Die Umstellung auf DVB wird die größte TV-Revolution, seit vor über fünfzig Jahren das Fernsehen eingeführt wurde – selbst das Farbfernsehen war verglichen mit DVB (Digital Video Broadcasting) nur eine geringfügige Erweiterung des bestehenden Schwarz-Weiß-TV.
DVB-T, digitales terrestrisches Fernsehen, verwendet den gleichen Frequenzbereich wie das herkömmliche analoge Fernsehen. Für den Test- und Übergangsbetrieb werden in der Regel sechs bis acht Fernsehsender auf bislang ungenutzten Kanälen parallel zum analogen TV-Programm ausgestrahlt, für den Regelbetrieb mit bis zu 24 Kanälen müssen jedoch die analogen Programme weichen.
Der Übergangszeitraum, in dem beide Fernsehformen angeboten werden, beträgt in der Regel drei bis sechs Monate – danach gibt es für analoge Teilnehmer nur noch Schnee auf die Mattscheibe. Wer nun noch seine herkömmlichen Videorekorder und Fernseher benutzen möchte, muss sich DVB-T-Receiver kaufen – für jedes einzelne Empfangsgerät einen.
Neben den entstehenden Kosten leidet auch der Komfort: So muss dann nicht nur der Videorecorder programmiert werden, sondern auch der DVB-T-Receiver für den Videorecorder. Gerade bei vielen Aufnahmen auf unterschiedlichen Kanälen kann das problematisch werden, je nach dem wie viele Programmplätze der Receiver bietet.
Verschlüsseltes Kabel
Deutlich verschärfter ist die Situation beim digitalen Kabelfernsehen. Die Kabel-Anbieter speisen seit langem die öffentlich-rechtlichen Sender auch digital ein, die Privaten wie die Prosieben- und RTL-Gruppe fehlen dagegen vollständig. Kabel Deutschland will diese Sender lediglich verschlüsselt und gegen eine Zusatzgebühr anbieten, was bei den Programmanbietern auf heftige Gegenwehr stößt. Derzeit ist keine Lösung des Konflikts absehbar, es sieht so aus, als ob die Zuschauer auch weiterhin auf Pro 7, RTL & Co. im digitalen Kabel verzichten müssen.
Immerhin werden die analogen Sender länger über Kabel als terrestrisch ausgestrahlt, während der Autor spätestens für 2007 mit dem Ende des analogen terrestrischen Fernsehens rechnet, wird es analoges Kabel-Fernsehen wohl mindestens bis 2010 geben.
Das verschlüsselte Kabel kommt trotzdem, seit Ende September bietet Kabel Deutschland ein Digital-Paket für 9 Euro an, das einige Spartenkanäle von Premiere sowie eigene Filmkanäle enthält – wohl gemerkt 9 Euro zusätzlich zu den beinahe 16 Euro Kabel-Grundgebühr.
Receiver für alle
Genau wie bei DVB-T und DVB-S benötigt man auch für digitales Kabel, DVB-C, einen Receiver pro Empfangsgerät – damit kommt der Benutzer jedoch nur in den Genuss der öffentlich-rechtlichen und wenigen frei empfangbaren Musik- und Spartensender. Das zusätzliche Digital-Angebot kann man nur mit der zugehörigen Smartcard und einem Receiver mit Crypto Interface nutzen. Wer einen zweiten Fernseher etwa im Schlafzimmer stehen hat oder den Videorecorder anschließen möchte, benötigt entsprechend zwei Receiver – und eine zweite Smartcard, die Kabel Deutschland jedoch kostenlos zur Verfügung stellt.
Wer den Computer für den digitalen Kabel-Empfang benutzen möchte, kann zwischen vier DVB-C-Karten wählen: Der Full-Featured-Karte Hauppauge WinTV DVB-C (Abbildung 1) für 280 Euro, der nahezu baugleichen Technotrend Premium 1100 DVB-C von [1] für 220 Euro, der Budget-Karte Hauppauge WinTV Nova-C für rund 100 Euro und der Technotrend DVB-C 1.0 Budget für rund 90 Euro.
Derzeit befinden sich die Premium-Kabel-Karten im Ausverkauf, für November ist eine neue Board-Revision mit anderem Tuner angekündigt – ob diese neuen Karten mit Linux laufen, ist derzeit noch nicht bekannt.



