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Professioneller Finanzverwalter

GnuCash

Bargeld ausgeben

GnuCash bietet Ihnen eine umfassende Übersicht über alle Ihre Finanzen – vorausgesetzt, Sie füttern das Programm auch lückenlos mit allen Einnahmen und Ausgaben. So schnell Bargeld ausgegeben ist, so schnell ist die Ausgabe auch in GnuCash hinterlegt. Rufen Sie dazu die Detailansicht des Bargeldkontos auf. Drücken Sie die Schaltfläche Neu, um eine neue Buchung anzulegen. In der Spalte Beschreibung notieren Sie, wofür Sie Ihr Geld ausgegeben haben. Den aufgewendeten Betrag tragen Sie in die Spalte Ausgabe ein. Klicken Sie in die Spalte Buchen, anschließend dort auf die kleine Schaltfläche. Es klappt eine Liste von Kontoarten herunter, aus der Sie die passende auswählen – für diese LinuxUser-Ausgabe wäre das Aufwendungen:Bildung:Zeitungen oder Aufwendungen:Hobbies. Nach einem Druck auf die Schaltfläche Eingeben ist der Betrag ordnungsgemäß verbucht.

Abbildung 7: Ein im Barkonto verbuchter Einkauf.

Die Finanzen im Griff

Zu einem guten Buchhaltungsprogramm gehört ein funktionierendes Berichtswesen, das dem Anwender mit Grafiken und Texten die Kontobewegungen, Einnahmen und Ausgaben übersichtlich darstellt. Unter dem Menüpunkt Berichte finden Sie eine Vielzahl von vorgefertigten Berichtsarten. Das Angebot reicht von einer einfachen Kontoübersicht bis hin zu grafischen Aufschlüsselungen von Aufwendungen und Erträgen. Sicher finden Sie dort etwas Passendes.

Abbildung 8: Ein grafischer Bericht in GnuCash.

Wie Sie sehen, ist GnuCash eine mächtige Softwarelösung, die an dieser Stelle längst nicht in allen Facetten vorgestellt werden kann. Haben Sie sich in das Programm erst einmal tiefer eingearbeitet, verfügen Sie über ein universelles Werkzeug für Ihre Finanzen – egal, ob geschäftlich oder privat.

Mit dem Girokonto online

Mit der Version 1.8 von GnuCash hat auch die Unterstützung des Online-Bankings mithilfe von OpenHBCI [3] Einzug in die Software gehalten. Sofern Ihre Bank eine HBCI-Form anbietet, die von OpenHBCI umgesetzt worden ist, können Sie bequem Kontostände aktualisieren und Verfügungen an die Bank senden. Problematisch wird es, wenn Sie Ihren HBCI-Zugang bereits mit einem anderen Produkt eingerichtet haben (Quicken, StarMoney etc.). Da deren Schlüssel auf proprietären Formaten basieren, wird GnuCash diese in den allermeisten Fällen nicht lesen können.

Bis vor zwei, drei Jahren propagierten Banken und Sparkassen HBCI mit Chipkarte oder Diskette als die moderne, komfortable und vor allem sichere Form des Home-Bankings. Allerdings kam es nie zu einer echten Durchdringung des Marktes mit Chipkartenlesegeräten. Ein Grund dafür dürfte der sein, dass nur die wenigsten Bankkunden bereit waren, 25 Euro und mehr für ein solches Lesegerät auszugeben, nachdem die Bank den Kunden vom Online-Banking überzeugt hatte.

Umgekehrt erschien es den Instituten zu teuer, dem Kunden ein solches Gerät kostenlos zur Verfügung zu stellen. Somit kehrt die Bankenwelt zur Absicherung von Transaktionen mittels langer TAN-Listen zurück. "FinTS" heißt das Zauberwort: eine mit HBCI abgesicherte Verbindung, bei welcher der Kunde seine Transaktion mit einer Transaktionsnummer (TAN) legitimiert. Dieses Verfahren dürfte der kommende Standard in Deutschland werden, nachdem er sich immer weiter innerhalb der Sparkassenorganisation und den genossenschaftlichen Instituten durchsetzt. Leider scheint FinTS in absehbarer Zeit nicht vom OpenHBCI-Projekt unterstützt zu werden.

