Entscheidungsdruck

Die richtigen Drucker für Linux-Nutzer – Ratschläge für den Druckerkauf

01.09.2004
Die Auswahl des richtigen Druckers hängt vor allem vom Einsatzzweck ab. Unter Linux jedoch auch davon, wieweit das Betriebssystem das jeweilige Modell unterstützt. Wir liefern Informationen und Entscheidungshilfen aus erster Hand.

In den Regalen der Elektronikmärkte steht eine Vielzahl von Druckern für verschiedenste Aufgaben zur Auswahl. Vom Billig-Tintenspritzer für weniger als 50 Euro bis hin zu High-End-Lasern und Großformatplottern für mehrere Tausender-Scheine ist alles zu haben. Aber welche Geräte sind für Linux geeignet?

Zunächst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, was und wieviel Sie drucken möchten. Diese Frage ist nämlich für den Druckerkauf eine der wichtigsten. Laserdrucker sind schnell und produzieren eine sehr gute Textqualität, sind hingegen für Fotos nicht besonders gut geeignet. Auch sind sie – speziell als Farbgeräte – relativ teuer. Andererseits sind die Kosten pro Druckseite recht niedrig.

Tintenstrahl-Drucker sind wesentlich günstiger zu bekommen und drucken zum Teil Fotos in Qualität wie aus dem Fotolabor. Sie sind allerdings bedeutend langsamer als Laserdrucker und auch die Kosten pro Druckseite sind wesentlich höher, vor allem beim Farbdruck.

Wer viel Text und gelegentlich hochauflösende Fotos drucken möchte, ist eventuell sogar mit zwei Druckern, einem monochrom Laser und einem Farb-Tintendrucker am besten bedient. Die hohen Unterhaltskosten von Tintenstrahlern wirken sich dann weniger stark aus.

Sind diese Fragen geklärt, gilt es ein von Linux vollumfänglich unterstütztes Modell zu finden. Ob ein Modell von Linux unterstützt ist, hängt in erster Linie von der Druckersprache ab (siehe Kasten 1). Entspricht diese einem öffentlichen Standard, bietet meistens eines der freien Projekte oder der Hersteller selbst einen Treiber zum Drucker. Handelt es sich um eine herstellerspezifische Sprache, ist der Linux-Nutzer vom Willen des Herstellers oder dem Erfolg eines Reverse-Engeneering-Versuchs abhängig.

Kasten 1: Postscript und PCL

Verschiedene Druckermodelle sprechen verschiedene Sprachen. Die verbreitetsten unter ihnen sind Postscript und PCL-3, -4, -5e und -6. Bei Postscript-Geräten unterstützt Linux in der Regel den vollen Funktionsumfang des Druckers. Einzige Voraussetzung hierzu ist, dass der Hersteller die Kommandos zur Feature-Anwahl nicht in einer Windows-Treiber-DLL versteckt, sondern sie standardkonform in einer textbasierten PPD-Datei (Postscript Printer Description) [1] verfügbar macht.

Diese PPD-Datei enthält für jede Gerätefunktion wie etwa Duplex-Druck, Fach-Anwahl oder sogar Heften und Lochen den als Postscript-oder Printer-Job-Language-Befehl verschlüsselten Code. Das entsprechende Druckprogramm bettet diesen Code in die zu druckenden Daten ein, um die entsprechende Funktion auszulösen, sobald das Drucksystem die Daten verarbeitet. Bevor sich das Common Unix Printing System (CUPS) als Standard unter Linux durchsetzte, blieben die PPDs oft ungenutzt.

Da Postscript-Drucker aber meist etwas teurer sind, verwenden heute viele Hersteller eine standartisierte PCL-Sprache oder eine eigene, herstellerspezifische Sprache. Bei allen Sprachen außer Postscript wandelt zunächst ein so genannter Druckerfilter die zu druckenden Daten nach Postcript um. Danach konvertiert das Drucksystem mit Hilfe der PPD-Datei die Postscript-Daten in das druckerspezifische Format und erweitert diese zum Beispiel um Duplexdruck- oder Papierfach-Informationen. Für diese Aufgaben benutzt Linux das Programm Ghostscript.

