Slackware auf der Scheckkarte
Die Live-Distribution Slax ist mittlerweile in Version 1.4.3 erschienen. Die Entwickler haben das Ziel, ein funktionsfähiges System mit einer kompletten Software-Ausstattung auf einem Scheckkarten-Rohling unterzubringen, das Iso-Image der aktuellen Version ist nur 178 MByte groß.
Slax basiert auf Slackware 9.1, erweitert um die aktuellen Versionen von KDE und KOffice. Nach dem Start und der sehr gut funktionierenden Hardware-Erkennung und dank DHCP automatischen Netzwerkeinrichung wählt der Benutzer, ob KDE 3.2.3 oder Fluxbox startet. Die Konfiguration von X erledigt Slax automatisch. Nach dem Start der grafischen Oberfläche erscheint ein sauber konfigurierter Desktop, der mit KOffice, KMail, KNode und Konqueror alle Programme für die tägliche Arbeit mitbringt. Für den Musikgenuss und das Brennen von CDs ist mit KSCD und K3b gesorgt.
Fluxbox ist ebenfalls fix und fertig konfiguriert, nur kann man dem Rat der Entwickler, Slax mit Fluxbox auf schwächeren Rechnern einzusetzen, nicht folgen: Es sind keine resourcensparenden Programme dabei, die auf solchen Maschinen schnell genug laufen. Das Programmmenü von Fluxbox enthält einige Einträge für die kein Programm installiert ist.
Wer gerne mit dem aktuellen KDE arbeitet oder es einfach einmal ausprobieren möchte, findet in Slax eine kompakte Live-Distribution, die alle Programme enthält um unterwegs oder an einem fremden Rechner zu arbeiten.
Voll integriert
Lycoris plant für die voraussichtlich am 16. August erscheinende Version Lycoris Desktop/LX 1.4 die Einführung der neuen Technik AI2. AI2 steht für "Advanced Application Integration Infrastructure" und ermöglicht die einfache Integration von Anwendungen in Lycoris.
Entwickler können Ihre Anwendungen ohne Änderungen des Quelltextes in das System integrieren. Diese Arbeit übernehmen einige Integrations-Skripte, die das Programm übersetzen und alle für den Programmaufruf nötigen Menüeinträge und Systemeinstellungen vornehmen.
Lizenz-Gebühren für die Nutzung von AI2 fallen für die Entwickler nicht an. Lycoris Desktop/LX 1.4 mit Unterstützung für AI2 wir voraussichtlich am 16. August 2004 erscheinen.
Gentoo-Derivat aus Polen
Navyn OS ist eine Desktop-orientierte Live-Distribution aus Polen, die auf Gentoo basiert. Sie lässt sich mit einem sehr gut gemachten grafischen Installationsprogramm dauerhaft auf der Festplatte installieren und mit der Paketverwaltung Portage aus Gentoo Linux um Programme erweitern. Das Iso-Image liegt gepackt und 362 MByte groß auf der Homepage und drei Spiegeln zum Herunterladen bereit.
Nach dem Programmstart und der sehr sicheren Hardware-Erkennung hat der Benutzer die Wahl zwischen einer automatischen Einrichtung des X.org-Servers oder der manuellen Eingabe der Monitordaten, dann startet X in ein gut konfiguriertes Fluxbox.
Die Software-Auswahl ist üppig: Als Textverarbeitung ist Abiword 2.0.6 dabei, mit Firefox und Opera sind gleich zwei moderne Browser an Bord. Für die Grafikbearbeitung steht Gimp 2 bereit und für den Ohren- und Augenschmaus gibt es XMMS und MPlayer. Zur Partitionierung der Festplatte vor der Installation greift Navyn OS auf Qtparted zurück, mit LinNeighborhood findet das System Anschluss an Windows-Netzwerke.
