Software

01.10.2004

Kurz notiert

  • Um Sicherheitslücken und kritische Fehler zukünfitg schneller aufzuspühren, rief die Mozilla Foundation ein sogenanntes "Bug Bounty Programm" ins Leben. Wer einen kritischen Fehler findet und einen entsprechenden Fehlerreport einsendet, den belohnen die Developer mit bis zu 500 Euro – vorausgesetzt es handelt sich wirklich um einen kritischen Fehler. Zur Zeit finanziert sich die Initiative aus einer Spende des Distributors Lindows. Die Foundation hofft allerdings, dass sich noch weitere Spender finden, die diese Art der Fehlersuche unterstützen.
  • Kaum einer rechnete noch damit, dass Jahre nach dem letzten stabilen Release noch eine neue Version des Window-Managers Enlightenmenterscheinen würde. Um so größer war die Überraschung, als die Entwickler Anfang August eine erste Vorabversion des komplett neu entwickelten, E17 genannten, Projektes für Interessierte und Tester zum Download bereitstellten. Es handelt sich um eine Sammlung von Bibliotheken, aus denen sich mit minimalem Aufwand Enlightenment Applikationen entwickeln lassen, die wiederum aus dem ehemaligen Window-Manager eine vollwertige Arbeitsoberfläche mit zahlreichen Zusatz-Tools machen. Die Entwickler gehen davon aus, es so mit Gnome und KDE aufnehmen zu können.
  • Nach dem Anfang August einige Sicherheitslücken im 2.4 Kernel bemerkt wurden, reagierte der zuständige Betreuer der Sourcen, Marcelo Tosatti, umgehend und gab Linux 2.4.27frei. Darin beseitigten die Entwickler unter anderem Fehler, die Angreifern Zugriff auf den Kernel-Speicher ermöglichen oder Anwendern zu hohe Privilegien zuordneten. Bei IA-64-Systemen korrigierten die Programmierer einen Fehler in der Behandlung von Gleitkommazahlen, der es dem Anwender erlaubte, die Registereinträge anderer Prozesse auszulesen. Alles in allem ist ein Update auf das neue Kernel zu empfehlen.
  • Am 30. Oktober 2004 findet in der Fachhochschule Gießen zum fünften Mal die Informationsveranstaltung Practical Linuxstatt, die in diesem Jahr unter dem Motto "Freie Software in Mittelhessen – Verfahrungen aus Schule, Verwaltung und Wirtschaft" steht. In zwei Vortragsreihen und einer begleitenden Ausstellung informieren die Veranstalter über die Vorzüge von Linux. Dabei setzen die Verantwortlichen wie in den Vorjahren auf praxisnahe, aber auch nicht technische Vorträge. Ein detailliertes Vortragsprogramm wird bis Anfang Oktober veröffentlicht.
  • Das aufgrund angespannter Personallage gefährdete Projekt Radio Tux, über dessen Probleme wir schon in Ausgabe 08/2004 berichteten, ist gerettet. Dank überragender Resonanz aus der Community wartet das Projekt im August mit neuer Sendung, überarbeiteter Web-Seite und neuem Sendekonzept auf. Zukünftig folgen alle Sendungen einem Schwerpunktthema, das drei Viertel der Sendezeit belegt. In punkto Zielgruppe orientiert sich das Projekt neu, mit einer klaren Ausrichtung auf den Desktop-Anwender. Durch diese und weitere Einschnitte wollen die Verantwortlichen dem Projekt eine bessere Struktur geben und damit den Arbeits- und Administrationsaufwand in geordnete Bahnen lenken.
  • Aus Unzufriedenheit mit den von ATI entwickelten Linux-Treibern startete eine Gruppe von ATI-Besitzer eine Petition, die vom Hersteller bessere Linux-Treiber fordert. Da ATI die Spezifikation seiner Grafikkarten und Chips unter Verschluss hält, war es Open-Source-Entwicklern bisher nicht möglich, eigene Treiber, die den Funktionsumfang von ATI-Karten unterstützen, zu entwickeln. Bei den vorhandenen ATI-Treiber bemängeln die Initiatoren der Petition die fehlende Unterstützung der mobilen Radeon-Reihe, die schlechte Performance der Treiber sowie die unvollständige Unterstützung aller Funktionen wie beispielsweise TV-Empfang.
  • Das Dateisystem Reiser4, Nachfolger des ReiserFS 3.0, ist seit der Version 2.6.8.1-mm2 Bestandteil des Kernels. Neben enormer Performance glänzt das neue Dateisystem mit seinem durchgängig atomaren Aufbau, wovon besonders SMP-Systeme profitieren. Darüber hinaus bietet es mit seiner neuen Dancing-Tree genannten Verwaltungsstruktur eine bessere Ausnutzung des Speicherplatzes. Trotz allem empfiehlt der Entwickler Hans Reiser, mit dem Einsatz in kritischen Systemen noch zu warten, da das Dateisystem sich noch in einer Probephase befindet.