Auch Drucker, die nur eine PCL-Sprache verstehen, drucken unter Linux im Allgemeinen widerstandslos. Probleme gibt es höchstens bei speziellen Funktionen, zum Beispiel bei der Papierfachauswahl, dem Tonersparmodus oder der Kantenglättung. Hier sind druckerspezifische Kommandos nötig, die nicht in allen Linux-Treibern verfügbar sind.

Viele preisgünstige, aber auch einige teurere Drucker verwenden proprietäre Sprachen oder Protokolle, die die Hersteller in der Regel streng geheim halten. Wenn solche Hersteller keine Treiber liefern, bleiben deren Drucker unter Linux unbrauchbar, da Ghostscript nicht weiss, in welches Format es die Postscript-Daten umwandeln soll. In diesem Fall kann der Linux Nutzer nur hoffen, dass sich irgendein unabhängiger Entwickler die Ausgabe des Windows-Treibers vornimmt und damit das Protokoll errät. Auch dann bleibt hingegen die Qualität der Ausgabe oft hinter der unter Windows erreichbaren zurück.

Dieser Artikel gibt Empfehlungen zu einigen Modellen der verschiedenen Druckertypen und Preisklassen. Eine der besten Informationsquellen für den Linux-Druckerkauf ist die Support-Datenbank von Linuxprinting.org [3]. In dieser Datenbank sind alle Drucker aufgelistet, zu denen bekannt ist, ob und wie gut sie unter Linux laufen. Ist ein Druckermodell hier nicht zu finden, lohnt es sich manchmal noch beim Hersteller nachzufragen. Kennt weder der Hersteller noch die Linuxprinting-Homepage einen Linux-Treiber, sollten Sie von einem Kauf absehen. Haben Sie den Drucker schon gekauft, nützt vielleicht noch die Suche über eine Internet-Suchmaschine.

Farbtintendrucker

Bei den Tintenstrahl-Geräten unterstützt Linux in erster Linie die Geräte von zwei Herstellern: Epson und HP. Vor allem die Epson-Stylus-Drucker sind eine sehr gute Wahl. Epson macht schon seit einiger Zeit die Information über Protokolle den Entwicklern von Gimp-Print [4] zugänglich, so dass Gimp-Print neue Epson-Modelle oft schon kurz nach dem Erscheinen optimal unterstützt.

Gimp-Print ist freie Software und Bestandteil jeder herkömmlichen Linux-Distribution. Seine umfangreichen Justiermöglichkeiten lassen dem Anwender viel Auswahl: vom guten Kompromiss zwischen Qualität und Geschwindigkeit bis hin zu fotorealistischer Farbwiedergabe. Damit sind die Epson-Drucker unter Linux insbesondere für den ambitionierten Hobbyfotografen interessant.

Die meisten Nicht-Postscript-Drucker von HP treibt HPs eigener freier Treiber HPIJS [5] an. Dieser unterstützt alle wichtigen Funktionen der HP-Geräte, wie Duplexdruck, Auswahl der Papierzufuhr und Sechstintendruck. Insbesondere die neueren Modelle überzeugen durch eine gute Foto- und Textqualität. Jedoch bietet der Treiber keine Möglichkeiten zur Feinjustage.

Haben Sie vor, nur sehr selten zu drucken, sollten Sie beachten, dass die in den HP-Druckpatronen integrierten Einwegdruckköpfe gerne mal eintrocknen. Das Problem lässt sich mit etwas fließendem heißen Wasser in den meisten Fällen beheben. Epson-Drucker haben permanente Piezo-Druckköpfe; die Patronen sind einfach nur Tintenbehälter. Für Epson-Drucker gibt es darüberhinaus auch spezielle Archivtinten, Graustufentinten und Continuous-Ink-Systeme. Bei letzterem bezieht der Drucker die Tinte nicht von den internen Druckerpatronen, sondern von externen Behältern. Damit lassen sich die Druckkosten senken.

Lexmark und Canon oft nur per Reverse Engineering

Bei Druckern anderer Marken gibt es oft zusätzliche Probleme. So gibt es zum Beispiel für viele Canon Drucker einen proprietären Treibern von Canon Japan [6]. Der ist aber schwer zu finden, da es die entsprechende Homepage nur auf Japanisch gibt und viele Canon-Modelle zudem in Japan einen anderen Namen haben als in Europa. Hier hilft oft nur: RPMs runterladen und ausprobieren. Klappt dies nicht bleibt oft nur die Möglichkeit mit dem kostenpflichtigen Turboprint [7].

