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Von der Hand in den Computer

Palmtops mit dem Computer synchronisieren

01.09.2004 Wer auf der Höhe der Zeit ist, notiert Termine und Telefonnummern im PDA. Besitzer eines solchen Taschencomputers mit PalmOS übertragen ihre Daten mit grafischen Programmen leicht auf den Linux-PC.

PalmOS basierte PDAs (Personal Digital Assistents) erfreuen sich großer Beliebtheit. Ein bis zwei Jahre alte Geräte sind günstig zu kriegen und entsprechend weit verbreitet. Hat man auf dem Palm Adressen und Termine gesammelt, stellt sich die Frage, wie man sie auf den PC bekommt. Für Windows bringt der Palm eine Software zur Synchronisation schon mit. Für Linux existiert freie Software, die diese Aufgabe übernimmt. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Lösungen, die den Rahmen des Artikels sprengen würde. Er beschränkt sich deshalb auf die Programme KPilot [1],Gnome-Pilot [2] und J-Pilot [3].

KPilot fügt sich, wie es der Name vermuten lässt, in KDE ein. Gnome-Pilot synchronisiert Palm und Gnome-basierten Anwendungen, und J-Pilot ist eine Applikation, die sich am Look and Feel der offiziellen Palm-Windows-Software orientiert.

Kommandozeile als Basis

Alle drei Programme benutzen die unter [4] zu findende Toolsammlung pilot-link und haben daher einen vergleichbaren Funktionsumfang. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in ihren Möglichkeiten, die synchronisierten Daten auch an andere Applikationen wie KOrganizer [5] oder Ximians Evolution [6] weiterzugeben. Der Artikel geht deshalb zuerst kurz auf Pilot-Link ein, bevor er erklärt, wie man unter KDE, Gnome oder mit J-Pilot Palm und PC in Einklang bringt.

Softwarebeschaffung

Normalerweise sollten alle aktuellen Distributionen Binärpakete der hier erwähnten Programme mitbringen. Wer dennoch die Handarbeit vorzieht, findet die Quellen von Pilot-Link unter [4] und die von J-Pilot auf [3]. GPilot [2] setzt viele Gnome-Entwicklungspakete voraus, was die manuelle Übersetzung etwas schwieriger macht. Das gleiche gilt für KPilot [1], das Teil des kdepim-Pakets ist, das auch den KOrganizer [6] enthält. Unter Suse heißt das GPilot-Paket gnome-pilot. Evolution gibt es im Quellcode, wie auch als Binärvariante unter [5]. Besser ist es in jedem Fall, ein Paket zu verwenden, das speziell für die eigene Distribution kompiliert wurde.

Pilot-Link ist eine Sammlung von Shell-Programmen, die Linux-PC Palm miteinander sprechen lässt, egal ob über die serielle Schnittstelle [7], Infrarot [8] oder USB [9]. Da es neben Coldsync [10] die meistbenutzte Applikation dieser Art ist, dürfte es wohl in den meisten Linux-Distribution enthalten sein. Da die hier besprochenen Programme ausschließlich auf Pilot-Link basieren, wird sich der Artikel auch darauf konzentrieren. Außerdem unterstützt die aktuelle stabile Version von Coldsync laut keine PalmOS5-Geräte. Eine Liste der von Pilot-Link unterstützten Handhelds findet sich unter [11].

