Multitalent
Dateien verwalten und archivieren mit Endeavour Mark II
Endeavour tunen
In der Standardkonfiguration führt ein Doppelklick auf eine beliebige Datei meistens zu der Fehlermeldung, dass Endeavour /usr/bin/iv nicht findet. Dieses Viewer-Programm [2] liegt kaum einer Distribution bei. Entweder installieren Sie das Tool nach oder ändern die Konfiguration des Dateimanagers so, dass er stattdessen Ihre Lieblingsanwendung zur Anzeige von Dateien startet. Welche das ist, bringen Sie Endeavor über den Konfigurationsdialog bei, den ein Klick auf SettingsOptions hervorzaubert (Abbildung 4).
Auf der Registerkarte Programs machen Sie Endeavour mit dem neuen Standard-Viewer bekannt: Tragen Sie dort hinter Default Viewer eine andere Anwendung ein. Eine sinnvolle Alternative ist less, für das Sie als Befehl xterm -e less eintragen. Das ist nötig, da less in einem Terminal-Fenster laufen muss. Wer sich hauptsächlich Grafiken anschauen will, kann auch auf display aus dem ImageMagick-Paket als Standard-Viewer zurückgreifen. Der Viewer ist jedoch nur eine Fallback-Lösung: Auch wenn less die binären Zeichen einer PNG-Grafik anzeigt, will man für solche Zwecke lieber einen Bildbetrachter haben. Damit Endeavour beim Doppelklick zwischen einzelnen Dateitypen unterscheiden kann, verwendet er MIME-Types. Den entsprechenden Konfigurationsdialog (Abbildung 5) erreichen Sie über ViewMIME Types.
Um Endeavour z. B. davon zu überzeugen, Dateien mit der Endung .sxw mit OpenOffice zu öffnen, erzeugen Sie über Add einen neuen MIME-Type. Im sich öffnenden Dialog gehört unter Class der Eintrag File (für "normale Datei"). Als Type tragen Sie application/openoffice ein. Das Feld Extensions nimmt die Dateiendungen auf, die zu diesem MIME-Type gehört, für unser Beispiel .sxw. Hinter Description kommt eine frei wählbare optionale Beschreibung.
Nun fehlt nur noch der Befehl, den Endeavour bei einem Doppelklick auf eine .sxw-Datei ausführen soll. Zunächst wählen Sie hinter Handle By die Option Command aus und fügen das zu startende Programm mit dem Plus-Button der Befehlsliste hinzu. Über zweimaligen Klick auf die daneben liegende Schaltfläche mit Block und Stift geben Sie zuerst den Namen der Aktion und danach den passenden Befehl ein, in unserem Beispiel /opt/OpenOffice.org/program/soffice (Abbildung 5). Noch ausführlichere Informationen zum Thema Endeavour und MIME Types finden Sie unter [4].
Doch selbst mit eigens definierten MIME-Types ruft ein Doppelklick auf eine Datei immer noch den Standard-Viewer auf den Plan. Dieses Verhalten lässt sich nur dadurch umgehen, dass Sie gar keinen Standardbetrachter verwenden, das entsprechende Feld im Optionsdialog also einfach leer lassen. Entscheiden Sie sich für diesen Workaround, müssen Sie allerdings für alle verbreiteten Dateitypen einen Mime-Type anlegen.
Was gibt es sonst noch?
Neben den klassischen Aufgaben eines Dateimanagers beherrscht Endeavour auch den Umgang mit Archiven. Dabei greift er auf Anwendungen wie tar, zip und lha zurück. Die Pfade zu den Programmen stellen Sie im Optionsdialog auf der Registerkarte Options ein. Mandrake-Linux-Nutzer müssen beispielsweise den Pfad zu bzip2 und bunzip2 anpassen: Endeavour erwartet die Programme im Verzeichnis /bin/, Mandrake Linux sortiert die beiden Pack-Tools jedoch unter /usr/bin/ ein.
Anders als bei anderen Dateimanagern erreichen Sie den Packer nicht über das Kontextmenü von Dateien und Verzeichnissen, sondern müssen ihn explizit über WindowNew Archiver starten (Abbildung 7).
Im selben Menü verbirgt sich auch das zweite Goodie, das Endeavour mitbringt: Ein Bildbetrachter und -Browser (Abbildung 8). Die Bilder eines Ordners zeigt er in der linken Fensterhälfte als Thumbnails an. Sobald Sie eines markieren, blendet er es auf der rechten Seite ein. Dabei skaliert er zu große Bilder auf Fenstergröße. Um Fotos mit den Originalmaßen zu betrachten, wählen Sie Zoom 1:1 aus dem Kontextmenü der rechten Fensterhälfte. Es bietet zusätzlich einfache Bildbearbeitungsoptionen wie Drehen und Spiegeln an, die Sie über das Untermenü RotateTransform aufrufen.
Wer ein wenig Einrichtungsaufwand nicht scheut, findet in Endeavour einen schlanken und flexiblen Begleiter, der einem viel Arbeit abnimmt. Die mitgelieferten Tools ersparen dem Benutzer die Suche nach zusätzlichen Programmen, würden jedoch mit einer besseren Integration in den Dateimanager noch mehr Spaß machen.
Der Autor
Hagen Höpfner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technische und Betriebliche Informationssysteme der Fakultät für Informatik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Was er dort so alles treibt, steht unter http://wwwiti.cs.uni-magdeburg.de/~hoepfner/ In seiner Freizeit spielt der begeisterte Vater Gitarre in der Rockband "Gute Frage" (http://www.gutefrage.de/).
Glossar
MIME
Die Multipurpose Internet Mail Extensions (MIME) wurden ursprünglich entwickelt, um per E-Mail verschickten Dateien die Information an die Hand zu geben, zu welchem Programm sie gehören. Mittlerweile ist diese Methode aber auch in Datei- und Web-Browsern Standard.
Thumbnails
Miniaturbilder (engl. Thumbnails) sind verkleinerte Versionen von Bildern und bieten eine Vorschau des entsprechenden Originalbilds.
Infos
[1] Endeavour Mark II: http://wolfpack.twu.net/Endeavour2/
[2] Image Viewer: http://wolfpack.twu.net/IV/
[3] Format: http://www.roland-riegel.de/format/index.html?lang=de
[4] Endeavour und MIME-Typen: http://wolfpack.twu.net/Endeavour2/help/mime_types.html