Lexmark hat bereits vor mehreren Jahren erstmals proprietäre Treiber für einige Haus-Modelle herausgebracht. Die meisten dieser Treiber funktionieren jedoch nur mit dem etwas veralteten LPD-Drucksystem. Neben dem weiterhin mangelhaften Treiberangebot disqualifiziert sich Lexmark auch durch seine extrem hohen Tintenpreise.

Es bestehen auch einige freie Treiberprojekte für Lexmark und Canon, sie bieten aber in den meisten Fällen nur eine eingeschränkte Funktionalität, da deren Entwickler mühseliges Reverse-Engineering betreiben müssen. Hier lohnt sich ein Blick in der Treiberdatenbank auf Linuxprinting.org auf alle Fälle [9].

Abbildung 1: Linuxprinting.org ist die ideale Anlaufstelle, wenn es beim Drucken unter Linux Probleme geben sollte.

Kostet wenig und läuft doch

Im Low-Cost-Bereich ist generell Vorsicht beim Druckerkauf geboten. Hier tummeln sich viele nicht oder schlecht unterstützte Geräte sowie Modelle mit sehr hohen Kosten bei den Verbrauchsmaterialien. Es gibt jedoch auch ein paar Ausnahmen.

Die Einstiegsmodelle von Epson sind der C42, der C44 und der C64. Gimp-Print unterstützt alle drei Drucker in der neuesten Version 4.2.7 vollständig. Allerdings liegen die Tintenkosten für diese Geräte am oberen Ende der Skala. Vorsicht ist zur Zeit noch bei den Modellen C46 und C66 geboten. Sie unterstützt das aktuelle Gimp-Print (noch) nicht.

Die preisgünstigsten Drucker von HP sind die Deskjets 33xx, 34xx, 35xx und 36xx. Diese benutzen allerdings LIDIL als Druckersprache. LIDIL steht für Lightweight Imaging Device Interface Language . Da HPIJS dieses nicht vollständig unterstützt, sind solche Modelle nicht zu empfehlen. Preiswerte, voll unterstützte PCL-Drucker sind die Deskjet-Geräte der Serie 38xx und 5xxxx, in erster Linie der der Deskjet 5150.

Abbildung 2: Für unterwegs ist der DJ450 von HP eine gute Wahl, Linux-Unterstützung, gute Druckqualität, 6-Farben-Fotodruck, und das alles auch ohne Steckdose.

Solide Desktop-Drucker

Epsons beste Allround-Tintendrucker im Standard-A4-Format sind der Stylus C82 und C84 (Abbildung 3). Sie haben separat auswechselbare Tintenpatronen für alle vier Farben, sind sehr schnell und bieten eine hohe Text-und Fotoqualität. Außerdem verwenden sie die lichtbeständigeren Pigment-Tinten. Der C84 braucht allerdings die aktuelle Gimp-Print Version 4.2.7. In der Stylus Photo Linie unterstützen die neuesten Distributionen die Stylus Photo 830U, 950 und 925 Drucker (siehe Tabelle 1) . Mit der neuesten Version von Gimp-Print funktionieren die Modelle R200 und R300. Wer mit dem Kauf eines Epson Stylus Photo R800 liebäugelt, muss allerdings noch auf Gimp-Print in der Version 5.0 warten.

Tabelle 1: Gimp-Print in den akutellen Distributionen

Distribution Version
Debian Sarge 4.2.6
Mandrake 9.2 4.2.5
Mandrake 10 4.2.6
Fedora Core 2 4.2.6
Suse 9.0 4.2.5
Suse 9.1 4.2.6

Bei HPs A4-Druckern ist der Deskjet 5652 zu empfehlen. Die Papierkapazität des Tintenstrahlers lässt sich mit einem zweiten Papierfach auf 400 Blatt erweitern und dank Duplexeinheit braucht er für große Dokumente nur halb soviele Blätter. Für Fotos gibt es zudem eine optionale Fotopatrone mit sechs Tinten. Alle Funktionen bis auf randloses Drucken lassen sich mit HPIJS ansteuern. Unterstützung hierfür ist laut HP ebenfalls in Arbeit. Kabellos drucken mach der Deskjet 5850 möglich. Es besitzt die gleichen Eigenschaften wie der 5652, verfügt aber zusätzlich über eine Ethernet-Schnittstelle und einen WLAN-Anschluss.

