Live-Auftritte

Live-Linux-Distributionen

01.10.2004
Eine Live-CD ist ein vollständiges Betriebssystem, mit dem man von CD-ROM bootet und arbeitet. Auf der Festplatte werden dabei keine Daten abgelegt. Mit so einer CD kann sich mit dem Betriebssystem vertraut machen, aber auch den Rechner auf Fehler testen oder Viren prüfen. Wir haben uns sieben Live-CDs angesehen.

Live-CDs gibt es schon einige Zeit. Die derzeit bekannteste dürfte Knoppix von Klaus Knopper sein. Knoppix basiert auf Debian GNU/Linux. Das herausragende Merkmal an Knoppix ist die automatische Hardwareerkennung; außerdem unterstützt das System viele Sound- und Grafikkarten sowie andere Peripheriegeräte. Knoppix kann als Linux-Demonstration ebenso eingesetzt werden wie als Schulungs- und Rettungssystem oder als Plattform für Produktvorführungen.

Doch schon vor Knoppix gab es Live-CDs. Die Firma SuSE etwa bringt seit einigen Jahren über ihre Website und Computerzeitschriften ihre so genannten Live-Evaluation-CDs unters Volk. Symantec hat Produkte wie Norton Antivirus oder SystemWorks, die von CD booten, um Macintosh- und Windows-Rechner zu auf Viren und Fehler zu testen. Und dann gibt es da noch die Systeme, die auf einer Diskette Platz finden, wie etwa der Router fli4l.

Unbestritten ist jedoch, das Knoppix den Boom der Live-Systeme beflügelt hat. In der Folge entstanden Derivate wie Morphix (das Sie auf der Heft-CD finden), Gnoppix (das statt KDE den GNOME-Desktop nutzt) oder INSERT (das auf eine scheckartengroße CD-ROM passt). Die Seite www.frozentech.com listet fast hundert Live-CD-Projekte in unterschiedlichen Bereichen vom Spieleserver über Firewall und Router bis zum Rettungssystem. Wir stellen in diesem Beitrag verschiedene Live-Systeme mit Platzbedarf von 3 MByte bis 690 MByte vor. Diese können zwar zum Teil auch zu Demonstrationszwecken eingesetzt werden, sind aber hauptsächlich gedacht für die Datenrettung, Virenabwehr oder Problemdiagnose.

Devil-Linux

Ursprünglich war Devil-Linux [1] als Firewall, Router und Gateway gedacht. Aber inzwischen kann es als Server für viele Anwendungen fungieren. In der Distribution sind entsprechend viele Netzwerkdienste enthalten. Und obwohl es 275 MByte Platz auf der CD beansprucht - und damit umfangreicher ist als MiniKnoppix - hat es trotz dieser Größer weder das X-Window-System dabei noch eine grafische Oberfläche wie KDE oder GNOME.

Ungewöhnlich ist auch der Bootvorgang von Devil-Linux. Hier sind - im Gegensatz zu allen anderen Live-Systemen - zwei Datenträger nötig. Wer ein IDE-CD-ROM-Laufwerk hat, braucht außer der CD mit Devil-Linux nur eine leere Diskette. Diese wird ins Laufwerk geschoben; Devil-Linux will dann während des Bootens die Konfiguration auf Diskette sichern. Wer zum Beispiel ein SCSI-System hat, muss zuvor noch einige Vorbereitungen treffen, bevor er Devil-Linux nutzen kann. Zunächst muss die bz2-Datei von [1] heruntergeladen und entpackt werden. Anschließend ist mit dem Befehl

tar xjf etc.tar.bz2

die Konfigurationsdaten auszupacken und in der Datei etc/sysconfig/config die Zeile mit INITRD_MODULES entsprechend anzupassen, um die passende Module in die Ramdisk zu laden. Anschließend muss das etc/-Verzeichnis mit

tar cjf etc.tar.bz2 etc

wieder komprimiert und auf die leere Diskette kopiert werden. Die Konfiguration von Devil-Linux kann als tarball statt auf eine Diskette auch auf einen USB-Stick gespeichert werden. Von dort werden die Konfigurationsdaten zurück ins /etc/-Verzeichnis entpackt.

Während man bei anderen Live-CDs nach dem Booten sofort loslegen kann, erscheint bei Devil-Linux zunächst der Login-Prompt, an dem man sich als root anmelden muss. Eine unsinnige Aktion, da kein Passwort gesetzt ist. Ärgerlich ist auch, das Devil-Linux eine an USB angeschlossene Funktastatur nicht erkennt.

