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Ausdrücklich Japanisch

Kostenloser Canon-Druckertreiber im Test

01.10.2004 Heimlich, still und leise hat Canon Japan eigene Linux-Treiber für die Tintenstrahldrucker programmiert und bietet sie kostenlos zum Download an. Wie Sie die japanischen Treiber installieren und ob sie eine Chance gegen das kommerzielle Treiberpaket Turboprint haben, untersucht dieser Artikel.

Lange Zeit galten Canon-Tintenstrahldrucker als überhaupt nicht unterstützt, da der Hersteller keinerlei Informationen über die Ansteuerung an die Community herausgab. Nur das kommerzielle Treiberpaket Turboprint bot eine ausreichend gute Unterstützung, um Grafiken und Fotos in guter Qualität auszudrucken.

Von der Öffentlichkeit, und auch der deutschen Niederlassung, weitgehend unbemerkt veröffentlichte Canon Japan auf seinem FTP-Server [1] einige RPM-Pakete mit Linux-Treibern für die in Japan als Pixus-Familie bekannten Tintenstrahldrucker. In Deutschland werden diese Drucker als "i"-Serie verkauft und sind, soweit es der Autor in Erfahrung bringen konnte, absolut baugleich.

Auf dem japanischen Canon-Server lagern fertige RPM-Pakete für CUPS und das BSD-Printing-System, allerdings sind sie für das asiatische Turbolinux Version 8 gedacht. Damit lässt sich unter den aktuellen europäischen Linux-Distributionen nicht viel anfangen, zu unterschiedlich sind die Bibliotheken.

Japanisch für Anfänger

Das Hauptproblem bei der Installation ist die zwar umfangreiche, aber leider ausschließlich in Japanisch verfügbare Dokumentation aus dem Paket ftp://download.canon.jp/pub/driver/bj/linux/guidepixus550icups-2.2-1.tar.gz von [1]. Hier leistete der Online-Übersetzer Babelfish von Altavista [2] sehr gute Dienste – der Autor stellte die Anleitung kurzerhand auf seinen Webserver und ließ sie von Babelfish übersetzen.

Das CUPS-Front- und Backend selbst hat Canon unter GPL gestellt, nicht jedoch die Bibliotheken mit den eigentlichen Filter-Funktionen. Die gibt es nur in den RPM-Paketen, nicht einmal separat. Noch dazu unterscheiden sich die Bibliotheken von Version zu Version – wer also mehrere Modelle verwenden möchte, muss zwangsläufig die entsprechenden Bibliotheken mehrfach installieren.

Derzeit stehen zwei Versionen bei [1] zum Download, der Autor testete die Version 2.2.1 und 2.4.0 auf einem Canon i560 Tintenstrahldrucker, ob sie eine echte Alternative zum kommerziellen Druckertreiber Turboprint 1.90 [4] sind.

Quellen und Binaries

Die Installation beginnt in beiden Versionen damit, dass Sie CUPS per /etc/init.d/cups stop beenden und die Canon-Bibliotheken aus einem der RPM-Pakete zurück gewinnen. Der Autor verwendete hierfür die Dateien ftp://download.canon.jp/pub/driver/bj/linux/bjfilterpixus550i-2.2-1.i386.rpm und bjfilterpixus560i-2.4-0.i386.rpm aus dem Download-Bereich von Canon – die Bibliotheken unterscheiden sich zwar oft nur in der Versionsnummer, im Verzeichnis usr/lib/bjlib des jeweiligen RPM-Pakets sind jedoch verschiedene Konfigurationsdateien für die unterstützten Druckermodelle abgelegt, so dass Sie das zu Ihrem Drucker passende Konfigurationsdatei aus dem Paket herauskopieren müssen. Dies geht am einfachsten mit dem Midnight Commander, mit dem Sie in das RPM-Paket hineinsehen und einzelne Dateien herauskopieren können. Aber auch per Kommandozeile können Sie Teile des RPMs entpacken:

rpm2cpio bjfilterpixus560i-2.4-0.i386.rpm | cpio --extract --make-directories --no-absolute-filenames usr/lib/*

Das Programm cpio legt dann im aktuellen Verzeichnis die Unterverzeichnisse usr und usr/lib an, in dem alle erforderlichen Bibliotheken enthalten sind. Die Dateien aus usr/lib kopieren Sie bei SuSE Linux nach /usr/local/lib, bei Debian und Mandrake nach usr/lib, das Unterverzeichnis bjlib nach /usr/lib, und rufen danach ldconfig auf. Das ist nötig, damit Sie die Quellpakete der Filterprogramme anschließend übersetzen können.

Um die Quellen des Druckfilters von Canon, also dem eigentlichen Treiber, zu übersetzen, sind neben den Standard-Entwicklungs-Pakete noch eine Reihe weiterer RPM-Pakete der jeweiligen Distribution erforderlich. Bei SuSE Linux 9.1 sind das popt für die libpopt, das zugehörige Development-Paket popt-devel sowie die CUPS-Entwicklungsumgebung cups-devel. Diese Pakete gehören sämtlich zum Lieferumfang der Professional-Variante und lassen sich per yast -i Name von der Kommandozeile aus installieren.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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LinuxUser 03/2012

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