Für unterwegs ist derzeit der HP Deskjet 450 die beste Wahl (Abbildung 2). Er bietet die gleiche Druckqualität wie seine großen Desktop-Brüder, inklusive Sechs-Tinten-Fotodruck, kommt dabei aber ohne Festnetz-Anschluss aus. Für größere Druckaufkommen empfiehlt sich die Serie der HP Business Inkjets. Sie sind schneller und haben größere Papier-und Tintenbehälter.

Bei fast allen aktuellen HP-Tintendruckern lässt sich die schwarze mit einer Fotopatrone (enthält dann Schwarz, Hellcyan und Hellmagenta) ersetzen. Dies gewährleistet optimale Qualität beim Fotodruck. Da das Farbmanagement vollständig druckerintern arbeitet, sind dazu keine Einstellungen an der Software nötig.

Abbildung 3: Der Epson C84 ist ein guter Allround-Tintenstrahler. Ab Gimp-Print in Version 4.2.7 ist auch die perfekte Linux-Unterstützung gewährleistet.

Fotodrucker

HPs Photosmart-Serie ist speziell für digitale Fotos ausgelegt. Fast alle dieser Modelle können auch ohne PC drucken, da sie einen integrierten Kartenleser für Medien wie Compact Flash oder Smart Media Karten besitzen. Die 100er-und 200er-Serie sind portable Modelle mit maximaler Papiergröße von 10x15 cm. Die 7000er-Serie druckt auf A4-Größe, wobei sich der Photosmart 7960 mit acht Farben (Schwarz, Mittel-, Hellgrau, Cyan, Magenta, Gelb, Hellcyan und Hellmagenta) vom Feld abhebt. Die Kartenleser spricht unter Linux der HP-eigene Multifunktionsgerätetreiber HPOJ [10] an. Bei den aktuellsten Modellen (14x, 24x, 72xx, 76xx, 77xx, 79xx) behandelt er es sogar als USBMass-Storage-Gerät.

Epson-Drucker lassen sich nicht von vier-auf sechsfarbigen Druck erweitern. Dem Fotodruck dient hier die Epson-Stylus-Photo-Serie. Die klassischen Sechs-Farbdrucker liefern exzellente Ausdrucke mit Gimp-Print. Die aktuellen Linux Distributionen sollten die Modelle 830U, 925 und 950 inklusive Kartenlesegerät problemlos unterstützen.

Multifunktionsgeräte

Viele Hersteller vereinen bereits Drucker, Scanner und manchmal auch andere Funktionen, wie zum Beispiel Speicherkartenleser oder Faxversand in einem Gehäuse. Der Faxversand über den PC ist leider unter Linux bei keinem dieser Geräte möglich. Drucken, Scannen und Speicherkartenzugriff funktioniert hingegen bei allen Epson und HP-Geräten bis auf den Epson Stylus Photo RX800. Für die Modelle RX500 und RX600 ist Gimp-Print in der Version 4.2.7 erforderlich. Epsons Geräte verhalten sich hier wie separate Drucker, Scanner und Kartenleser. Drucken erfolgt via Gimp-Print, Scannen über das epson-Backend von Sane [11] und der Speicherkartenzugriff via USB-Mass-Storage.

HP-Multifunktionsgeräte unterstützt unter Linux der Low-Level-Treiber HPOJ. Er stellt eine Schnittstelle zur Annahme von Druckjobs, einen eigenen Sane-Treiber für den Scanner, sowie Speicherkartenzugriff über die MTools [12] zur Verfügung. Als Drucker-Filter dient HPIJS. Die meisten HP-Modelle arbeiten unter Linux zuverlässig, die LIDIL -Drucker, die PSC 1xxx- und die Officejet 4xxx-Geräte sind allerdings nur mit Vorbehalt zu empfehlen, da sie ihre Funktionen unter Linux nicht voll ausnützen. So drucken die Geräte der PSC 1xxxx Serie zum Beispiel nur mit 600 dpi anstelle der möglichen 1200 dpi. Bei anderen Herstellern funktioniert manchmal nur das Drucken, manchmal gar nichts.