Alte Muschel, neue Perle

Ende Juli gab das GNU Projekt nach zweijähriger Entwicklungsphase die Version 3.0 der Bourne Again Shell (kurz Bash) frei. Neben einigen neuen Funktionen enthält die neue Version eine Vielzahl von Fehlerkorrekturen. So bringt beispielsweise der Zugriff auf lange Pfadnamen mit den integrierten Funktionen cd und pwd die Shell nicht mehr zum Absturz. Ein Speicherleck, das bei mehrfacher Verwendung des gleichen Variablennamen für unterschiedliche lokale Array auftrat, wurde behoben.

Zu den herausragenden Neuerungen in Bash 3.0 zählt neben dem erweiterten Debugger die Möglichkeit, künftig reguläre Ausdrücke in Vergleichsabfragen verwenden zu können. Wer alle neuen Funktionen nutzen möchte, benötigt dazu allerdings die neue Version der Readline-Bibliotheken.

Programmieren im Zeichen des Kamels

Unter den Skriptsprachen zählt Perl zu den populärsten. Die jetzt erschienene, fehlerkorrigierte Version 5.8.5 setzt die Tradition der 1987 entwickelten Sprache fort.

Mit über 5500 frei verfügbaren Modulen ist die Sprache in nahezu jedem Bereich einsetzbar. Besonders die reibungslose Interaktion mit anderen Programmen und Programmiersprachen macht nach Ansicht vieler Perl-Entwickler die Stärke der Sprache aus. Code-Fragmente anderer Programmiersprachen lassen sich dabei sogar direkt in ein Perl Programm einbetten. Desweiteren existiert eine Vielzahl von Modulen, die Interaktionen mit anderen Sprachen und Programmen unterstützen.

Dies ist allerdings nicht die einzige Stärke von Perl. Viele Entwickler schätzen außerdem die erweiterte Unterstützung regulärer Ausdrücke. Sie erlaubt komplexes Scannen und Analysieren von Texten und Dateien. Kein Wunder also, dass sich Perl hervorragend zur Systemadministration eignet und von Administratoren sehr geschätzt wird.

Z80-Prozessor als Java Emulation

In den achtziger Jahren war der Zilog Z80 Prozessor und das Betriebssystem CP/M in vielen Rechnern anzutreffen. Wer sich heutzutage nochmal mit dem Z80 beschäftigen will, bekommt mit dem Emulator J80 nun die Gelegenheit dazu. Die Besonderheit des Java-basierten Emulators: Die emulierte Hardware lässt sich durch eine Konfigurationsdatei flexibel an die eigenen Bedürfnisse anpassen und neue Peripherie-Geräte oder Funktionen problemlos einbinden.

Damit der Anwender direkt mit der Arbeit beginnen kann, enthält das Emulator-Paket Image-Dateien der Betriebssystemvarianten CP/M 2.0 und 3.0, sowie das ZX-Spectrum Betriebssystem. Welches Betriebssystem gestartet wird, legt der Anwender ebenfalls in der Konfigurationsdatei fest. Neben dem Betriebssystem gehören verschiedene Anwendungsprogramme, wie beispielsweise Wordstar oder ältere Spiele zum Emulator-Paket. Weitere CP/M-Software befindt sich auf der Internet-Seite des Projekts.

