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Faxloses Büro

Einbinden eines Fax-Pseudodruckers zum Versand über ein Internet/Fax-Gateway

01.09.2004 Obwohl alle Welt Faxgeräte zu besitzen scheint, kann sich der moderne Linux-Mensch dem ungebrochenen Trend zum Papier erfolgreich entziehen. Die Lösung liegt, wie so häufig, im Internet. Mit E-Mail hat sie aber nur beiläufig zutun.

Das ist Alltag pur: Brief aufsetzen, in Open Office layouten, ausdrucken, ins Fax legen, zurück ins Büro, um die Faxnummer zu suchen, wieder zum Faxgerät, Nummer eintippen und durchlaufen lassen. Wer diesen so genannten Medienbruch vermeiden und zudem Papier unf die Wartungskosten des Faxgerätes sparen will, spendiert seinem PC in der Regel ein Faxmodem. Richtig modern ist es aber nicht, ein analoges Telefonkabel neben DSL zu verlegen. Zudem muss der Rechner für den Faxempfang rund um die Uhr laufen. Für Notebook-Besitzer, die unterwegs sind, fällt dies Ansinnen sowieso meist flach.

Den elegantesten Ausweg aus der Misere weisen spezielle Internet-Gateways. Die Webhoster Strato [1] und 1&1 [2] bieten beispielsweise ihren Kunden solche Fax-Gateways. Andere Anbieter [3],[4] bieten den vergleichbaren Service auch separat. Der Mieter setzt einfach seine Faxe per E-Mail an den Server des Dienstleisters ab, der sich dann um die Analogtelefon-seitige Sache kümmert.

Die Fax-Gateways funktionieren auch in umgekehrter Reihenfolge und nehmen übers Telefonnetz eingehende Faxe an. Jeder Benutzer bekommt dazu eine eigene Faxnummer zugewiesen. Das Gateway wandelt ein eintreffende Fax in eine Grafikdatei um und stellt sie per E-Mail dem rechtmäßigen Empfänger zu. Die entstehenden Kosten halten sich im Cent-Rahmen [1], außerdem gönnen manche Anbieter ihren Usern einige kostenfreie Nachrichten pro Monat.

Schöner faxen

Reine Ascii-Daten per Mail-Client übers Gateway zu versenden, ist ebenso einfach wie layouterisch unzeitgemäß. Das Ziel ist vielmehr, aus jeder KDE-Applikation, beispielsweise Open Office, schön gestaltete Faxe abzusetzen. Alle Gateways nehmen dazu auch Fax-kompatible TIFF-Dateien (Multipage-G3-TIFF) als Mail-Anhang entgegen, die der Client-PC zuvor erzeugt haben muss. Manche Gateways vermögen zwar mit anderen Formaten umzugehen, beispielsweise versteht [5] auch PDF-Dateien, doch TIFF ist der kleinste gemeinsame Nenner.

Die in Abbildung 1 skizzierte, recht universelle und zugleich einfach modifizierbare Webfax-Funktion bedient sich Ghostscript, um TIFFs zu erzeugen, die dann (halb-)automatisch per Mail zum Faxprovider laufen. Für Komfort sorgt eine KDE-Print-Integration als Pseudoprinter. So wird jeder Applikation mit Kprinter drucken kann ein Faxmöglichkeit zuteil. Ein Pseudodrucker ist vergleichbar mit den Optionen In Datei drucken und Als PDF versenden.

Abbildung 1: Struktur des hier vorgestellten Webfax-Systems.

Ghostscript im Zentrum

Im Kern des Skriptes leistet ein Ghostscript-Aufruf die Hauptarbeit:

gs -q -dNOPAUSE -dSAFER -dPARANOIDSAFER -dBATCH -sstdout=%stderr -sDEVICE=tiffg3 -sPAPERSIZE=$PAGE_SIZE -r$RESOLUTION -sOutputFile=$TIFF_FILENAME $PS_FILE

Die so erzeugte TIFF-Datei bekommt der E-Mail-Client übergeben. Dazwischen fragt Kdialog [6] nach der Zielfaxnummer, wie Abbildung 2 beweist. Die Wahl auf einen echten E-Mail-Client geht mit dem Wunsch einher, die gefaxten Dokumente und deren Versendedaten zu archivieren. Da sich die gezeigte Lösung bereits Kprinters bedient, liegt das KDE-Programm Kmail nahe. Generell kann jeder Client eingebunden werden, der einen Versand an eine spezifische Adresse inklusive Angabe eines Attachments per Kommandozeile beherrscht.

Abbildung 2: Kdialog fordert dem Benutzer die Zielfaxnummer ab.

Das Skript ruft Kmail auf folgende Weise auf:

kmail -caption FAX --composer --subject webfax --attach file:$TIFF_FILENAME "$FAX_NUMBER@$FAX_SERVER"

Geöffnet wird damit ein "fertiges" E-Mail-Fenster mit eingetragenener Adresse und der konvertierten TIFF-Datei als Attachment. Der auf gleiche Weise exemplarisch vorkonfigurierte E-Mail-Clients Mutt versendet die Nachricht sofort ohne Benutzereingriff. Kommandozeilen-Clients wie pine oder mail sieht das Shellskript auch vor.

In allen Fällen müssen die Konteneinstellungen des Gateway-Servers im E-Mail-Client bereits eingestellt sein. Der Gateway-Server verhält sich wie ein normaler E-Mail-Server. Das Setup benötigt darum neben den üblichen Einstellungen für POP3 und SMTP auch die Ziel-E-Mail-Adresse inklusive der realen Zielfaxnummer. Die Mailadresse folgt meist folgender Struktur:

<§§I>Faxnummer_mit_Vorwahl_ohne_Sonderzeichen<§§I>@fax.<§§I>Providername<§§I>.<§§I>TLD<§§I>

Für Strato-Kunden beispielweise lauten die Daten: * Servername für POP3-Posteingang und SMTP-Postausgang: mail.profimail.de

  • POP3-Kontoname ist der Name des Webmessaging-Zugangs, also beispielsweise mustermann@profimail.de
  • Fax als E-Mail an: Faxnummer@fax.profimail.de.

Die Daten für andere Anbieter sehen von Falls zu Fall ein bisschen anders aus, das Grundprinzip ist jedoch gleich. Mit Evolution als E-Mail-Client klappt das Ganze zurzeit nicht, da das programm keine Attachments per Kommandozeile akzeptiert (siehe Evolution-Bugzilla-Eintrag [7]).

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