Hauptsache groß

Im A3-Bereich lohnt sich ein Blick auf die Vier-Tinten-Drucker Epson Stylus Color 1160, 1520 und 3000, sowie auf die Epson Stylus Photo 1290(S) und 2100, mit jeweils sechs Tinten. Im HP-Lager stehen der CP1700 und die Deskjet-93xx-Drucker für Vierfarbdruck zur Verfügung. Fotopatronen gibt es für die Deskjets 96xx von HP.

Wer's noch größer mag, ist mit einem Epson Stylus Pro Drucker gut bedient. Gimp-Print unterstütz sowohl die etwas betagteren A1-Drucker Stylus Pro 7000 und 7500, als auch die A0-Drucker Stylus Pro 9000 und 9500. Auch die aktuellen Modelle Stylus Pro 7600 (A1) und 9600 (A0) funktionieren mit den gängigen Linux-Distributionen problemlos. Für beste Farbresultate ist allerdings die Gimp-Print Version 4.2.7 zu empfehlen.

Bei HP und anderen Herstellern sollte man nur die teureren Versionen mit in der Hardware implementiertem Post-Script-Interpreter verwenden.

Monochrome Laserdrucker

Im Frühjahr haben OKI und Epson PPD-Dateien zu ihren Laserdruckern freigegeben. Sie gesellen sich damit zu HP, Kyocera und OCE, die diesen Schritt bereits vor einiger Zeit getan haben. Die meisten Laserdrucker funktionieren denn auch gut unter Linux, viele von ihnen verstehen PCL oder Postscript. Im unteren Preissegment gibt es jedoch einige Drucker, die nur proprietäre Protokolle verstehen. Einige von ihnen haben ein L wie Light am Ende ihres Namens; diese Typen haben oft noch einen großen Bruder, der PCL oder Postscript versteht. Hier sollten Sie sich vor dem Druckerkauf unbedingt erkundigen, ob es zum Gerät einen Linux-Treiber gibt.

Zum Glück existieren auch im untersten Preissegment einige PCL- oder Postscript-Drucker, zum Beispiel die HP Laserjets 1100 und 1200. Die Modelle LJ 1010, 1012 und 1015 stürzen aufgrund einer PCL-Inkompatibilität des öfteren ab. HP Laserjet 1000 und 1005 funktionieren zwar mit dem »foo2zjs«-Treiber [13], benötigen jedoch ein Firmware-Upload nach jedem Einschalten; daher ist von diesen Modellen besser Abstand zu nehmen. Auch für Laserdrucker gilt zudem oft: je günstiger der Preis, desto teurer der Unterhalt.

Abbildung 4: Der Officejet 7130 von HP gehört zu den Multifunktionsgeräten mit guter Linux-Unterstützung. Bei diesem Modell funktioniert sogar der Einzelblatteinzug des Scanners.

Farblaser

Kyoceras Lasergeräte verstehen mit Ausnahme der Multifunktionsgeräte meist Postscript oder zumindest PCL. Dazu sind sie mit einer permanenten Fototrommel versehen, das bedeutet niedrige Kosten pro Druckseite. Die Modelle Kyocera FS-1010 und FS-1020D sind beide Postscript-Drucker, der FS-1020D hat überdies eine Duplexeinheit.

In Sachen Laserdrucker zeigt Lexmark sich wesentlich freundlicher zu freier Software als bei Tintendruckern. In der Optra-Serie sprechen fast alle Modelle entweder PCL oder Postscript. Lexmark entwickelte einen eigenen Postscript-Interpreter, und damit verstehen schon preisgünstigere Optras Postscript. Auf Lexmarks Webseiten ist die Linux-Kompatibilität der Modelle aufgeführt; die Treiber stehen zum Download bereit. Als Einstiegsmodelle seien die PCL-5e (kompatibel zu HP LaserJet 4) E220 und E321 erwähnt.