J80 ist ein relativ junges Projekt und liegt augenblicklich in der Version 1.0 vor. Hierbei handelt es sich um die erste öffentliche Version. Für die Zukunft ist unter anderem eine Verbesserung der ZX Spectrum Emulation geplant.

Abbildung 1: Beim Klassiker Wordstar kommen nostalgische Gefühle auf.

Ircii mit grafischer Oberfläche

JIrcii kombiniert als Java-basierter IRC-Client die Funktionalität klassischer IRC-Programme wie Ircii mit einer ansprechenden grafischen Oberfläche. Obwohl in Java programmiert, ist JIrcii sehr performant und ermöglicht durch seine übersichtliche Oberfläche auch dem IRC-Neuling eine schnelle Bedienung.

Alle Funktionen organisiert das Programm in zwei Reiter-Leisten. Die Leiste am unteren Fensterrand beherbergt die Verbindungen zu den einzelnen Servern. JIrcii ist in der Lage, Verbindungen zu mehreren Servern gleichzeitig aufzubauen. In der oberen Reiterleiste findet der Anwender einen Reiter für jeden offenen IRC-Channel, jede DCC-Connection oder jedes Status-Fenster der jeweiligen Server-Verbindung. Wechselt der Anwender den unteren Server-Reiter, ändern sich auch alle Reiter in der oberen Leiste.

Darüber hinaus bietet das Programm die üblichen Benachrichtigungs- und Ausschlußlisten sowie über 65 Befehle und integrierte Funktionen. Mit Hilfe der integrierten, an Perl angelehnten Programmiersprache Sleep lassen sich zusätzlich eigene Routinen einbauen. Besonders in diesem Bereich besitzt die aktuelle Version 1.4 einige Verbesserungen gegenüber ihrem Vorgänger. Selbstverständlich beseitigten die Entwickler einige Fehler, so dass ein Update in jedem Fall lohnt.

Abbildung 2: JIrcii steht nativen IRC-Client in nichts nach.

Mit Fußball Commander die Bundesliga im Blick

Bisher mussten fußballbegeisterte Linuxer die Ergebnisse der Bundesligaspieltage mit einer Tabellenkalkulation verwalten. Mit FCC führt der fußballbegeisterte Anwender endlich eine Tabelle, wie er es von der Sportschau gewohnt ist. Das Programm verwaltet bis zu 18 Clubs pro Liga.

In der aktuellen Version 1.31 sind bereits die Rohdaten für die erste und zweite Bundesliga enthalten. Wer Rohdaten für die Regionalliga oder eine andere Liga braucht, sollte sich entweder an den Autor wenden oder die Konfigurationsdatei selber abändern. Letzteres ist jedoch nicht ganz trivial.

Die Bedienung von FCC ist hingegen relativ einfach: Der Anwender gibt lediglich die Ergebnisse des jeweiligen Spieltags ein und das Programm erstellt alle Stastiken und Tabellen. So weiß jeder Fan immer, welcher Verein an der Spitze steht. (Uwe Vollbracht/agr)

Abbildung 3: Mit FCC hat man jeden Spieltag im Blick.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Zeitreise mit VICE 2.0
  • Software
  • Nachmacher
    Wie funktioniert eigentlich ein Emulator, mit dem Windows-Anwendungen unter Linux laufen? Warum ist dafür manchmal eine Windows-Lizenz nötig und manchmal nicht? EasyLinux klärt auf.
  • Viele Nutzer auf Microsoft-Systemen

    Den Gimp-Entwicklern macht ein Problem zu schaffen, mit dem sie nicht gerechnet hatten: Zu viele Anwender nutzen die Software für professionelle Bildbearbeitung auf Microsofts Windows-Betriebssystemen. Jetzt häufen sich die Windows-spezifischen Bugs, aber das OSS-Projekt hat weder Know-how noch Manpower um die Fehler in angemessener Zeit abzuarbeiten.
  • Software-News
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...