OpenOffice Draw

Mit dem Programm Draw hat OpenOffice [7] ein schwergewichtiges Zeichenprogramm an Bord. Wie in allen Programmen der Office-Suite ist die Startzeit sehr lang, aber dafür wird der Benutzer mit einer schier unerschöpflichen Funktionsfülle belohnt (Abbildung 7).

Abbildung 7: OpenOffice Draw ist von den hier vorgestellten Programmen am besten ausgestattet.

Alle Zeichenwerkzeuge sind vorhanden, als einziges Programm bietet Draw die Möglichkeit, 3D-Körper zu erzeugen. Neben den normalen Textwerkzeugen, die beliebig langen Text aufnehmen und formatieren können, gibt es noch ein Werkzeug, das eine Legende mitsamt Verbindungslinie zu einem anderen Objekt anlegt.

Alles, was für genaues Zeichnen notwendig ist – Raster, Rasterfang, Hilfslinien und Zeichnungsebenen –, bringt OpenOffice Draw mit. So sind mit dem Programm auch präzise technische Zeichnungen möglich. Einen Fadenkreuz-Cursor hat das Programm leider nicht.

OpenOffice Draw kann verschiedene Bitmap- und Vektorgrafik-Formate importieren und exportieren. Es ist außer Skencil auch das einzige Programm in diesem Vergleich, das ohne Umwege PDF-Dateien erzeugt. Die umfassende Online-Hilfe hilft beim Einstieg in die Arbeit mit dem Programm.

OpenOffice Draw ist das umfangreichste Programm in diesem Test. Als einziges kann es mehrseitige Dokumente erstellen, die dank des integrierten PDF-Exports auch sofort online veröffentlicht und weitergegeben werden können. Die Zeichenfunktionen sind komplett, einzig die fehlenden Filter geben Anlass zur Kritik.

Skencil

Auch Skencil [8], das bis Ende letzten Jahres noch Sketch hieß, will ein CorelDraw-Ersatz für Linux werden. Mittlerweile ist das Programm in der Version 0.6.16 angekommen. Zur Programmierung der Skencil-Oberfläche wird Tcl/Tk benutzt. Dadurch wirkt das Programm ein wenig älter. Das versucht die Oberfläche auszugleichen, die mit neuen Symbolen für die Werkzeuge daherkommt.

Das eigentliche Programm entsteht in Python. Neben Python und Tcl/Tk benötigen Sie noch die Python Imaging Library (PIL). Download-Links für alle nötigen Programme und Bibliotheken finden Sie auf der Homepage von Skencil.

Die Entwickler arbeiten parallel zur hier vorgestellten stabilen Version an einem Port der Oberfläche hin zu Gtk 2. Allerdings hat dieser Port bei weitem noch nicht die Funktionalität der stabilen Version.

Skencil ist nach wie vor ein sehr stabiles Programm, Abstürze gab es während unserer Tests nicht. Jeder, der schon einmal mit einem Vektorzeichenprogramm gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden, da die Programmoberfläche und die Menüs sehr sorgfältig gestaltet sind (Abbildung 8).

Abbildung 8: Skencil wirkt mit seiner Tcl/Tk-Oberfläche ein wenig altbacken.

Skencil verfügt über alle notwendigen Primitive, Objekte können überblendet und mit verschiedenen Mustern und Verläufen gefüllt werden. Textobjekte können eine oder viele Zeilen umfassen, wobei jedes Textobjekt nur in einer Schriftart und -größe formatiert werden kann. Beim präzisen Zeichnen helfen Fadenkreuzcursor, Raster und Hilfslinien, die auf Wunsch magnetisch wirken und das Ausrichten von Objekten erleichtern.

Skencil liest und schreibt das Adobe Illustrator-Dateiformat, PDF und SVG, so dass der Austausch von Zeichnungen auch über Betriebssystemgrenzen hinweg problemlos funktioniert. Wer noch alte Zeichnungen im xfig-Format hat, kann diese mit Skencil weiterbearbeiten.

Das Programm hat gelegentlich Probleme mit Schriften. Selbst solche, die korrekt im System installiert sind, stellt Skencil nicht richtig dar oder meldet, es könne die Metriken nicht finden. Teilweise kommt es sogar vor, dass Schriften beim ersten Mal richtig dargestellt werden, um dann beim zweiten Öffnen des Dokuments nicht mehr zu erscheinen. Unter der Linux-Distribution Aurox 9.4 zeigte sich das Programm zeitweise mit einer fast unlesbaren Menübeschriftung (Abbildung 9).

Abbildung 9: Skencil hat zuweilen Probleme, Schriften korrekt darzustellen.

Skencil eignet sich sehr gut für das Zeichnen von Bauplänen, Kartonmodellen und anderen Zeichnungen, bei denen es auf Genauigkeit ankommt. Aufgrund der eingeschränkten Textverarbeitungsfunktionalität ist es für textlastige Arbeiten nicht geeignet. Die ausführliche Online-Hilfe erklärt das Arbeiten mit dem Programm.

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