Brother hat hauptsächlich PCL-und Postscript-Laser im Programm. Entsprechdende Linux-Treiber gibt es unter [14]. Sogar viele Drucker mit Brother-eigenem Protokoll funktionieren gut denn der Ghostscript-Filter »hl7x0« treibt sie zu guter Leistung. Getrennt wechselbare Toner und Bildtrommeln sorgen für niedrige Kosten. Preiswerte Modelle sind der HL-1430 und der HL-5130, beides PCL-5e-Drucker.

Epsons preisgünstigste Laser-Drucker sind die der EPL-L -Serie (zum Beispiel EPL-6200L). Diese verwenden allerdings ein proprietäres Protokoll. Epson liefert weder Linux-Treiber, noch veröffentlicht die Firma Informationen zu diesem Protokoll. Zwar existiert ein von Epson unabhängiges Projekt, das Treiber hierfür entwickelt [15], dennoch ist der Kauf dieser Drucker noch nicht zu empfehlen.

HP, der größte Anbieter von Lasern, offeriert eine umfassende Palette, sowohl von PCL- als auch Postscript-Printern. Hewlett-Packard bietet mit dem HP Color LaserJet 2550 einen preiswerten Farblaser, der zudem PCL6 und Postscript versteht. Für Postscript-Drucker gibt es zudem auf Linuxprinting.org auch PPD-Dateien von HP, die unter der freien MIT-Lizenz stehen [16]. Abzuraten ist hingegen von den Modellen HP Color Laserjet 1500 (Treiberentwicklung in den Anfängen [17]), HP LaserJet 3500 und Epson Aculaser 1000, da es für sie noch keine Linux-Treiber gibt.

Herstellerspezifische Vor-und Nachteile

Die Drucker aller Hersteller haben spezifische Vor-und Nachteile. In der gleichen Preisklasse bietet zum Beispiel Lexmark schnellere Drucker mit besserer Firmware an als dies HP tut. Bei HP sind Toner und Trommel in der Regel in einer gemeinsamen Einheit, was die Betriebskosten hochtreibt. Da bieten Kyocera mit seiner permanenten Trommel sowie Epson und Brother mit getrennt wechelbaren Verbrauchsmaterialien wirtschaftlichere Lösungen an. Andererseits wird HP die robustere Mechanik nachgesagt.

Die Minolta-Modelle Magicolor 2200 DL und 2300 DL verwenden zwar ein proprietäres Protokoll, laufen aber mit dem »foo2zjs«-Treiber gut. Im übrigen sollte man unbedingt auf in der Hardware (anstatt als Emulation) implementiertes PCL oder Postscript achten. Dies bieten beispielsweise Kyocera FS-8000C, HP Color Laserjet 2500, 3700 und 4600. Alternativ könnten auch vom Hersteller bereitgestellte freie Treiber ein Kaufkriterium sein, zum Beispiel für Epson Aculaser 1900, 2000, 4000, 8500 und 8600.[18]

Abbildung 5: Bei preiswerten Epson-Laserdruckern ist unter Linux oft Vorsicht angebracht. Beispielsweise wird dieser Epson EPL6200L nur ansatzweise unterstützt, da er ein proprietäres Protokoll verwendet.

Für Vieldrucker

Bei mehreren 100 Seiten täglich lohnt es sich, einen Arbeitsgruppendrucker mit mehreren Papierfächern, schnelleren Druckwerken, Netzwerkanschluss und anderen Erweiterungsmöglichkeiten anzuschaffen. In dieser Preiskategorie unterstützt eigentlich jeder Drucker PCL oder Post-Script, die meisten Drucker auch PJL. Deshalb gibt es so gut wie keine Probleme mit freier Software in diesem Segment. Erwähnt seien hier HP, Kyocera und OCE, die die PPD-Dateien ihrer Postscript-Modelle als freie Software unter MIT-Lizenz veröffentlichen [19]. Epson bietet lediglich für seine PCL-Laserdrucker (die EPL Serie ohne L am Ende der Typbezeichnung) freie Treiber. Auch Brother und Lexmark bieten hier Linux-Treiber zum Download an.

Abbildung 6: Für das etwas größere Druckaufkommen: Eine Digimaster der Heidelberger Druckmaschinene AG. Auch diese Ungetüme haben nichts dagegen, von einem Linux-Rechner angesteuert zu werden.

