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Drucken schwer gemacht

Usability bei der Druckerkonfiguration

01.09.2004
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Eigentlich sollte Drucken für den durchschnittlichen Computerbenutzer eine lösbare Aufgabe sein. Unter Linux ist es aber oft nicht so einfach, den Drucker in Betrieb zu nehmen. Wir haben vier Distributionen genauer angeschaut.

Wer beim Einrichten eines neuen Druckers mit den Systemeinstellungen zu kämpfen hat, befindet sich in bester Gesellschaft: Auch der bekannte Open-Source-Essayist Eric S. Raymond hatte sein liebes Leid damit, sich mit einem freigegebenen Drucker zu verbinden - und schrieb prompt zwei Artikel darüber [1, 2]. Seine Quintessenz "Das ist ein Paradebeispiel dafür, warum technisch wenig versierte Leute schreiend vor Unix davonlaufen" [3] sorgte in der Open Source Welt erwartungsgemäß für großen Aufruhr.

Um seiner Aussage auf den Grund zu gehen, schauten wir uns die Möglichkeiten der Druckereinrichtung unter Linux etwas genauer an. Unter vier verschiedenen aktuellen Distributionen haben wir einen gängigen Drucker (Hewlett Packard OfficeJet K60) an den Parallelport sowie den USB Port angeschlossen und ihn für das Netzwerk freigegeben. Ein anderer Rechner im Netz sollte dann auf diesem Gerät ausdrucken. Die Leitfrage dabei: Ist es auch dem "normalen" Nutzer möglich, all dies ohne spezielle Fachkenntnisse einzurichten?

Getestet haben wir Fedora Core 2 (mit Gnome 2.6, deutsch), SuSE 9.1 und Mandrake 10.0 (beide mit KDE 3.2.1, deutsch), sowie Xandros Desktop 2.0.1 (Open Circulation Version, mit KDE 3.1.4, englisch).

Vorab: Wo steckt die Konfiguration?

Fedora Core 2 hat nicht wie andere Distributionen ein allumfassendes Administrationswerkzeug, sondern separate Tools – das zur Druckerverwaltung findet sich leicht zugänglich unter dem Menüpunkt SystemeinstellungenDruckereinrichtung.

Unter Xandros geht die Benutzerin wie für alle Administrationsaufgaben in das Xandros Kontrollzentrum - ein erweitertes KDE-Kontrollzentrum. Xandros splittet damit seine Administrationsaufgaben nicht wie andere KDE-basierte Oberflächen in einen KDE-spezifischen Teil und ein distributionseigenes Verwaltungstool.

SuSe 9.1 und Mandrake 10.0 dagegen halten an dieser Aufteilung fest und bieten zum einen die Druckerverwaltung im KDE Kontrollzentrum und zum anderen Yast (SuSE) bzw. Drakconf (Mandrake). Diese doppelte Möglichkeit zur Druckereinrichtung mag für manchen verwirrend sein - fragt man sich doch, welche nun die "richtige" ist.

root oder nicht?

Traditionsgemäß braucht der Benutzer unter Linux für alle Administrationsaufgaben root-Rechte. Doch stellt sich die Frage: Ist das bei einer Drucker-Installation wirklich notwendig? Natürlich sollten in einem grösseren Netzwerk nur die Admins über den Zugang zu bestimmten Druckern entscheiden - die Frage ist daher, was die Distribution "out of the box" bietet: Einen nutzungsfreundlichen Zugang zur Druckereinrichtung, den Admins bei Bedarf einschränken – oder umgekehrt den exklusiven Zugriff für root, den der normale Nutzer nur umständlich verwenden kann?

Xandros wagt den Schritt und fragt als einzige der getesteten Distributionen nicht nach dem root-Passwort, und erlaubt somit auch der normalen Benutzerin, einen Drucker einzurichten.

Auch das KDE-Kontrollzentrum unter Suse und Mandrake erweckt den Eindruck, als könne hier jeder Benutzer einen Drucker hinzufügen: Klickt er auf "Drucker oder Klasse hinzufügen" öffnet sich der Kaddprinterwizard, also der KDEPrint-Assistent für die Druckereinrichtung. Dort kann er ohne Einschränkung Einstellungen vornehmen, bis er schließlich am Ende des Wizards angelangt ist. Drückt er nämlich den Knopf "Abschließen" erscheint ein Autorisierungsdialog mit eingetragenem Benutzernamen, in den er das Passwort eintippen soll. Macht er das, erhält er die Fehlermeldung: "Authentication failed. Möchten Sie es nochmal versuchen?". Aber auch bei erneuter Eingabe des eigentlich richtigen Passwortes landet der Nutzer bei dieser Meldung.

Des Rätsels Lösung: Statt des Passworts des Benutzers will das Programm eigentlich an dieser Stelle das des Administrators wissen - ein kleiner Fehler, der graue Haare beschert. Auch wenn Mandrake und SuSE unter KDE zunächst den gegenteiligen Eindruck erwecken: Als einfacher Benutzer den Drucker einzurichten funktioniert von allen getesteten Distributionen nur bei Xandros.

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