Flecke - aber einen findet man im Datenbank-Sektor: Im Quadranten, in dem sich Einsteigertauglichkeit und Funktionsvielfalt schneiden, fehlt eine freie Alternative. Benutzerfreundliche, grafische Clients versuchen die Lücke zu schließen.

Auf Datenbankservern spielt Linux dank MySQL [1], PostgreSQL [2] oder Oracle [3] eine wichtige Rolle. Diese Datenbanken, die professionellen Ansprüchen genügen, fühlen sich allerdings am wohlsten, wenn sie ein Administrator betreut und ein erfahrener Anwendern benutzt. Gerade Windows-Umsteiger vermissen deshalb ein Produkt wie Paradox, Access oder FileMaker, das sich auch von einem Anfänger bequem bedienen lässt. Dabei sollen keine tiefgehenden Kenntnisse in SQL - der verbreitetsten Abfragesprache für Datenbanken - nötig sein. Stattdessen möchte sich der Benutzer seine Formulare für Abfragen oder Berichte mit Hilfe einer grafischen Oberfläche erzeugen.

Diese Lücke versuchen unter Linux verschiede Clients für ausgewachsene SQL-Datenbanken zu schließen. Drei davon stellt dieser Artikel vor. Mit Kexi, Knoda und Rekall wurden Programme ausgewählt, die momentan aktiv entwickelt werden. Allesamt versprechen sie, dem Benutzer die Arbeit mit Datenbanken zu erleichtern. Alle benutzen QT als Bibliothek für die grafische Oberfläche und sind gut in KDE integriert.

Der Versuchsaufbau

Die Testkandidaten traten unter Suse 9.0 und Mandrake 10 an. Nach der Übersetzung aus den Quelltexten und der Installation mussten die Clients versuchsweise Kontakt zu Datenbankservern auf derselben Maschine und im lokalen Netz aufnehmen. Anschließend wurden Tabellen angelegt und bearbeitet sowie Abfragen, Formulare und Berichte generiert. Bei der Beurteilung stand eine möglichst einfache Bedienung im Vordergrund.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften der vorgestellten Programme finden Sie in Tabelle 1 am Ende dieses Artikels.

KNoda

Knoda [4] stammt wie die dazugehörenden Bibliotheken hk_classes von Horst Knorr. Es benötigt in der aktuellen Version 0.7.2test2 mindestens KDE 3.1. Der Client greift auf MySQL- und PostgreSQL-Server zu und kann auch mit Datenbanken im SQLite-Format [5] umgehen, die in lokalen Dateien gespeichert werden.

Zur Installation entpacken Sie zuerst die Bibliotheken hk_classes mit dem Befehl tar -xjvf hk_classes-0.7.2test2.tar.bz2, wechseln dann in das entstandene Verzeichnis hk_classes-0.7.2test2 und geben dort nacheinander die Befehle configure und make ein, um die Quelltexte zu übersetzen. Anschließend installieren Sie die Bibliotheken dann als Root mit dem Befehl make install. Das Programm Knoda übersetzen und installieren Sie aus dem Quelltextarchiv knoda-0.7.2test2.tar.bz2 auf die gleiche Weise.

Ohne zusätzliche Optionen wird das Programm in einem eigenen Verzeichnis außerhalb der KDE-Hierarchie installiert. Dieses Verzeichnis muss mit in die Directory-Liste aufgenommen werden, die in der Umgebungsvariablen KDEDIRS gespeichert ist, weil KNoda nur in diesen Pfaden nach seinen Grafiken und Icons sucht. Eine einfache Möglichkeit, diese Einstellung vor jedem Start zu setzen, wäre ein Mini-Skript mit folgendem Inhalt:

#!/bin/sh
export KDEDIRS=/usr/local/kde:/opt/kde3
/usr/local/kde/bin/knoda &

Ist diese kleine Hürde genommen lässt sich KNoda starten, indem man in einem Terminalfenster knoda.sh

tippt. Als erstes fragt das Programm nach dem Datenbanktreiber, den es verwenden soll, dann nach Server und Benutzernamen (Abbildung 1). Danach finden Sie sich im Hauptfenster von Knoda wieder (Abbildung 2).

Abbildung 1: Anmelden am Datenbankserver mit Knoda.
Abbildung 2: Das Hauptfenster ist die Schaltzentrale von Knoda.

In einer Pull-Down-Liste in der Werkzeugleiste sind alle Datenbanken auf dem gewählten Server aufgelistet. Links im Hauptfenster findet sich eine Baumansicht der Datenbankobjekte Tabellen, Formulare, Abfragen, Views und Berichte. Ein Doppelklick auf ein Element in der Liste öffnet einen Dialog zum Neuanlegen eines solchen Elements.

Der Editor zum Anlegen von Tabellen ist wie das ganze Programm sehr sorgfältig gestaltet und leicht zu bedienen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Tabellendeditor von Knoda ist sehr benutzerfreundlich gestaltet.

Auch der Formulardesigner ist einfach zu benutzen, wenn man schon einmal mit einem solchen Programm gearbeitet hat. Als Grundlage von Formularen dienen Tabellen, Abfragen oder Views. Abfragen und Views lassen sich ebenfalls mit einem übersichtlichen Werkzeug zusammenstellen, ohne dass ein einziger SQL-Befehl einzugeben ist. Die Optionen zur Gestaltung der einzelnen Forumlarelemente sind sinnvoll angeordnet und leicht zu finden. Auch Umsteiger von Datenbankprogrammen aus der Windows-Welt finden sich hier schnell zurecht. Das gleiche gilt für die Erstellung von Berichten.

Abbildung 4: Eingabeformulare sind im Formulardesigner schnell erstellt.

Formulare lassen sich durch Skripte in Python in der Funktionalität erweitern. Für den Import von Daten aus anderen Programmen nutzt Knoda das CSV-Format, das nahezu alle Tabellenkalkulationen und Datenbankprogramme lesen und schreiben.

Knoda macht einen sehr guten Eindruck. Die Programmoberfläche ist übersichtlich gestaltet, die Funktionen befinden sich genau dort, wo man sie erwartet. In der aktuellen Version 0.7.2test2 funktioniert auch der Zugriff auf SQLite-Datenbanken problemlos, so dass Sie zum Betrieb von KNoda keinen Datenbankserver benötigen. Knoda bringt ein hervorragendes Tutorial mit, das bei der Einarbeitung in die Programmbedienung hilft.

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