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Multitalent

Dateien verwalten und archivieren mit Endeavour Mark II

01.10.2004 Dateimanager und Bildbetrachter wie Konqueror und Nautilus gehören zu einer Desktop-Umgebung wie das Salz in der Suppe. Aber auch Benutzer einfacher Fenstermanager müssen nicht auf Komfort verzichten.

Dank Konqueror und Nautilus muss man sich unter Gnome und KDE nur selten mit der Konsole herumquälen, um seine Dateien zu verwalten. Selbst integrierte Bildbetrachter gehören zur Standardausstattung der beiden Dateimanager. Für alle, die sich mit einem Desktop Environment nicht anfreunden mögen und denen Konqueror und Nautilus zu langsam sind, heißt es, sich nach Alternativen umzusehen. Eine ist der ebenso funktionale wie schnelle Endeavour Mark II [1].

Viele Wege führen nach Rom

Am einfachsten gelingt die Installation des Dateiverwalters mit einem der auf der Projekt-Homepage oder auf der Heft-CD liegenden RPM-Pakete. Debian-Liebhaber müssen leider mit einer alten Version vorlieb nehmen oder selbst Hand anlegen und die Quellen kompilieren. Laden Sie dazu das mit bzip2 oder gzip gepackte Quell-Code-Archiv von der Projekt-Homepage herunter und entpacken Sie es mit tar xjf endeavour-2.4.4.tar.bz2 bzw. tar xzf endeavour-2.4.4.tgz. Im dabei erzeugten Unterverzeichnis endeavour-2.4.4 konfigurieren, übersetzen und installieren Sie Endeavour mit den Befehlen

./configure Linux
make
su -c "make install"

Das Linux hinter ./configure teilt dem Skript die richtige Systemarchitektur mit. Wollen Sie Endeavour auf einem Macintosh kompilieren, ist ./configure LinuxBigEndian die richtige Wahl. Damit alles klappt, müssen die Bibliotheken gtk, glib, imlib und die zugehörigen Entwicklerpakete installiert sein. Letztere kommen bei den meisten Distributionen mit dem Namenszusatz -devel oder -dev daher.

Weitere optionale Systemvoraussetzungen lesen Sie in Tabelle 1 nach. Die dort aufgeführten Programme erweitern Endeavour um zusätzliche Funktionen, sind zur Benutzung des Dateiverwalters aber nicht zwingend nötig.

Tabelle 1: Systemvoraussetzungen

Paket

minimale Version

Kurzbeschreibung

e2fsprogs 1.34 überprüft ext2-Dateisysteme
format [3] 0.3.0 formatiert Disketten
itar 1.13 erstellt tar-Archive
gzip 1.2.4a komprimiert und entpackt Dateien im gzip-Format
bzip2 1.0.2 komprimiert und entpackt Dateien im bzip2-Format
zip 2.3 erstellt Zip-Archive
unzip 5.50 entpackt Zip-Archive
lha 1.15 entpackt Lha-Archive
rar 3.0.0 dekomprimiert Rar-Archive
wget 1.8.2 Download-Programm

Erste Schritte

Sie starten die Anwendung mit dem Befehl endeavour2. Standardmäßig präsentiert sich Endeavour in der Dateimanageransicht (Abbildung 1), die auf der linken Seite den Verzeichnisbaum und rechts den Inhalt des jeweils gewählten Ordners anzeigt.

Abbildung 1: Das Dateimanager-Fenster von Endeavour.

Zur schnellen Navigation dient die Adresszeile: Sie zeigt das aktuelle Arbeitsverzeichnis an. Um in einen anderen Ordner zu wechseln, geben Sie dort einfach das Zielverzeichnis ein. Praktischerweise funktioniert die Vervollständigung mit der Tabulator-Taste, sobald Sie einen eindeutigen Teil des Verzeichnisnamens eingegeben haben. Tippfaule Anwender nutzen den rechts liegenden Pfeil, um die History zu öffnen: Dort bietet Ihnen Endeavour alle Ordner an, deren Pfad Sie schon einmal eingetippt haben.

Wer die Adresszeile nicht benötigt, blendet sie über den Menüpunkt ViewLocation Bar aus und bei Bedarf wieder ein. Im selben Menü steuern Sie die Anzeige anderer Leisten. Standardmäßig eingeschaltet sind die Statusleiste (Status Bar) am unteren Fensterrand, die Adresszeile (Location Bar) und die Werkzeugleiste (Tool Bar) mit den Icons. In der Statuszeile zeigt Endeavour beispielsweise, wie viele Einträge das gerade markierte Verzeichnis enthält, oder auch die Größe einer ausgewählten Datei. Das Schloss-Icon ganz links in der Statusleiste dient dazu, zwischen schreibgeschütztem und nicht schreibgeschütztem Arbeiten umzuschalten. Ist der Schreibschutz aktiviert, können Sie keine Aktionen, wie etwa Löschen und Umbenennen, ausführen.

Das zweite Icon bestimmt, was beim Löschen von Dateien passiert. Zeigt Endeavour dort einen Papierkorb, landen Löschkandidaten im Endeavour-Mülleimer unter ~/.endeavour2/recycled. Um so gelöschte Dateien wieder herzustellen oder endgültig ins Nirvana zu schicken, nutzen Sie das Mülleimer-Symbol (RecBin) in der Werkzeugleiste: Ein Klick darauf öffnet den Endeavour-Papierkorb (Abbildung 2). Mit dem Recover-Button fischen Sie einmal gelöschte Dateien wieder aus dem Müll, Purge entsorgt sie endgültig. Sind Sie gerade beim Großreinemachen, leistet Purge All gute Dienste – es leert den Abfalleimer in einem Rutsch.

Wer Dateien ohne Umweg über die virtuelle Tonne löschen will, klickt einmal auf den Papierkorb in der Statuszeile. Er verwandelt sich daraufhin in ein Shredder-Symbol. In diesem Modus entfernt Endeavour gelöschte Dateien nach einer Sicherheitsabfrage endgültig von der Festplatte.

Abbildung 2: Gelöschte Dateien verschiebt Endeavour erst einmal in den Papierkorb.

Ein besonders praktisches Feature ist die Suchleiste, die Sie über ViewFind Bar einblenden. Sie ermöglicht das Suchen von Dateien und Verzeichnissen, wobei Sie nicht nur nach bestimmten Namen forschen können. Schalten Sie im Dropdown-Feld hinter Find die Option Object Content ein, durchstöbert Endeavour auch den Inhalt von Dateien.

Eine weitere Funktionsleiste verbirgt sich hinter ViewMount Bar. Mit ihr mounten Sie die Laufwerke, die in der Datei /etc/fstab/ stehen. Auf dem Testsystem funktionierte dieser Automatismus leider nicht reibungslos, so dass unter DeviceDevices ... manuelle Anpassungen notwendig waren. Dazu wählen Sie in der Geräteliste den einzurichtenden Datenträger aus. Ein Klick auf Edit öffnet eine weitere Eingabemaske, in der Sie den richtigen mount-Befehl eintragen. Abbildung 3 zeigt die passenden Einstellungen für den CD-Brenner unter SuSE Linux.

Abbildung 3: Endeavour braucht ein wenig Nachhilfe im Umgang mit Geräten.

So gerüstet, lässt sich das Laufwerk danach über die Funktionsleiste einhängen. Leider erkannte Endeavour den aktuellen Status des Brenners nicht, sondern versuchte beim Aushängen erneut, ihn einzubinden.

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LinuxUser 03/2012

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