VerwandlungskünstlerVerwandlungskünstler

Videos konvertieren und bearbeiten mit transcode

01.11.2004

Erwarten Sie bei einem Programm zur Videokonvertierung eine schöne bunte Oberfläche, wird Sie Transcode [1] enttäuschen. Transcode ist ein reines Konsolenprogramm, das sich über zahlreiche Kommandozeilenparameter steuern lässt. Wie die meisten Kommandozeilen-Tools ist es sehr flexibel einsetzbar aber naturgemäß auch etwas sperrig in der Bedienung. Tabelle 6 listet einige grafische Transcode Frontends auf, die spezielle Eigenschaften von Transcode mit einer komfortablen Benutzeroberfläche vereinen. Den Gesamtumfang von Transcode vermag aber keines dieser Programme ausschöpfen.

Transcode verfolgt ein streng modulares Konzept. Die wichtigen Funktionen sind in externe Module ausgegliedert, die nur bei tatsächlichem Bedarf geladen werden. Dabei sind drei Arten von Modulen zu unterscheiden (siehe Tabelle 1 bis 3):

  • Eingabe / Dekodierung
  • Modifikation / Filterung
  • Ausgabe / Kodierung

Die Eingabemodule haben die Aufgabe, Video- und Audiodaten zu dekodieren und Transcode im Rohformat zur Verfügung zu stellen. Verschiedene Module gibt es für einzelne Video und Audio Codecs, aber auch zum Lesen von Video Streams, die zum Beispiel von einer Fernsehkarte zur Verfügung gestellt werden.

Im nächsten Schritt verändern Filtermodule die vom Eingabemodul gelieferten Rohdaten. Mit diesen Filtern lassen sich nicht nur die bestehenden Bild- und Tondaten verändern, sondern auch neue Frames erzeugen oder verwerfen, um damit Einfluss auf die Synchronisation von Bild und Ton zu nehmen.

Im letzten Schritt übergibt Transcode die Daten an ein oder mehrere Ausgabemodule. Sie sind für die Kodierung der Daten mittels Video- und Audio-Codecs verantwortlich und erzeugen die entsprechende(n) Ausgabedatei(en).

Formatkonvertierung leicht gemacht

Um zum Beispiel eine eine MPEG1- oder MPEG2-Datei in eine AVI-Datei im MPEG4-Format zu verwandeln genügt der folgende Befehl:

transcode -V -i quelldatei.mpeg ↩
 -o zieldatei.avi -y xvid4 ↩
 -w 500 -b 48

Transcode benutzt hier die nativ für Linux vorhandene XviD-Bibliothek. Sie ist schnell, zuverlässig und steht den kommerziellen Kodierern in der Qualität um nichts nach. Anhand dieser einfachen Kommandozeile sieht man gleich die wichtigsten Optionen: -i und -o bestimmen Eingabe- und Ausgabedateien, -y legt den Video Exportfilter auf xvid4 fest und -w setzt die zu verwendende Videobitrate auf 500 kbit/s. Da Transcode Audio per default als MP3 mit 128 kbit/s exportiert, genügt es, mit -b die Bitrate der Tondaten auf 48 kbit/s festzulegen. Die Option -V schließlich weist Transcode an anstelle von RGB im YUV Farbraum zu arbeiten. Damit laufen die internen Berechnungen um fast ein Drittel schneller ab. Es gibt allerdings auch Filter, die nur RGB beherrschen. In diesem Fall quittiert Transcode die Option -V mit einer Fehlermeldung.

Tabelle 6: Transcode Frontends

Name Homepage Beschreibung
dvd::rip http://www.exit1.org/dvdrip/ Grafische Oberfläche spezialisiert auf das Kopieren von DVDs.
g4l http://gv4l.sourceforge.net/ Grafisches Transcode V4L Frontend zum Verarbeiten von TV Videomaterial.
ripmake http://www.lallafa.de/bp/ripmake.html Kommandozeilenprogramm, welches viele gängige Transcode Anwendungen vereinfacht.
kavi2svcd http://www.cornelinux.de/web/linux/kavi2svcd/index.html Kavi2svcd konvertiert AVI-Dateien zu Super Video CDs erstellen.

Rate mal die Rate

Den zentralen Punkt für die Qualität des erzeugten Videos stellt die Videobitrate dar. Im Zusammenspiel mit weiteren Parametern, wie der Höhe und Breite der Frames, sowie der Anzahl Frames pro Sekunde lässt sich der so genannte BPP Wert (Bits Per Pixel) berechnen: Bitrate * 1000 / (Höhe * Breite * Framerate).

Natürlich hängt die Qualität auch entscheidend vom Videomaterial selbst ab (schnelle/langsame Szenen, viel/wenig Kontraste etc.), aber als Daumenregel gilt: BPP Werte um 0.20 ergeben eine gute Qualität, bei der kaum Artefakte zu sehen sein sollten. Werte unter 0.15 ergeben sichtbare Störungen im Bild. Hier sollte man die Bitrate besser erhöhen. Transcode selbst gibt den BPP Wert zu den aktuell vorgenommen Einstellungen aus (in der Zeile V: bits/pixel). Ist der Wert zu niedrig, lohnt es sich Transcode mit [Strg]+[C] abzubrechen und es mit einer höheren Video-Bitrate erneut zu starten.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • dvd::rip und transcode: DVDs kopieren mit Linux
  • DVDs kopieren mit dvd::rip und transcode
    Regelmäßige LinuxUser-Leser kennen das hier vorgestellte Software-Gespann vermutlich schon, aber seit unseren letzten Artikeln zum Thema dvd::rip und transcode hat sich bei beiden Programmpaketen so viel getan, dass deren genauere Betrachtung beim DVD-Schwerpunkt nicht fehlen darf. Die wichtigsten Neuigkeiten sind (S)VCD-Generierung, OGG-Dateiformat, mehrsprachige Videos, Untertitel, dynamische Audio-Filter und vieles mehr…
  • Multimedia für unterwegs
    Für den Heimkinoabend bei Freunden müssen Sie keine DVDs oder Videokassetten mehr herumtragen: Portable Mediaplayer fassen über 20 Filme und spielen diese ohne Zusatzgerät auf einem Fernseher ab.
  • Aktuelle Software
  • DVDs in Videos umwandeln mit Handbrake
    DVDs auf portablen Geräten anzuschauen, setzt die Umwandlung ins passende Format voraus. Handbrake erledigt die Konvertierung in verschiedene MPEG4-Formate einfach und schnell.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...