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MS Sudo 2005 Advanced Server

01.10.2004

Liebe Leserinnen und Leser,

Dass man sich unter Linux nicht als Administrator root, sondern nur mit normalen Benutzerrechten anmelden soll, ist bekannt; su und sudo verhelfen kurzzeitig zu Root-Rechten – für erstere Variante benötigt man das Root-Passwort, sudo hingegen können auch Anwender nutzen, die das Passwort nicht kennen. Dazu legt (etwas vereinfacht) der Administrator in einer Konfigurationsdatei fest, welcher Benutzer welche Programme mit Root-Rechten (oder anderen als den eigenen) ausführen darf [1].

Das ist praktisch und wird auch schon eine Weile so gemacht, behauptet das HISTORY-Dokument [2] von sudo, demzufolge die erste sudo-Version um 1980 unter 4.1BSD (einem frühen Unix) auftauchte. Im Usenet findet man in der Newsgroup net.sources eine Version des Programms, die 1985 gepostet wurde [3].

Microsoft hat Rechte an "sudo"?

Warum dieser Blick in die Geschichte? Microsoft wurde in den USA mal wieder ein interessantes Software-Patent erteilt: Unter der Nummer 6,775,781 [4] und der Bezeichnung "Administrative security systems and methods" präsentiert Microsoft sich als Erfinder exakt dieser Idee; beantragt wurde das Patent vor ca. vier Jahren.

sudo "rpm -e sudo"

Hätte das Patent Bestand, würden künftig alle interessanten Nicht-Microsoft-Betriebssysteme mit dem Gesetz in Konflikt geraten, denn alle Unix-basierten oder -ähnlichen Systeme verwenden mit sudo die im Patent beschriebenen Techniken. Unter MacOS X ist sudo sogar die Standardmethode, um Administratorrechte zu erlangen, weil dort der root-Account kein Passwort hat.

Software-Patente sorgen häufig für Belustigung, wenn absurd triviale und seit Jahrzehnten bekannte Techniken plötzlich patentwürdig befunden werden. Lustig bleiben sie aber nur, solange sie nicht vor Gericht gegen Konkurrenten durchgesetzt werden, und davon können auch die Programmierer in Open-Source-Projekten betroffen sein.

Auch wenn die Nachrichten zu Software-Patenten meist aus den USA kommen, drohen die gleichen Probleme in Europa. Eine Anlaufstelle für Informationen ist z. B. [5]. Wie Diskussionen auf Internet-Foren zu entnehmen ist, wurden bereits die ersten Beschwerdebriefe an das US-Patentamt geschickt, und es gab sogar detaillierte Reaktionen. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass Sie in einigen Monaten die sudo-Pakete auf Ihren Linux-PCs deinstallieren oder den "Sudo Advanced Server" nachkaufen müssen.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

Infos

[1] Sudo-Artikel: Heike Jurzik, "Darf ich? Was ist eigentlich sudo?", LinuxUser 05/2002, S. 84, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/05/084-zubefehl/sudo.html

[2] A brief history of sudo, http://www.sudo.ws/sudo/history.html oder Datei HISTORY in der sudo-Dokumentation (/usr/share/doc/)

[3] Sudo-Posting vom 14.12.1985, http://groups.google.com/groups?selm=2622%40sunybcs.CP&output=gplain

[4] US-Patentsuche, http://patft.uspto.gov/netahtml/srchnum.htm

[5] Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V., http://swpat.ffii.org/index.de.html

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Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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LinuxUser 06/2012

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