Wenn Sie ihren Palm mit dem PC verbunden haben und die entsprechende Gerätedatei /dev/pilot existiert (siehe Kasten "Palm mit dem PC verbinden"), kann es losgehen. Es ist ratsam, zuerst eine Sicherungskopie des Datenbestandes anzulegen. Dafür verwenden Sie das erste Tool des Pilot-Link-Paketes. Zuvor sollten Sie noch die Bitrate der Übertragung etwas höher setzen, denn standardmäßig verwendet Pilot-Link den sicheren, aber langsamen Modus mit 9600 Baud. Laut der entsprechenden Manual-Seite (man pilot-link) lässt sich dieser Wert durch Setzen der Umgebungsvariable PILOTRATE ändern. Wenn Sie eine Bash-Shell verwenden, geben Sie dafür export PILOTRATE=115200 ein. Verwenden Sie hingegen eine tcshell, hilft setenv PILOTRATE 115200 weiter. Das beschleunigt den Datentransfer zwischen PC und Palm deutlich: Der Abgleich eines Backups von 2,4 MByte Daten dauert bei 9600 Baud fast 45 Minuten, bei 115200 Baud dagegen nur noch knapp fünf Minuten. Haben Sie mit mkdir ~/.meine_palm_sicherung ein Sicherungsverzeichnis auf dem PC angelegt, starten Sie das Backup mit pilot-xfer -b ~/.meine_palm_sicherung/. Das Programm wartet dann darauf, dass Sie entweder den Sync-Knopf an der Cradle betätigen, oder aber die Synchronisation über die entsprende Palm-Applikation auslösen. Wollen Sie irgendwann das soeben erzeugte Backup auf den Palm zurückspielen, geht das mit pilot-xfer -r ~/.meine_palm_sicherung/. Einige weitere interessante Parameter von pilot-xfer führt Tabelle 1 auf, eine vollständige Liste zeigt man pilot-xfer. Die Manpage listet außerdem weitere kleine Programme, die das Paket mitbringt.

Tabelle 1: pilot-xfer: wichtige Parameter

Parameter

Bedeutung

-p Device-File Spezifiziert den zu verwendenden Device-File (Standard: /dev/pilot)
-b Verzeichnis Sorgt dafür, dass ein Backup des Palms in dem angegebenen Verzeichnis erzeugt wird
-u Verzeichnis Ersetzt alte Daten eines Backups (im Verzeichnis) durch neue vom Palm
-s Verzeichnis analog zu -u, nur, dass Daten, die auf dem Palm gelöscht wurden nun auch auf dem PC gelöscht werden
-r Verzeichnis Spielt ein Backup aus dem Verzeichnis auf den Palm zurück
-i Datei Installiert PalmOS-Dateien (Dateiendungen prc, pdb, pqa) auf den Palm

Der Klon: J-Pilot

Von den drei vorgestellten Programmen sieht J-Pilot der Windows-Applikation am ähnlichsten. Es ist nicht, wie der Name suggeriert, in Java geschrieben, sondern in der Programmiersprache C, und benutzt das Gtk-Toolkit. Das J steht nämlich für den Vornamen des Entwicklers Judd Montgomery bzw. dessen Frau Jacki. Nach dem Start mit jpilot öffnet sich das Hauptfenster ( Abbildung 1).

Abbildung 1: Sieht fast aus wie das Original: J-Pilot.

Wie schon erwähnt, sollten Sie vor dem Synchronisieren die maximal mögliche Übertragungsrate einstellen. Dazu benutzen Sie das Konfigurationstool unter DateiEinstellungen Die Felder für die Übertragungsparameter finden sich im Karteireiter Einstellungen, wo Sie auch das das Theme einstellen, das das Aussehen des J-Piloten bestimmt. Eine Übersicht der Einstellungen gibt das Handbuch unter [12]. Die Option DateBk Felder unterstützen ermöglicht, die erweiterten Felder der kostenpflichtigen DateBk-Software zu synchronisieren, die mehr Funktionen bietet als der normale Palm-Kalender [13].

Abbildung 2: Einstellungen in J-Pilot.

Haben Sie die Übertragungsparameter eingestellt, klicken Sie im Hauptfenster auf den Knopf Sync um den PC in Lauerstellung zu versetzen. Aktivieren Sie den HotSync auf dem Palm oder der Cradle, und der Datenabgleich beginnt. Sie können auch ein Backup anlegen, indem sie den entsprechenden Knopf im J-Pilot-Hauptfenster verwenden.

Ist die Synchronisation abgeschlossen, sollten die Palm-Daten auf dem PC liegen. Um auf die vier Datenklassen Termine, Kontakte, Aufgaben und Merkzettel zuzugreifen, genügt ein Klick auf das Icon im J-Pilot-Hauptfenster.

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LinuxUser 03/2012

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