Musikalische Oberfläche
Benutzerfreundlichkeit von Musik-Playern
JuK
Dass es für Linux Musik-Player gibt, die mit einer schlichten, überschaubaren Oberfläche das Abspielen von Musik erleichtern, zeigt JuK [3], die Standard-Jukebox für KDE. Als einziges getestetes Programm bietet JuK ein dem Benutzer von vielen anderen Programmen vertrautes Erscheinungsbild mit einer Menüleiste, einer Werkzeugleiste für die wichtigsten Abspielfunktionen und einer Statusleiste (Abbildung 3).
Auch wenn die Oberfläche Design-Liebhabern langweilig erscheinen mag, verdient sie aus Sicht der Benutzerfreundlichkeit ein Lob: Die Menüleiste verschafft dem Nutzer schnell einen Überblick über die Möglichkeiten des Programms. Auch wenn das auf Kosten der Funktionalität geht; so ist JuK nicht in der Lage, Internet-Streams oder Audio-CDs wiederzugeben. Die Buttons der Werkzeugleiste sind groß und eindeutig, zur Unterstützung bei etwaigen Unklarheiten gibt es erklärende Hilfetexte bei Berührung mit dem Maus-Cursor.
Beim ersten Start fragt JuK nach Verzeichnissen, die Musikdateien enthalten, um sie einer Ordnerliste hinzuzufügen. Die Verzeichnisse aus dieser Liste durchsucht es nach jedem Start nach neuen Musikdateien und fügt sie gegebenenfalls der Datenbank hinzu. Überraschungen wie beispielsweise bei Links, die auf nicht mehr existierende Dateien zeigen, bleiben hier anders als bei XMMS und BMP aus.
JuK aktualisiert seine Datenbank aber ausschließlich beim Start. Zwar merkt es auch beim Abspielen, wenn Dateien der Wiedergabeliste nicht mehr existieren, es überspringt sie in der Abspielliste aber kommentarlos. So gerät JuK bei aktivierter Option Wiedergabeliste wiederholen in eine Endlosschleife, wenn darin nur noch verwaiste Verknüpfungen stehen.
Der Teufel steckt allerdings auch bei JuK in Details, die den Arbeitsfluss mitunter ins Stocken geraten lassen. So erscheint im Kontextmenü eines Abspiellisteneintrags der Befehl Löschen in ähnlicher Weise gleich zwei Mal. Davon bezieht sich einer auf den Musiktitel in der Playlist, der andere auf die Datei auf der Festplatte. Das birgt für User die Gefahr, Musikstücke versehentlich statt aus der Abspielliste unwiderruflich von der Platte zu entfernen. Zwar fragt ein Dialogfenster vor dem Ausführen des Kommandos nach, erfahrungsgemäß klicken aber die meisten Benutzer solche Fenster ungelesen weg.
Ähnlich irreführend wirkt der Entfernen-Befehl im Playlist-Kontextmenü. Er fragt nach, ob es "die Titel [der Wiedergabeliste] wirlich löschen soll". Auch hier tappt der Benutzer im Dunkeln und erhält erst nach einem mutigen Klick auf Entfernen die Gewissheit, dass nicht die Dateien auf der Festplatte gemeint waren.
AmaroK
AmaroK [4] bricht ganz mit dem Paradigma des "einen Programms für eine Funktion" und bietet eine Unmenge an Gimmicks, die das Musikhören so erlebnisreich wie möglich gestalten sollen: So gibt es die Möglichkeit, Albumbilder aus dem Internet von amazon.com nachzuladen. Eine On-Screen-Display-Titelanzeige öffnet sich Aufmerksamkeit heischend bei jedem angespielten Lied, ein Icon mit Fortschrittsanzeige blinkt dazu in der Kontrollleiste. Mehrere Visualisierungsmodi verschönern die wahlweise an XMMS oder JuK erinnernde Oberfläche. Dass AmaroK auch Musik abspielt, gerät dabei beinahe in Vergessenheit.
Denn bei all den Spielereien scheinen die Entwickler etwas Wichtiges vergessen zu haben: ein für die Benutzerin klares und intuitives Bedienkonzept. Funktions-Buttons und Elemente der Menüleiste, die sich bei anderen Programmen üblicherweise im oberen Bereich des Fensters befinden, haben die AmaroK-Entwickler kurzerhand an das untere Ende verfrachtet und zum Teil unter einem Button mit dem Namen "Menü" versteckt (Abbildung 4). Der Benutzerin fehlt damit ein gewohnter Einstiegspunkt. So fällt es nicht leicht, die Fähigkeiten des Programms zu erkunden.
Die Funktions-Buttons im linken unteren Bereich beziehen sich auf die Wiedergabeliste, die sich im rechten Bereich des Fensters befindet. Es überrascht nicht, wenn Benutzer diese Buttons fälschlicherweise auf Grund der räumlichen Nähe mit der direkt über ihnen liegenden Musiksammlung assoziieren.
Diese hohen Einstiegshürden bergen das Risiko, dass Benutzer ohne den Willen, sich in AmaroK einzuarbeiten, dem Programm schnell den Rücken zuwenden.



