Zu Befehl
Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder GNOME regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, in denen es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.
In der letzten "Zu Befehl"-Folge ging es um screen und viele virtuelle Konsolen in nur einem Terminal-Fenster – da spielt es keine Rolle, wie viele Prozesse laufen und ob diese gerade das Terminal "belegen". Ist aber kein screen vorhanden und die Anzahl der Konsolen endlich, hilft es zu wissen, wie man Programme direkt im Hintergrund startet, unterbricht und nachträglich in den Hintergrund oder wieder nach vorne bringt. Wir zeigen, wie Sie die Kontrolle über alle Jobs behalten.
Ab in den Hintergrund
Läuft ein auf der Konsole gestarteter Befehl einmal etwas länger, ist oft Daumendrehen angesagt – das Terminal ist nämlich für die Dauer der Programmausführung belegt, so dass Sie keine weiteren Befehle eingeben können. Da ist es praktisch, dass Sie den Prozess gleich beim Start in den Hintergrund schieben können. Dazu hängen Sie an den Befehl ein kaufmännisches "Und" (&) an, z. B.:
$ find . -name bla > /tmp/liste & [1] 664
Außer dem Eingabe-Prompt, der direkt wieder freigegeben wird, sehen Sie in der Ausgabe ein paar Informationen über den gestarteten Prozess: In den eckigen Klammern steht die Job-ID, dahinter die Prozess-ID (PID, Process IDentifier). Während letztere im ganzen System eindeutig ist [1], ist die Job-ID eine von der Shell vergebene fortlaufende Job-Nummer. Das Kommando jobs verrät Ihnen, welche Jobs derzeit in dieser Shell laufen:
$ jobs [1]+ Stopped find . -name bla >/tmp/liste
Einen Prozess, der ohne das kaufmännische Und in der Shell gestartet wurde, der also im Vordergrund seine Arbeit verrichtet, können Sie auch nachträglich mit wenigen Kommandos in den Hintergrund schicken. Dazu unterbrechen Sie zunächst den Prozess, z. B. über die Tastenkombination [Strg-Z]. Die anschließende Ausgabe verrät wiederum die Job-ID und den Namen des angehaltenen Befehls. Danach erscheint wieder der Eingabe-Prompt. Um den angehaltenen Prozess in den Hintergrund zu befördern und dort fortzusetzen, verwenden Sie das Kommando bg (für englisch "background"):
$ bg [1]+ find . -name bla >/tmp/liste &
Sie sehen in dieser Ausgabe nicht nur die Job-ID, sondern auch den Namen des vollständigen Befehls und zum Schluss wieder das kaufmännische Und, das anzeigt, dass der Prozess jetzt im Hintergrund läuft. Sollte mehr als ein Job in der Shell laufen und angehalten worden sein, braucht das Kommando bg noch die Information, welchen Prozess Sie im Hintergrund fortsetzen wollen. Standardmäßig legt bg den Prozess mit der höchsten Job-Nummer in den Hintergrund. Dazu können Sie zunächst wieder mit dem Befehl jobs nachschauen, welche Job-IDs es gibt. Anschließend setzen Sie für das bg-Kommando die Job-ID hinter ein Prozentzeichen:
$ jobs [1]- Stopped find . -name blubb >/tmp/liste [2]+ Stopped find . -name bla >/tmp/liste $ bg %2 [2]+ find . -name bla >/tmp/liste &
Vordergründig
Um einen Hintergrund-Job zurück in den Vordergrund zu befördern, setzen Sie das Kommando fg (englisch: "foreground") ein. Auch dieser Befehl benötigt im Zweifelsfall die Angabe, um welchen Job es sich handelt, also z. B.:
fg %2
Die Shell ist anschließend wieder solange "blockiert", wie der Prozess im Vordergrund läuft bzw. abgearbeitet wird. Wenn ein Prozess mit seiner Arbeit fertig ist, informiert er Sie übrigens am Shell-Prompt darüber:
$ [3]- Done sleep 5



