Strich für Strich
Vektorzeichenprogramme
Inkscape
Wie Gestalter ist auch Inkscape [5] ist ein junges Projekt. Ziel der Entwickler ist ein Programm zum Zeichnen von Vektorgrafiken, das an Adobe Illustrator oder ähnliche Programme heranreicht. Die Autoren bekennen sich freimütig dazu, Ideen und auch Quellcode anderer Projekte – insbesondere Kontour und Sodipodi – verwendet zu haben. Einige Dialoge sind denn auch unverändert aus Sodipodi übernommen.
Die Installation von Inkscape ist ähnlich aufwendig wie die von Gestalter. Inkscape benötigt die Bibliotheken gtkmm in einer Version ab 2 und libsigc++ ab Version 1.2. Sind diese Bibliotheken installiert, klappt die Einrichtung des Programms problemlos und nach dem Start erfreut ein aufgeräumt wirkendes Hauptprogrammfenster das Auge des Betrachters (Abbildung 2).
Inkscape benutzt SVG als Format zum Speichern der Zeichnungen und liest eine ganze Reihe von Formaten, darunter Adobe Illustrator, Postscript und Skencil. Der Import aus Fremdformaten funktionierte sehr gut, die Grafiken ließen sich problemlos weiterbearbeiten. Inkscape speichert die Daten außer im eigenen Format noch als Postscript-, Adobe Illustrator- und komprimierte SVG-Datei.
Inkscape öffnet für jede Zeichnung ein eigenes Programmfenster komplett mit Werkzeugleisten und Menü. So sind die Werkzeuge stets erreichbar.
Alle wichtigen Zeichenwerkzeuge bringt Inkscape bereits mit. Neben den üblichen Primitiven hilft das Programm beim Konstruieren von Spiralen und Sternen, die beliebig viele Spitzen haben dürfen (Abbildung 3). Kalligraphische Linien, eigentlich eine Domäne von Bitmap-Grafikprogrammen, sind ebenfalls möglich.
Inkscape bringt eine Reihe von Hilfstexten und Tutorials mit, die in die Bedienung des Programms einführen und Tipps zur Bedienung enthalten. Diese Hilfetexte sind allesamt mit Inkscape erstellt worden, so dass sie nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Nachmachen und Experimentieren einladen (Abbildung 4).
Beim Arbeiten mit dem Programm stößt man immer wieder auf Baustellen. So gibt es bereits einen Dialog zum Festlegen des Rasters und auch die Option Einrasten, das Rasten selbst funktioniert in der Zeichnung allerdings noch nicht. Auch vergisst das Programm nach dem Beenden die zuvor eingestellten Maßeinheiten, so dass diese jedes Mal neu gewählt werden müssen.
Trotz seiner noch sehr kleinen Versionsnummer 0.39 ist Inkscape schon sehr stabil. Aufgrund des fehlenden Mausfangs sind präzise Zeichnungen noch nicht möglich, für Illustrationen und Schriftstücke wie Bedienungsanleitungen und Speisekarten ist das Programm aber schon sehr gut geeignet.
Karbon14
Karbon14 [6] ist Teil des Office-Paketes KOffice. Das Projekt ist weniger ambitioniert als die restlichen hier vorgestellten Programme; den Entwicklern geht es lediglich darum, ein einfaches Zeichenprogramm zu produzieren.
Karbon14 ist der Nachfolger von Kontour, das ursprünglich das Zeichenprogramm von KOffice sein sollte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger beschränkt sich Karbon14 auf die allerwichtigsten grafischen Grundformen. Die Bedienung des Programms ist einfach, alle Werkzeuge sind gut erreichbar (Abbildung 5).
Das Programm erlaubt das Zeichnen auf mehreren Ebenen, es gibt verschiedene Linientypen und -stärken, die wichtigsten Primitive stehen zur Verfügung. Als Besonderheit zeichnet Karbon14 Sinuskurven, Spiralen und Sterne, die allesamt genau wie andere Objekte mit Farben, Mustern oder Verläufen gefüllt werden können. Das Textwerkzeug erzeugt nur einzeiligen Text, der dafür aber auch mit Effekten versehen werden kann (Abbildung 6).
Karbon14 speichert Grafiken im eigenen Format, liest aber auch andere Formate wie SVG, Adobe Illustrator und WMF. So können Zeichnungen aus anderen Programmen weiterverwendet werden. Leider hat das Programm seine Mühe, SVG-Dateien zu lesen. Teilweise stürzt es einfach ab, manchmal dauert es einige Minuten, bis etwas auf dem Bildschirm zu sehen ist. Ein Handbuch oder eine Online-Hilfe gibt es nicht, das Programm ist allerdings weitgehend selbst erklärend.
Karbon14 gereicht seinem Anspruch, ein einfaches Programm für Illustrationen zu sein. Die Textbearbeitungsfunktionen könnten noch umfangreicher sein, damit etwa auch mehrzeiliger Text möglich ist.



