Totem mit Xine-Installation

Kino-Feeling mit Totem

Totem ist eine Xine-Benutzeroberfläche für Gnome. Der kleine Alleskönner spielt so viele Filmformate ab, wie Sie möchten. Wie Sie es zum Laufen bringen, zeigt dieser Beitrag.

Es ist nicht immer ganz einfach, ein komfortables Videoabspielprogramm zu finden, das möglichst viele verschiedene Filmformate abspielen kann. Mit Totem [1], einer Benutzeroberfläche des Gnome-Projekts [2] für den freien Multimedia-Player Xine [3], wurde so ein Programm entwickelt. Totem ist ein sehr kleines Programm (wie Abbildung 1 zeigt), das mit seinem Können überrascht. Es ist mittlerweile in 29 Sprachen übersetzt und die Entwickler fügen immer wieder beeindruckende neue Funktionen hinzu wie – in der neusten Entwicklungsversion – die Möglichkeit, einen Film über den TV-Ausgang der Grafikkarte auf den Fernseher zu übertragen.

Abbildung 1: Totem überzeugt mit seiner Übersichtlichkeit.

Wer sich solche Funktionen nicht entgehen lassen will, sollte sich nicht auf ältere Versionen seiner Distribution verlassen, sondern Totem selber bauen. Dies hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Man kann selber entscheiden, welche Formate man unterstützt haben möchte, und die zugehörigen Bibliotheken und Codecs einfach mitinstallieren. Mit etwas Geduld lässt sich die Installation der Codecs, Bibliotheken und des Programms sehr leicht handhaben.

Abhängigkeiten zuerst installieren

Damit man überhaupt etwas unter Gnome kompilieren kann, müssen zunächst die Entwicklungspakete installiert werden. Diese können Sie von den Distributionsdatenträgern nachinstallieren. Weiterhin müssen Sie die Bibliotheken installieren, zum Beispiel für die verschiedenen Filmformate. Einige dieser Bibliotheken wie libX11, libogg und libvorbis können ebenfalls von den Distributionsdatenträgern installiert werden oder sind bereits installiert. Jedoch gibt es auch Filmformate, die sehr jung und noch nicht in den Distributionen vorhanden sind. Das wichtigste Filmformat dieser Gruppe ist das Ogg-Theora-Format [4] , welches nun zuerst kompiliert werden muss. Die Theora-Bibliothek können Sie aus dem Internet laden oder von der Heft-CD kopieren. In der Konsole geben Sie dann folgende Befehle ein:

cd /Verzeichnis
tar xvzf libtheora-1.0alpha3.tar.gz
cd libtheora-1.0alpha3
./configure
make
su -c "make install"

Der erste Befehl wechselt in das Verzeichnis, in dem die Bibliothek gespeichert wurde und der zweite Befehl entpackt dort die Datei. Sie sollten alle Bibliotheken, Codecs und Dateien in einem gemeinsamen Ordner speichern. Dies erleichtert die weitere Arbeit in der Konsole. Anschließend wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis libtheora.1.0alpha3. Dort starten Sie die Konfiguration. Dabei braucht kein Ort angegeben zu werden, wohin die Bibliothek installiert werden soll, denn das Konfigurationsskript wählt automatisch /usr/local.

Nach Abschluss der Konfiguration kann kompiliert werden. Dazu geben Sie den Befehl make ein. Danach können Sie die Bibliothek installieren. Hierfür benötigen Sie allerdings Root-Rechte, deshalb schreiben Sie su -c vor den Befehl; beim Ausführen werden Sie dann nach dem Passwort für die Root-Rechte gefragt. Weitere Bibliotheken, und wie sie installiert werden, beschreibt der Kasten "Zusätzliche Bibliotheken installieren".

Zusätzliche Bibliotheken installieren

Sie können zwei weitere Bibliotheken installieren, die von Xine unterstützt werden. Die erste ist flac, eine Abkürzung für "Free Lossless Audio Codec" (zu deutsch: "freier verlustfreier Audio Codec"). Das Projekt selbst vergleicht die verlustfreie Arbeitsweise von flac mit der von zip-Dateien. Der Quelltext kann auch hier von der Projekt-Homepage [5] heruntergeladen oder von der Heft-CD kopiert werden.

Die zweite zusätzliche Bibliothek ist SDL (= Simple DirectMedia Layer). Diese Bibliothek ermöglicht systemnahen Zugriff auf den Bildspeicher, die Audio-Ausgabe, Maus und Tastatur. Genutzt wird dies für das Abspielen von MPEG-Dateien. Den SDL-Quelltext können Sie von [6] herunterladen oder von der Heft-CD kopieren.

Beide Bibliotheken lassen sich sehr leicht installieren. Dabei ist zu beachten, dass SDL unbedingt vor libtheora installiert werden sollte, da so auch die Theora-Bibliothek SDL-Unterstützung bekommt. Die tar.gz-Archive für SDL und flac müssen zunächst entpackt werden. Danach wechseln Sie jeweils in das entstandene Verzeichnis und führen dort das Konfigurationsskript aus. Wird das Skript ohne Fehlermeldung beendet, kompilieren und installieren Sie anschließend die jeweilige Bibliothek. Die folgenden Befehle gelten für beide Bibliotheken, allerdings muss der Paketname und das Verzeichnis für die Kompilation von flac angepasst werden. Diese sind für flac flac-1.1.0.tar.gz und flac-1.1.0.

tar xvzf SDL-1.2.7.tar.gz
cd SDL-1.2.7
./configure
make
su -c "make install"

Die Xine-Bibliothek kompilieren

Nun muss als nächstes die Bibliothek von Xine installiert werden. Speichern Sie diese im selben Ordner wie libtheora, müssen Sie in der Konsole mit cd ..nur ein Verzeichnis zurückgehen. Auch die Bibliothek von Xine kann man aus dem Internet von der Projekthomepage herunterladen oder von der Heft-CD kopieren. Sie lässt sich genauso wie die Bibliothek von Theora installieren, so dass die Befehle die selben bleiben. Nur den Namen der gepackten Bibliothek und den entstehenden Ordner müssen Sie anpassen (xine-lib-1-rc5.tar.gz bzw. xine-lib-1-rc5).

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