Die OpenHBCI-Implementierung in GnuCash bietet Ihnen einen komfortablen Assistenten, der beim Einrichten des Bankzugangs hilft. Diese Einrichtung starten Sie über Werkzeuge / HBCI-Einrichtung. Innerhalb des ersten Fensters erhalten Sie Hinweise auf die notwendigen Informationen, die Sie für das Einrichten des Kontos benötigen. Klicken Sie auf Weiter. Sie werden nun gefragt, ob eine Konfigurationsdatei angelegt werden soll, und wo diese gespeichert wird. Auch diesen Schritt bestätigen Sie über Weiter. Sie geben nun die grundlegenden Informationen zu Ihrem Bankzugang ein. Dazu gehört die Bankleitzahl und die Adresse des HBCI-Servers Ihres Instituts. Diese Adresse sollte Ihnen Ihr Kreditinstitut in einem Brief mitgeteilt haben. Ein Druck auf Weiter führt Sie zum nächsten Schritt.

Abbildung 9: Die grundlegenden Eigenschaften eines Kontos für HBCI.

Der folgende Dialog nimmt die Angaben zur Benutzerkennung und Kundennummer auf. Im Falle eines so genannten RDH-Mediums legen Sie hier den Pfad zur Schlüsseldatei fest. Mit Weiter initialisieren Sie Ihren Zugang. Dazu gehört, dass Sie für Ihren Schlüssel eine PIN festlegen und der öffentliche Schlüssel Ihres Instituts abgerufen wird. Ist dies erfolgt, wird Ihnen eine kryptischen Sammlung von Zahlen und Buchstaben gezeigt, die Sie mit den entsprechenden Werten im Schreiben Ihrer Bank vergleichen. Stimmen diese überein, bestätigen Sie das innerhalb des Dialogs von GnuCash. Durch erneutes Drücken von Weiter wird nun Ihr gerade erstellter Schlüssel beim Kreditinstitut hinterlegt. Haben Sie alle Dialoge erfolgreich durchlaufen, vergehen bei den meisten Instituten noch einige Tage, bevor Sie auf Ihre Konten zugreifen können. Der neue Bankzugang muss erst freigeschaltet werden. Die von GnuCash unterstützten Geschäftsvorfälle wie die Saldenabfrage oder eine Überweisung finden Sie innerhalb der Ansicht eines Kontos unter Aktionen / Online Aktionen.

Glossar

QIF

Quicken Interchange Format. Ein Dateiformat, das ursprünglich nur vom Windows-Programm Quicken genutzt wurde, inzwischen aber von den meisten Banking- und Finanzprogrammen als Austauschformat unterstützt wird.

Kontenrahmen

Kontenrahmen sind so etwas wie Kategorien, denen Geldbeträge zugewiesen werden können.

RDH-Medium

Das klassische HBCI kennt mehrere Verschlüsselungsarten. RSA-Chipkarten enthalten einen leistungsfähigen Mikroprozessor, der selbständig RSA-Schlüssel erzeugen und die RSA-Verschlüsselung berechnen kann. Solche Karten sind aber recht teuer. DDV-Chipkarten sind für das DES-DES-Verfahren (DDV), wo sich der geheime Schlüssel bereits auf der Karte befindet. Auch hier berechnet der Mikroprozessor auf der Karte die Verschlüsselung selber. Schließlich gibt es als preiswerte Lösung das RDH-Verfahren: Hier wird nur der Schlüssel auf dem Sicherheitsmedium gespeichert, die Verschlüsselung wird von der Software durchgeführt. GnuCash bzw. OpenHBCI unterstützt derzeit RDH- und DDV-Chipkarten.

Infos

[1] Moneyplex-Test, Werner Harrichhausen: "Reine Geldsache", LinuxUser 08/2004, S. 56--59

[2] Unter http://www.gnucash.org finden Sie nicht nur die Software selbst, sondern auch viele Informationen rund um das Programm.

[3] OpenHBCI ist eine Umsetzung des HBCI-Standards auf Open-Source-Basis. Informationen zum Projekt finden Sie unter http://www.openhbci.de.

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LinuxUser 06/2012

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