Online- und Offline-Tests

Sobald bei einem Gerät SMART aktiviert ist, schreibt es Messdaten über seine Funktionsfähigkeit ohne Einbußen der System-Performance im laufenden Betrieb mit. Das gilt für alle Attribute, die in der Spalte UPDATED im Listing 3 mit Always bezeichnet sind. Die Manpages der Smartmontools bezeichnen dieses Verfahren als Online-Test.

Welche SMART-Methoden Ihr Gerät beherrscht und wieviel Zeit die verschiedenen Tests benötigeb, fördert der Aufruf von smartctl mit der Option -c zutage (siehe Abb. 1).Auf gleiche Weise können Sie auch den Fortschritt des Tests im Abschnitt Self-test execution status verfolgen.

Abbildung 1: Report über die SMART-Fähigkeiten des Geräts.

Beim so genannten Offline-Test sind Einbußen bei der Performance möglich. In der Praxis werden Sie diese jedoch kaum spüren, denn solange das Betriebssystem auf das Gerät regulär zugreift, werden die Aktivitäten des Offline-Tests unterbrochen. Der Offline-Test startet mit smartctl -t offline /dev/Gerä.

Ein periodisches Ausführen – üblicherweise alle vier Stunden – beauftragt man mit der Option -o on, sofern der Hersteller die entsprechende Funktion eingebaut hat. Letzteres ersehen Sie aus der Abfrage der SMART-Fähigkeiten Ihres Geräts ersehen (siehe Abb. 1). Im Abschnitt Offline data collection capabilities finden Sie dann die Aussage Auto Offline data collection on/off support. Ein Offline-Tests, unabhängig davon, ob er ausdrücklich oder automatisiert durchgeführt wurde, aktualisiert all jene Attribute, die in der Spalte UPDATED (Listing 3) mit Offline bezeichnet sind.

Während Online- und Offline-Test nur Daten sammeln, lässt der Selftest tatsächlich Tests ablaufen. Sie erheben die elektrischen und mechanischen Eigenschaften des Geräts sowie den Durchsatz beim Lesen. Selftests sind gleichfalls im laufenden Betrieb gestattet, da sie aussetzen, sobald das Betriebssystem regulär auf das Gerät zugreifen will. Gegenteiliges bewirkt die Option -C: Dann so steht das Gerät nicht mehr zur Verfügung. Diesen so genannten Captive-Mode sollten Sie darum nur auf Medien anwenden, die gerade nicht im Dateibaum hängen.

Ein kurzer Selbsttest, er mit der Option -t short, dauert nur wenige Minuten. Ein eingehender Selbsttest dagegen nimmt je nach Größe der Festplatte eine Stunde oder länger in Anspruch. Um ihn zu starten, geben Sie smartctl die Option -t long auf den Weg.

Das Ergebnis des Tests hält das Gerät in seinem Self-Test-Log fest. smartctl bringt es für Sie mit der Option -l selftest zur Anzeige (siehe Listing 4). Angaben zu jüngst durchgeführten Tests stehen am Anfang der Liste. Der Test bricht automatisch ab, wenn er auf einen Fehler stößt. Die Spalte Remaining zeigt dann, wieviel Prozent des Tests noch nicht erledigt sind. Findet der Test Fehler auf der Festplatte, dann steht die logische Adresse des ersten fehlerhaften Blocks in Spalte LBA. Der Abbruch des Tests in Zeile # 2 von Listing 4 hatte die Autorin mit smartctl -X /dev/hdb selbst proviziert.

Listing 4

Abfrage des Self-Test Log

# smartctl -l selftest /dev/hdb
smartctl version 5.32 Copyright (C) 2002-4 Bruce Allen
=== START OF READ SMART DATA SECTION ===
SMART Self-test log structure revision number 1
Num  Test_Description    Status                  Remaining  LifeTime(hours)  LBA_of_first_error
# 1  Extended offline    Completed without error       00%       453         -
# 2  Extended offline    Aborted by host               90%       451         -
# 3  Short offline       Completed without error       00%       451         -

Neben dem Self-Test-Log gibt es auch ein Error-Log, das Informationen zu den letzten fünf aufgetretenen Fehlern enthält. smartctl bringt es bei Angabe der Option -l error zur Anzeige.

Automatisierte Überwachung mit smartd

Mit dem vorgestellten smartctl-Aufrufen müssen die Befunde ausdrücklich abgefragt werden, was für die dauernde Überwachung untauglich ist. Hier kommt nun smartd ins Spiel. Es handelt sich um einen Hintergrundprozess (Daemon) der, nach den Vorgaben des Benutzers, SMART-Attribute automatisiert abfragt und Selbsttests startet. smartd protokolliert seine Statusmeldungen und Fehlermeldungen im Syslog, was beispielsweise auf Wunsch im Fehlerfall ein Informieren per E-Mail möglich macht.

Es ist sinnvoll, dass Sie das Starten und Stoppen von smartd in den Boot- und Shutdown-Prozess Ihres Rechners einbinden. Dazu bringen die Smartmontools neben den ausführbaren Programmen /usr/sbin/smartctl und /usr/sbin/smartd auch ein Shellskript namens smartd mit, das in der Regel unter /etc/rc.d/init.d liegt. Ein chkconfig --add smartd setzt entsprechende Links bei den verschiedenen Runleveln. Achtung: Unter Suse Linux müssen Sie das Shellskript smartd dazu gegebenenfalls vorab vom Verzeichnis /etc/rc.d/init.d nach /etc/init.d verschieben!

Um smartd mit speziellen Optionen zu starten, setzen Sie die Variable smartd_opts im Shellskript Ihren Wünschen entsprechend. Zum Beispiel legt die Option --interval N fest, alle wieviel Sekunden smartd aktiv wird. Voreingestellt ist ein Intervall von 1800 Sekunden, was 30 Minuten entspricht. Schauen Sie mit smartd --help, welche Optionen beim Aufruf spezifiziert werden. Eingehendere Erläuterungen dazu erhalten Sie mit man smartd.

Die weitere Konfiguration von smartd erfolgt über Einträge in der Datei /etc/smartd.conf. Sollte sie nicht vorhanden sein oder in ihr die Anweisung DEVICESCAN aktiv sein, so versucht smartd beim Start auf alle möglichen ATA- und SCSI-Devices in Ihrem System zuzugreifen, das heißt von /dev/hda bis /dev/hdt und /dev/sda bis /dev/sdz. Für alle gefundenen Geräte wird SMART aktiviert und die Überwachung gestartet.

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