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Strich für Strich

Vektorzeichenprogramme

01.09.2004 Nach Jahren der Abstinenz gibt es mittlerweile einige Linux-Programme zum Zeichnen von Karten, Schaubildern und anderen Illustrationen. Wir haben uns sieben Programme angesehen, die angetreten sind, CorelDraw oder Designer vergessen zu machen.

Wer unter Linux Pixelgrafiken bearbeitet, benutzt dafür Gimp. Gimp eignet sich aber nicht für Grafiken, die in verschiedenen Vergrößerungen bearbeitet werden sollen. Vektorzeichenprogramme helfen hier weiter. Mit Ihnen lassen sich Zeichnungen erstellen, die aus einzelnen Objekten zusammengesetzt sind und sich beliebig vergrößern, verkleinern, dehnen und strecken lassen – ohne an Qualität zu verlieren.

Von den hier vorgestellten Programmen hat bis auf OpenOffice Draw und xfig keines die Version 1.0 erreicht oder überschritten. Sie müssen also beim Arbeiten mit diesem Programmen mit Ecken und Kanten rechnen und dürfen nicht davon ausgehen, dass alles so funktioniert, wie es sollte.

Alle hier vorgestellten Programme sind kostenlos; das ist auch schon fast ihre einzige Gemeinsamkeit.

Pixel- und Vektorgrafiken

Der Unterschied zwischen Vektorgrafikprogrammen und Mal- oder Bildbearbeitungsprogrammen liegt in der Art und Weise, wie sie die erstellten Grafiken speichern: Vektorgrafikprogramme legen die gezeichneten Objekte als mathematische Beschreibung von Formen ab, die wenig Platten- und Arbeitsspeicher braucht. So müssen sie sich für einen Kreis beispielsweise nur Radius und Mittelpunkt merken. Wegen dieser genauen Beschreibung können Vektorgrafiken beliebig vergrößert oder verkleinert werden, ohne dass sich die Qualität verschlechtert.

Bildbearbeitungsprogramme wie Gimp speichern jeden einzelnen Bildpunkt mit allen seinen Eigenschaften. Das braucht entsprechend viel Speicher und die Bilder verlieren bei Änderungen meist an Qualität.

Vektorzeichenprogramme eignen sich besonders für Grafiken wie Karten, Pläne, Bauzeichnungen oder auch Speisekarten und Bauanleitungen.

Der Versuchsaufbau

Die Kandidaten mussten folgenden Testablauf über sich ergehen lassen: Wir prüften zunächst die Installation der Programme unter Fedora Core 1, Mandrake 10 und Knoppix 3.4. Im Zeichentest durften die Programme zeigen, * wie man grafische Objekte konstruiert, * wie sie gefüllt und manipuliert werden, * ob es möglich ist, sie zu Gruppen zusammenzufassen und * wie man die Reihenfolge von Objekten ändert. Wichtig war uns auch herauszufinden, wie genau man mit den Programmen zeichnen kann und welche Konstruktionshilfen sie mitbringen. Für Plakate oder Speisekarten ist etwa ein gutes Texthandling nötig. Also schauten wir uns die Programme daraufhin an, wie sie mit Text umgehen. Wichtig ist der Datenaustausch der Programme untereinander und mit kommerziellen Produkten aus der Windows- und Macintosh-Welt. Hier scheint sich nach und nach SVG als ein universelles Format durchzusetzen; allerdings gibt es noch Probleme, weil kaum ein Programm den SVG-Standard voll unterstützt. Das beste Programm nützt nichts ohne eine anständige Dokumentation, daher untersuchten wir auch Online-Hilfe und Handbücher auf ihre Brauchbarkeit. Am Ende des Artikels finden Sie eine Tabelle, in der die wichtigsten Eigenschaften der Programme noch einmal zusammengefasst sind.

Gestalter

Gestalter [1] ist ein sehr junges Programm. Es basiert auf Gtk, wird allerdings in C++ programmiert und benötigt deshalb die Bibliothek gtkmm [2] und gnomemm [3], die ihrerseits die Bibliothek libsig++ [4] zum Funktionieren brauchen. Beachten Sie bitte, dass Sie die Version 1.0 von gtkmm erwischen, denn Gestalter basiert noch auf Gtk 1.2. Für alle diejenigen Benutzer, die nicht Debian "Woody" oder eine davon abgeleitete Distribution benutzen, ist die Installation mit einigen Schwierigkeiten verbunden, ließ sich doch gtkmm in der neuesten Version weder unter Fedora Core 1 und Core 2 noch unter einem aktuellen Mandrake übersetzen. Mit der schon leicht angestaubten Version 1.2.5 von gtkmm zusammen mit gnomemm 1.2.3 gelang die Übersetzung von Gestalter dann schließlich.

Nach der Übersetzung und Installation präsentiert sich Gestalter mit einer sehr übersichtlichen Programmoberfläche (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gestalter steht noch am Anfang der Entwicklung.

Die Werkzeuge zum Zeichnen von Linien, Rechtecken und Ellipsen sind vorhanden und funktionieren, ebenso das Einfügen von einfachen Textobjekten, wobei das Programm beim Bearbeiten des Textes des Öfteren abstürzte. Probleme hat Gestalter auch mit dem eigenen Dateiformat. Die Zeichnungen werden korrekt im SVG-Format gespeichert, beim erneuten Öffnen gelingt es Gestalter allerdings oft nicht, die Zeichnung richtig wieder aufzubauen. Eine Dokumentation fehlt.

Gestalter ist zur Zeit mehr eine Designstudie als ein brauchbares Zeichenprogramm. Die übersichtliche, einfache Bedienung und die hohe Geschwindigkeit auch auf älteren Rechnern lassen aber hoffen, dass hier ein Programm für einfache Zeichenaufgaben entsteht.

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