Navyn OS ist ein guter Ausgangspunkt für alle, die Gentoo einmal ausprobieren wollen und nicht erst lange ein System zusammen stellen und übersetzen möchten. Als Live-Distribution für die Reise eignet es sich aufgrund der umfangreichen Ausstattung gut.
Neues von Gentoo
Pünktlich erschien Version 2004.2 von Gentoo Linux. Zusätzlich zu zahlreichen Fehlerberichtigungen und Sicherheitsaktualsierungen enthält Gentoo Linux 2004.2 die Desktop-Umgebungen Gnome 2.6 und KDE 3.2.2. Außerdem haben die Entwickler die Kompatibilität zu Dell-Rechnern verbesert und das Handling von Wireless LAN Karten verbessert. Die PCMCIA-Unterstützung erfuhr eine gründliche Überarbeitung.
Als Paketsystem verwendet das aktuelle Release Portage 2.0.50-r9, das ebenfalls in einigen Punkten verbessert wurde. Der verwendete Kernel trägt die Versionsnummer 2.6.7.
Gentoo 2004.2 ist für x86-, AMD64-, HPPA-, SPARC-Architekturen erhältlich. Bei Erscheinen dieses LinuxUser sollten auch fertige Binärpakete auf den Download-Servern bereit liegen.
Ebenfalls neu ist Gentoo für MacOS. Bis jetzt ist es den Entwicklern noch nicht gelungen, den Compiler GCC für MacOS zu übersetzen. Gentoo für MacOS enthält im Augenblick nur eine Reihe von Programmen aus dem Portage-System.
Die Distribution lässt sich über ein grafisches Installationsprogramm einrichten. Anschließend werden die gewünschten Programme wie unter Gentoo gewohnt mittels emerge installiert.
Progeny wächst und gedeiht
Progeny 2.0, eine auf Debian basierende Distribution des Debian-Gründers Ian Murdock steht als erste Beta-Version zum Testen bereit.
Progeny Debian ist eine schlanke Distribution, die nur die allernotwendigsten Pakete enthält und mit "Komponenten" an die Bedürfnisse des Benutzers angepasst wird. Progeny nennt das "Componentized Linux". Zur Zeit gibt es Komponenten für Gnome 2.4, Kernel 2.4 und 2.6 sowie für XFree 4.2.
Zur Hardware-Erkennung greift Progeny Debian auf das selbst entwickelte Programm Discover zurück, als Installationsprogramm findet Anaconda von Red Hat Verwendung und um die Paketverwaltung kümmert sich Apt. So ist die Distribution um Pakete aus dem reichhaltigen Angebot von Debian Sarge erweiterbar. Für die Zukunft ist auch die Integration von Paketen aus Fedora geplant. Der Download in Form nur eines CD-Images ist von der Homepage möglich.
Windows-Programme auf dem Desktop
Xandros hat seine Desktop-Distribtion überarbeitet und bietet Version 2.5 jetzt mit integriertem Crossover-Office 3.0.1 an. So ist es möglich, viele Windows-Programme direkt auf dem Linux-Desktop auszuführen.
Xandros basiert auf Debian Sarge und ist in drei Varianten erhältlich. Die Standard-Version für 39 US-Dollar enthält allerdings kein Crossover-Office, dieses ist der Deluxe-Edition für 89 US-Dollar und der Business-Edition für 129 US-Dollar vorbehalten, die auch noch StarOffice enthalten. Alle Versionen werden mit einem Handbuch und 60 Tagen E-Mail-Support geliefert. Die Distribution lässt sich problemlos durch Programme aus dem Fundus von Debian erweitern.
Als Desktop verwendet Xandros 2.5 ein modifiziertes KDE 3.1.4, der Kernel werkelt in Version 2.4.24 und Mozilla ist in Version 1.6 dabei. Eine deutsche Übersetzung für Xandros Linux ist entgegen alter Pläne aus dem Frühjahr nicht mehr geplant. (Frank Wieduwilt/agr)