Die Live-Distribution Kanotix [1] entstand aus dem bekannten Knoppix heraus und ist benannt nach seinem Schöpfer Jörg "Kano" Schirottke. Er hat früher Patches und Programme zu Knoppix beigesteuert, war aber nicht mit dem Entwicklungsprozess zufrieden. Es hat ihm zu lange gedauert, bis Patches in die Distribution eingeflossen waren und das Team gab seiner Meinung nach zuwenige Releases heraus. Am meisten hat ihn allerdings gestört, dass Knoppix zwar selbst auf einem 486er läuft, aber nicht für moderne Hardware optimiert ist. Kanotix läuft erst auf Rechnern ab 586.
Kurzerhand hat Kano Knoppix geforkt und eine eigene Distribution geschaffen. Auf seiner Website ist zu lesen: "Danke für Knoppix. Ich mag es sehr, aber ich musste es verbessern :)". Kano ist sehr bekannt in der Knoppix-Community und im Knoppix-Forum [2]. Mit circa 5.000 Beiträgen ist er der aktivste Forumsteilnehmer überhaupt und hat fast jede Frage beantwortet.
Im Gegensatz zu Knoppix basiert Kanotix auf dem instabilen Zweig von Debian namens Unstable/Sid. Daher könnte man Kanotix als "Knoppix Unstable" bezeichnen. Viele der in Kanotix getesteten Treiber und Programme finden sogar später ihren Weg in das Original-Knoppix. Aktuell ist die Version Kanotix Bughunter 7A sowie die Entwicklungsversion Bughunter 8. Zum Featurevergleich hat der Autor die brandneue Knoppix 3.6 Akademy-Edition herangezogen.
Schickes Gewand
Beim Start begrüßt den Benutzer ein grafisches Menü, in dem sich mehrere Kombinationen von Cheatcodes auswählen lassen (siehe Abbildung 1). Standardmäßig sind im Gegensatz zu Knoppix ACPI und das Soundsystem ALSA eingeschaltet. Statt lang=de oder ähnliche Befehle einzutippen wählt der Benutzer einfach über die Funktionstasten [F2] bis [F4] die gewünschten Optionen. Hinter [F1] verbirgt sich eine Hilfe mit den Erklärungen der meisten Cheatcodes.
Kanotix erkennt mit den Standardeinstellungen sämtliche Hardware eines HP Compaq NX5000 Notebooks, Tabelle 1 zeigt einen Vergleich zu Knoppix. Die Maus wurde zwar als "PC Speaker" erkannt, tat aber trotzdem ihren Dienst. Viele Geräte, die Knoppix überhaupt nicht unterstützt erkennt Kanotix problemlos. Eine Fritz! Card DSL beispielsweise konfigurierte Kanotix ohne Probleme. Auch eine Broadcom Netzwerkkarte, mit der Knoppix nichts anfangen konnte ließ sich unter Kanotix verwenden.
Beim Starten der grafischen Oberfläche begrüßt den Benutzer das Kanotix-Maskottchen, ein Fisch. Neben dem KDE-Logo links unten befindet sich das "Fisch-Menü", aus dem heraus sich sämtliche Kanotix-Programme starten lassen (siehe Abbildung 2). Mit ihnen starten Benutzer diverse Serverdienste und richten Hardware ein. Herausragend ist, dass Kanotix auch so genannte Win-Modems unterstützt, die nur mit proprietären Treibern funktionieren.
Paketauswahl
Außerdem im Menü enthalten sind Tools für ISDN, Apache und sogar die Firewall Guarddog. Wie auch Knoppix enthält Kanotix "Captive" zum Einbinden von NTFS-Partitionen, Partition Image und QTParted zum Erstellen und Sichern von Partitionen. Das Debian-Menü ist leider nicht in das KDE-Menü integriert sondern separat eingebunden.
Dank Debian Unstable ist in Kanotix stets die aktuellste Software vorhanden. Die Bughunter 8 kommt bereits mit KDE 3.3 während Knoppix 3.6 noch KDE 3.2 verwendet. Weitere integrierte Software sind die Entwicklungswerkzeuge Quanta und Kommander, KDevelop jedoch nicht. Die Emulations-Software QEmu emuliert ähnlich VMWare einen kompletten PC und erlaubt es, ganze Betriebssysteme unter Linux zu starten.
Kanotix hat als eine der ersten Distributionen volle Unterstützung für das neu erschienene Dateisystem Reiser 4. Sollte eine Software doch mal fehlen, lässt sie sich dank integrierter Live-Installationstechniken im laufenden Betrieb nachinstallieren. So laden Benutzer zum Beispiel die NVidia-Treiber über das Fisch-Menü aus dem Internet und installieren sie mit einem einzigen Schritt.
Das Software-Warehouse Klik macht es besonders einfach, neue Software zu integrieren, ein Druck auf den Klik-Button im Browser genügt. Wie bei Knoppix 3.6 ist auch der Ndiswrapper installiert, jedoch bereits für einige Windows-Treiber vorkonfiguriert. Ein Aufruf von modprobe ndiswrapper genügt daher meistens, um entsprechende Geräte zum Laufen zu bekommen.
Kanotix erhebt den Anspruch, immer brandneue Software zu enthalten. Ist ein Programm aus Debian Unstable zu alt, dann baut der Autor auch mal schnell selbst ein Paket aus den aktuellsten Sourcen. Dies war zum Beispiel lange Zeit bei dem Instant Messaging Tool SIM der Fall.