Aber es gibt auch Positives: So liegt die Dokumentation im HTML-Format vor und kann mit dem Text-Browser lynx gelesen werden. Der Befehl dazu lautet lynx /doc/html/index.html.

Devil-Linux@KL:http://www.devil-linux.org/

275 MByte

Firewall, Router und Server

Systemvoraussetzungen: 80486; 32 MByte RAM; bootfähiges CD-ROM-Laufwerk; Diskettenlaufwerk oder USB-Speichergerät, das von Linux unterstützt wird.

Software (u.a.): clamav, iptraf, mysql, ncftp, smbclient, ssh, tcpserver

Abbildung 1: Wer ein SCSI-CD-Laufwerk hat, muss in Devil-Linux vor dem Booten eine Konfigurationsdatei anpassen und die Konfiguration anschließend auf Diskette speichern.

LinuxDefender Live! CD

LinuxDefender Live! CD [2] ist ein Rettungssystem mit Kernel 2.4 und 2.6, das auf Knoppix basiert. So ist gewährleistet, dass die meisten PC-Karten und Peripheriegeräte von der automatischen Hardware-Erkennung erkannt werden.

Die in diesem Artikel umfangreichste Live-CD mit 690 MByte begann als ein Bitdefender-Projekt, um Windows- und Linux-Administratoren mit Rettungs-Tools gegen Viren auszustatten. Im Rahmen dieses Projekts sollen noch zwei weitere Live-CDs entstehen: Die LinuxDefender Security CD mit knapp 200 MByte Speicherbedarf ist eine davon; die LinuxDefender Rescue CD, die mit etwa 50 MByte auf eine scheckkartengroße CD-ROM passt, ist noch nicht fertig.

Die LinuxDefender Live! CD enthält mehrere Produkte von Bitdefender: * Der Bitdefender SMTP Proxy etwa bietet Spam- und Virenschutz bereits auf der SMTP-Ebene, wo es den E-Mail-Verkehr für jeden Mailserver überwacht - unabhängig von Plattform oder Betriebssystem. Der Spam-Filter arbeitet mit der Bayesian-Analyse, mit Black- und White-Listen sowie heuristischen Methoden. * Das Antivirenprogramm Bitdefender Linux Edition, ein Samba-3-kompatibler Virenscanner, ist in den KDE-Desktop integriert und wird über das Kontextmenü von Dateien und Ordnern gestartet; es kann vorhandene Linux- und Windows-Partitionen, Remote-Samba- und Windows-Shares und auch NFS-Mount-Punkte auf Viren prüfen und diese entfernen. Damit das klappt, kann die Bitdefender Live CD NTFS-Partitionen nicht nur lesen, sondern mit Hilfe des Captive-Projekts auch schreiben. Dieses nutzt im Gegensatz zur nativen Lösung des NTFS-Kernelmoduls dem vorhandenen Windows-Treiber ntfs.sys; allerdings funktioniert das wegen der lokalisierten Treiber nicht direkt. * Mit Hilfe der Software Bitdefender Remote Admin kann die Live-CD über eine web-basierte Schnittstelle konfiguriert werden. Sollten dabei Probleme auftreten, hilft die ausführliche Dokumentation von Bitdefender weiter. Diese liegt im PDF- und im HTML-Format vor, so dass sie gleich im mitgelieferten Acrobat Reader oder den Browsern Mozilla und Konqueror gelesen werden kann. Eine ganze Reihe weiterer Utilities für Datenrettung, Systemwiederherstellung, Netzwerk- und Sicherheitsanalysen runden die Live-CD ab. Als Oberfläche kann man außer dem Desktop-Umgebungen KDE und GNOME auch die Window-Manager XFCE, IceWM oder fluxbox nutzen.

LinuxDefender Live! CD

www.bitdefender.com

690 MByte

System zur Virenbekämpfung und Datenrettung für Linux und Windows

Systemvoraussetzungen: Pentium II; 300 MHz; 64 MByte RAM im Text-, 256 MByte im Grafikmodus mit KDE; bootfähiges CD-ROM-Laufwerk; Standard-SVGA-Grafikkarte; serielle oder PS/2-Maus oder IMPS/2-kompatible USB-Maus

Software (u.a.): Amanda Backup, Bitdefender Linux Edition, Bitdefender Remote Admin, Bitdefender SMTP Proxy, chkrootkit, Ethereal Network traffic analyzer, IPTraf IP LAN Monitor, Nessus Network Security Auditor, nmap, parted, partimage, QTParted, tct

Abbildung 2: Nach dem Start der LinuxDefender Live! CD erscheint die Dokumentation im Konqueror.

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