Für sehr großes Druckaufkommen, größere Abteilungen in Firmen oder Spezialaufgaben wie Lochen, Heften, oder Binden gibt es High-End-Laserdrucker mit Geschwindigkeiten von 100 Seiten pro Minute oder mehr. Die Papierfächer fassen typischerweise mehr als 2000 Blatt. Geräte solchen Kalibers weisen in der Regel einen eingebauten Postscript-Interpreter auf und laufen perfekt mit freier Software. Benutzt man zur Konfiguration des Druckers die vom Hersteller als Teil des Windows- respektive Mac-OS-Treibers mitgelieferte PPD-Datei, nutzt Linux die Funktionen des Druckers voll aus.

Glossar

Druckersprache

Sprache, die die Kommunikation zwischen der Hardware (Drucker) und der Software ermöglicht. Die Druckersprache regelt neben dem Seitenformat und der Auflösung zum Beispiel auch die Auswahl des Papierfachs oder den Tintensparmodus. Linux unterstützt Postscript in den meisten Fällen vollständig. Sehr gut werden auch die PCL-Sprachen unterstützt.

Gimp-Print

Drucksystem, das ursprünglich zum professionellen Drucken aus dem Bildbearbeitungsprogramm Gimp entwckelt wurde. Heute bietet Gimp-Print Treiber für die meisten Foto-Drucker an und kann auch über das CUPS Drucksystem ohne Gimp benutzt werden.

Infos

[1] Beschreibung des PPD-Formats: http://partners.adobe.com/asn/tech/ps/technotes.jsp

[2] Tutorial zu Foomatic: http://tinyurl.com/3gf2g

[3] Foomatic-Datenbank auf Linuxprinting.org: http://www.linuxprinting.org/database.html

[4] Projektseiten von Gimp-Print: http://gimp-print.sourceforge.net

[5] HPIJ-Treiberprojekt: http://hpinkjet.sourceforge.net

[6] Treiber für Canon-Tintenstrahler: http://cweb.canon.jp/drv-upd/bj/bjlinux220.html

[7] Turboprint, kommerzielle Treiber für Tintendrucker: http://www.turboprint.de

[8] Neue Lexmark-Treiber: http://support.lexmark.com/en/ldk/index.htm

[9] Treiberdatenbank: http://www.linuxprinting.org/driver_list.cgi

[10] HP-Treiber für Speicherkartenleser: http://hpoj.sourceforge.net

[11] Scanner-Projekt Sane: http://www.sane-project.org

[12] Die MTools: http://www.tux.org/pub/tux/knaff/mtools/index.html

[13] Foo2zjs: http://foo2zjs.rkkda.com

[14] Treiber von Brother: http://solutions.brother.com/linux/

[15] EPL-Treiberentwicklung: http://epsonepl.sourceforge.net

[16] PPDs für HP-Laser: http://www.linuxprinting.org/download/PPD/HP/

[17] Projekt für HP-Farblaser: http://foo2oak.rkkda.com

[18] Epson-Farblaser-Treiber: http://www.epkowa.co.jp/english/linux_e/dl_laser.html

[19] PPDs zum Download: http://www.linuxprinting.org/download/PPD/

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • USB-Scanner und -Drucker im Test
    Dank Kernel 2.4 sollten Probleme mit USB-Geräten eigentlich der Vergangenheit angehören. Bei Druckern stimmt diese Aussage auch weitgehend, bei USB-Scannern darf man jedoch nicht einfach wahllos zugreifen, wie unser kombinierter Test zeigt.
  • Unter Druck
    Um unter Linux Drucker einzurichten, hilft es, ein paar Dinge über das Druckertreiber-System und seine Wurzeln zu wissen.
  • Besser drucken mit Gutenprint 5.2.1
  • Der lange Weg der Druckdaten
    Welche Wege und Umwege nimmt eine Datei, bis ihr Inhalt farbig oder schwarz auf weiß zu Papier gelangt?
  • Kraftpaket
    Fotos selbst zu drucken, ist heute einfacher denn je – denkt man. Doch um die Fähigkeiten moderner Geräte auszuschöpfen, benötigt man auch unter Linux spezielle Software.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 3 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.