aufmacher.png

Schlafzustände

Suspend mit APM und ACPI

01.11.2004
Vor allem Laptop-Nutzer kennen das Problem: Um Strom zu sparen, wollen sie den Rechner nicht durchgehend laufen lassen, ihn aber auch nicht ständig ab- und wieder einschalten.

So praktisch tragbare Computer sind, einen Haken haben sie gemeinsam: Arbeiten Sie damit unterwegs, ist der Akku viel zu schnell leer. Abhilfe schaffen diverse Stromsparfunktionen: Sie reduzieren die Frequenz des Prozessors oder schalten Bildschirm und Festplatte aus. Trotzdem frisst der Laptop weiterhin Strom.

Die Lösung des Problems heißt Suspend: Dieser Modus schaltet alle Geräte außer Arbeitsspeicher und Prozessor ab; letzteren versetzt er in einen Sparzustand. So verringert sich der Stromverbrauch auf ein Minimum. Der Wechsel in den Suspend-Modus und zurück geschieht innerhalb einiger Sekunden.

APM und ACPI

Der schon etwas ältere Standard Advanced Power Management (APM) [1] stellt eine solche Suspend-Funktion zur Verfügung. Sie funktioniert gewöhnlich auch unter Linux reibungslos.

Seit etwa zwei Jahren verdrängt allerdings der neue Standard ACPI (Advanced Configuration and Power Interface) [2] APM immer mehr. Im Idealfall verfügen Laptops über beide Systeme und überlassen dem Benutzer die Wahl.

Die mitgelieferten Kernel aktueller Distributionen verfügen über die für APM nötigen Module. Sie versuchen aber zunächst, ACPI zu verwenden; nur wenn der Rechner ausschließlich APM kennt, verwenden sie es von sich aus. Wollen Sie trotz vorhandenem ACPI das zuverlässigere APM verwenden, erzwingen Sie dies beim Boot-Vorgang. Dazu genügen zwei Einträge in der Konfiguration des Bootloaders – bei den meisten Distributionen ist das inzwischen Grub. Hängen Sie in der Datei /boot/grub/menu.lst mit einem Texteditor der kernel-Zeile die Parameter acpi=off apm=on an. Der Eintrag sieht dann unter Suse beispielsweise so aus:

title  SuSE Personal 9.1
kernel (hd0,8)/boot/vmlinuz root=/dev/hda9 splash=silent desktop resume=/dev/hda5 showopts acpi=off apm=on
initrd (hd0,8)/boot/initrd

Nach dem nächsten Neustart überprüfen Sie den Erfolg in der Ausgabe des Befehls dmesg:

simon@thinkpad:~$ dmesg | grep -i apm
IBM machine detected. Enabling interrupts during APM calls.
Kernel command line: root=/dev/hda9 vga=791 splash=silent desktop resume=/dev/hda5 showopts apm=on acpi=off
apm: BIOS version 1.2 Flags 0x03 (Driver version 1.16ac)

Die letzte Zeile zeigt, dass das BIOS APM unterstützt. Um APM nun zu verwenden, benötigen sie das Programm apm, das sich bei den meisten Distributionen im Paket apmd befindet und gewöhnlich bereits bei der Installation eingespielt wird. Der Befehl apm -v gibt den Status ihres Akkus aus:

simon@thinkpad:~$ apm -v
APM BIOS 1.2 (kernel driver 1.16ac)
On-line, battery status high: 99%

Werkzeuge wie das wmbattery oder das KDE-Applet klaptop stellen die Ausgabe grafisch dar.

Erscheint bei der Ausgabe von dmesg die Meldung No APM support in kernel, haben Sie entweder die Boot-Parameter nicht korrekt eingegeben oder ihr PC unterstützt APM nicht.

Der Funktionstest

Läuft APM, ist es Zeit für einen Test der dazugehörigen Suspend-Funktion. Dazu wechseln Sie zunächst mit init 1 und anschließender Eingabe des root-Passworts in Runlevel 1 – den Single-User-Modus. Mit dieser Vorsichtsmaßnahme vermeiden Sie bei einem Fehlschlag Datenverlust. Das Kommando apm -s schickt nun den Laptop schlafen.

Je nach Modell wecken Sie ein Notebook wieder auf, indem Sie beispielsweise den Deckel aufklappen oder die Power-Taste drücken. Anschließend finden Sie den Rechner im gleichen Zustand wieder wie vor der Ruhepause, in unserem Test also im Single-User Modus.

Nach einem erfolgreichen ersten Test empfiehlt sich dasselbe Vorgehen im Multi-User-Modus, aber zunächst ohne grafische Oberfläche; unter Suse, Mandrake und Fedora erreichen Sie das im Runlevel 3, also mit dem Befehl init 3. Debian verwendet als Multi-User-Modus stets Runlevel 2. Den grafischen Display-Manager beenden Sie manuell, im Falle von KDM z. B. mit /etc/init.d/kdm stop.

Funktioniert APM Suspend auch bei diesem Versuch, loggen Sie sich grafisch ein und wechseln Sie erneut in den Suspend-Modus. Unter Debian starten Sie dazu den Display-Manager wieder mit /etc/init.d/kdm start, bei den anderen erwähnten Distributionen mit init 5.

Ob der Rechner tatsächlich schläft, lässt sich oft nicht leicht feststellen. Besitzern von IBM Thinkpads hilft das halbmondförmige Lämpchen, das während dem Übergang zum Suspend-Modus blinkt und nach dessen Erreichen leuchtet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Thinkpads zeigen, ob der Laptop schläft oder nicht.

Bei den meisten Laptops sorgen jedoch nur Messgerät oder Stoppuhr für Gewissheit. Schicken Sie den Laptop schlafen und überprüfen Sie nach einiger Zeit mit apm -v, um wieviel Prozent die Akkuladung zurückgegangen ist.

Dabei überzeugen Sie sich gleichzeitig von der Effizienz des Suspend-Modus: Bei unserem Testgerät, einem IBM Thinkpad X21, schaffte der etwas ältere Akku, der im Betrieb noch etwa 90 Minuten durchhält, im Suspend-Zustand ganze 24 Stunden.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Software Suspend
    Zwar sollte sich das Powermanagement des Mainboards darum kümmern, dass der Rechner in den stromsparenden Suspend-Modus schaltet, in der Praxis funktioniert das aber leider nicht immer. Abhilfe schafft Linux per Software.
  • Tiefgefroren
    Mit TuxOnIce frieren Sie produktive Sitzungen mit mehreren Anwendungen und geöffneten Dokumenten zuverlässig ein und können sie beim nächsten Rechnerstart im Handumdrehen wieder fortsetzen.
  • Gewusst, wie!
    Mit der richtigen System- und Softwarekonfiguration bringen Sie Ihrem Rechner im Handumdrehen das Stromsparen bei.
  • Kernel-Updates helfen beim Aufwachen

    Mit Updates der stabilen Linux-Kernel auf 3.0.15 und 3.1.7 soll ein Fehler im Zusammenhang mit dem Suspend-Modus behoben sein.
  • ACPI-Unterstützung auf Centrino-Laptops
    Da steht es nun in seiner vollen Pracht auf dem Schreibtisch: das nagelneue Widescreen-Centrino-Laptop, das Laufzeiten von mehr als vier Stunden bei vollem Multimediagenuss verspricht. Damit dem guten Stück unter Linux nicht vorzeitig die Puste ausgeht, sind einige Klimmzüge nötig.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...