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Strom sparen

ACPI-Unterstützung auf Centrino-Laptops

01.10.2004
Da steht es nun in seiner vollen Pracht auf dem Schreibtisch: das nagelneue Widescreen-Centrino-Laptop, das Laufzeiten von mehr als vier Stunden bei vollem Multimediagenuss verspricht. Damit dem guten Stück unter Linux nicht vorzeitig die Puste ausgeht, sind einige Klimmzüge nötig.

Erfahrene Anwender kennen die Problematik des Hardware-Kaufs: Prinzipiell sollte man für den Einsatz unter Linux auf Bewährtes zurückgreifen. Die Linux-Entwicklergemeinde braucht Zeit, um auf Trends in der Hardware-Szene zu reagieren und die benötigten Treiber zu schreiben. Dass man mittlerweile auch, entsprechende Recherche und etwas Lernbereitschaft vorausgesetzt, unbesorgt ins Neuheitenregal greifen darf, zeigt der folgende Erfahrungsbericht zur Inbetriebnahme eines Laptops der aktuellen Centrino-Dothan-Serie, hier im Speziellen des Samsung M40. Die geschilderte Vorgehensweise ist nicht unbedingt typspezifisch und kann auch auf andere Geräte übertragen werden.

Vorauswahl und Gesundheits-Check

Vor dem Kauf stellt sich die Frage: Welche Laptops eignen sich gut, welche weniger gut für den Betrieb unter Linux? Eine pauschale Antwort kann man hier kaum geben – fest steht, dass die gängigen Distributionen mittlerweile mit nahezu jeder Hardware zurecht kommen. Ein anderes Thema ist das Energie-Management, das wegen schlecht angepasster BIOS-Software zum K.O.-Kriterium werden kann. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, recherchiert auf den einschlägigen Seiten im Internet [1], ob es schon Linux-Erfahrungen mit ähnlichen Modellen der Firma des Vertrauens gibt.

Hat man sich für ein Gerät entschieden, sollte man vor dem Kauf zunächst ein Linux-Live-System wie z.B. Knoppix [2] booten, um einen ersten Eindruck von der Linux-Kompatibilität zu bekommen. Dank Fernabsatzgesetz hat man bei der Bestellung eines Geräts über den Online-Handel 14 Tage Zeit, das Gerät etwas genauer in Augenschein zu nehmen: Nach dem Booten einer aktuellen Knoppix-CD im Kernel-2.6-Modus (Boot-Parameter linux26) sollten zumindest Grafik und Sound sauber laufen. Eine große Bedeutung kommt auch der Internet-Anbindung zu, lassen sich doch auf diesem Weg die später notwendigen System-Updates auf den Rechner befördern. Zum Test der Netzwerkschnittstelle oder eines eingebauten Modems bedient man sich der Knoppix-eigenen Netzwerk-/Internet-Konfigurationsroutine. Darüberhinaus kann man prüfen, ob das Verzeichnis /proc/acpi existiert und ACPI-relevante Einträge enthält; am einfachsten geht das mit einem Dateibrowser wie dem Konqueror (Abbildung 1). Findet man nur wenige Einträge oder überhaupt kein Verzeichnis /proc/acpi vor, sollte man von dem speziellen Laptop die Finger lassen.

Abbildung 1: Die halbe Miete: Knoppix erkennt ein ACPI-System.

Vorsicht, falls Sie auch gleich noch den Speicher mit dem in Knoppix integrierten Programm memtest86 überprüfen möchten: Es eignet sich nicht für die aktuelle Centrino-Generation, da das Cache-Handling mit dieser Hardware nicht funktioniert. Das Resultat ist ein nach wenigen Minuten stark überhitzter Prozessor, unter [3] gibt es eine angepasste Version des Speichertests.

Distributionsroulette

Die Chancen, modernste Hardware unter Linux zu nutzen, steigen mit der Aktualität des Kernels bzw. der Distribution. Beim Samsung M40 scheiterte beispielsweise eine weitere Beschäftigung mit der aktuellen Suse-Distribution 9.1, da sich anders als bei den ersten Tests mit Knoppix die Netzwerkkarte nicht ansprechen ließ. Einen Original-Kernel von www.kernel.org unter Suse Linux zu installieren, verursacht oft Komplikationen. Daher fiel die Wahl auf die Community-Distribution Fedora Core 2 [4], die sich über den up2date-Mechanismus gleich nach der Installation auf den aktuellen Stand bringen lässt. Bereits wenige Tage nach dem offiziellen Erscheinen steht dort der jeweils aktuelle Kernel als RPM-Paket zur bequemen Installation bereit.

Auf die Installation der aktuellen Fedora-Distribution gehen wir hier nicht weiter ein; nähere Hinweise findet man unter anderem in [5]. Lediglich ein Hinweis: Wegen eines Fehlers in der Installationsroutine erzeugt Fedora Core manchmal eine fehlerhafte Partitionstabelle, die unter anderem die spätere Bearbeitung mit Partitionierungswerkzzeugen wie Partition Magic behindert und im Extremfall das Booten eines parallel installierten Betriebssystems verhindern kann. Das Problem umgeht man, indem man beim Booten der Installations-CD am Boot-Prompt die exakte Festplattengeometrie übergibt. Hier ein Beispiel für eine Installation auf der Platte hda (also der ersten IDE-Platte):

boot: linux hda=14593,255,63

Die hier anzugebenden Daten liefert der Befehl

fdisk -l /dev/hda

in der Shell einer gebooteten Knoppix-CD. Für die Installation wählt man das Desktop-Standardsystem sowie das Metapaket Entwicklungstools aus der Kategorie Softwareentwicklung aus. Hier können Sie auch zusätzlich den Desktop KDE aus – KDE enthält das Paket klaptop, das für eine optimale Nutzung der Laptop-Funktionen sorgt. Nach der Installation von Fedora Core 2 sollte das System sofort aktualisiert werden. Dafür bietet sich die Fedora-eigene Lösung up2date an: Neue Update-Pakete zeigt das Tool Red Hat Network Alert an (Abbildung 2). Wichtig ist dabei, zusammen mit dem Kernel auch die Kernel-Quelldateien (engl.: kernel source code) zu aktualisieren. Wenn möglich, sollte man stets den distributionseigenen Kernel verwenden. Benötigen Sie ganz aktuelle Features, können Sie alternativ auch den Original-"Vanilla"-Kernel von kernel.org benutzen. In jedem Fall empfiehlt sich für ein Update der Quellen ein breitbandiger Internet-Anschluss, da die Quellen selbst in gepackter Form rund 50 MByte groß sind.

Abbildung 2: Up2date beschafft den aktuellsten Kernel nebst Quellen.

Nach der Installation des Systems prüfen Sie zunächst, wie gut Linux die Hardware erkannt hat und ob die ACPI-Implementierung funktioniert. Dazu werfen Sie einen Blick in die Log-Datei des Boot-Vorgangs:

# dmesg | grep ACPI
…
ACPI: Embedded Controller [H_EC] (gpe 28)
    ACPI-0347:  * Error: Handler for [EmbeddedControl] returned
AE_BAD_PARAMETER
…

Im Normalfall erscheinen einige Fehlermeldungen, die auf eine unzureichende ACPI-Implementierung hinweisen – dann ist das Energie-Management unbrauchbar. Zur Abhilfe erstellen Sie einen neuen Kernel.

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