Linux light
Suse 9.1 von unnötigem Ballast befreien
Suse auf Diät
Dass Suses Arbeitsspeicherhunger nicht gerade klein ist, verdankt die Distribution u. a. der Tatsache, dass sie beim Booten automatisch eine Menge Dienste startet [6]. Einige davon (z. B. die Tastaturkonfiguration) sind für ein vernünftiges System unvermeidlich. Auf so manch anderen Dienst kann man jedoch getrost verzichten. Zum "Abspecken" kommt der Runlevel-Editor von YaST2 im Expertenmodus zum Einsatz (Abbildung 9), der dort unter System zu finden ist. Da man damit in Systeminterna eingreift, sollte man sich alle Änderungen peinlich genau merken, um sie im Zweifelsfall rückgängig machen zu können.
Die Benutzeroberfläche besteht im Expertenmodus im Wesentlichen aus einer Tabelle und einer Liste von Checkboxen. In der ersten Tabellenspalte steht der Name des betroffenen Dienstes, in der zweiten, ob er gerade läuft. Dann folgen Spalten, die besagen, in welchem Runlevel der Dienst automatisch gestartet wird, gefolgt von einer Kurzbeschreibung.
Wer ohnehin nur den Standard-Runlevel 5 verwendet, der dafür sorgt, dass am Ende des Bootprozesses das grafische Login erscheint bzw. ein Autologin durchgeführt wird, kann seine Änderungen auf das Entfernen von Kreuzchen in der Checkbox 5 beschränken. So braucht man bei einem per WLAN vernetzten Desktop-PC, an den kein Drucker angeschlossen ist, weder das Druck-Subsystem cups noch ISDN. Um die beiden Dienste am automatischen Starten zu hindern, wählt man sie nacheinander in der Liste aus und deaktiviert die Checkbox für Runlevel 5. Der positive Nebeneffekt: Abgeschaltete Netzwerkdienste sind der beste Schutz gegen Angreifer.
Booten wie zu alten Zeiten
Wem sein System beim Booten bereits zu bunt ist, kann zudem den Bootsplash-Schnickschnack abschalten, und zwar durch Setzen der Bootoption splash auf den Wert 0 in der Datei /boot/grub/menu.lst. Sie konfiguriert das Bootmenü, das der Bootloader Grub beim Starten des Computers anzeigt.
Änderungen nimmt man entweder im YaST-Modul Konfiguration des Bootloaders, welches ebenfalls unter System zu finden ist, durch Bearbeiten des Punktes Verfügbare Abschnitte vor – oder als root mit einem Texteditor: Man ersetzt in /boot/grub/menu.lst lediglich das Wort silent in der dritten Zeile aus Listing 1 durch 0 mit dem Ergebnis, dass splash=0 dasteht. Beim nächsten Reboot bekommt man nun statt eines farbigen Splash-Screens wieder die Boot-Meldungen auf schwarzem Hintergrund zu Gesicht.
Aufmerksame Beobachter dürften sich jetzt wundern, warum sich der Splash-Screen nicht durch Deaktivieren des Bootskripts splash im Runlevel-Editor ausschalten lässt. Ein klassisches Beispiel für ein Usability-Problem, das auch die mitgelieferte Dokumentation nicht erhellt.
Listing 1
(Ausschnitt)
###Don't change this comment - YaST2 identifier: Original name: linux###
title Linux
kernel (hd0,5)/boot/vmlinuz root=/dev/hda6 vga=0x317 splash=silent desktop resume=/dev/hda5 showopts
initrd (hd0,5)/boot/initrd
Der Autor
Hagen Höpfner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technische und Betriebliche Informationssysteme der Fakultät für Informatik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. In seiner Freizeit spielt der begeisterte Vater Gitarre in der Rockband "Gute Frage" (http://www.gutefrage.de/).
Glossar
Dateibaum
Sämtliche auf einem Linux-Rechner zugänglichen Dateien und Verzeichnisse lassen sich ausgehend von einem (auf der Root-Partition gelegenen) Wurzelverzeichnis / aus ansprechen. Zeichnet man die Wege von der Wurzel über alle Verzeichnisse bis hin zu jeder einzelnen Datei auf, so ergibt sich eine Struktur, die einem (umgekehrten) Baum ähnelt: Verzeichnisse mit mehreren Unterverzeichnissen bilden "Astgabeln", Dateien (und leere Verzeichnisse) die "Blätter". Jedes Linux-Dateisystem enthält für sich genommen eine solche Baumstruktur, die durch "Mounten" in den von / ausgehenden Systembaum eingefügt wird. Erst dann kann man auf die darauf liegenden Dateien zugreifen.
subfs/submount
Submount ist der Name einer Software, die Wechselmedien automatisch beim Zugriff auf den Mount-Point einhängt. Sie kümmert sich auch darum, dass nicht mehr benutzte Medien automatisch wieder ausgehängt werden. Damit das funktioniert, müssen der Linux-Kernel das "subfs"-Kernel-Modul geladen haben und der Daemon "submountd" im Hintergrund laufen.
Displaymanager
Ein Programm, das den X-Server (und damit die Möglichkeit der grafischen Oberfläche) am Laufen hält, ihn mit einem Bildschirm verknüpft und für einen grafischen Anmeldebildschirm sorgt.
Kernel-Modul
Das eigentliche Linux-Betriebssystem, der Kernel, enthält u. a. Funktionen, die den Zugriff auf die Hardware steuern. Abhängig von der jeweiligen Systemkonfiguration werden jedoch unterschiedliche Funktionen benötigt, zum Beispiel der Treiber für eine spezielle Soundkarte (und nicht alle Treiber für alle unterstützten Karten). Daher kapselt man die entsprechende Funktionalität in Module, die bei Bedarf nachgeladen werden, anstatt einen sehr großen, ballasthaltigen Kernel zu erstellen. Dann muss nur die Funktionalität im Speicher gehalten werden, die tatsächlich benötigt wird.
Dateisystem
Beschreibt, wie die Daten auf einem Datenträger (z. B. einer Festplattenpartition, einem USB-Stick, einer CD, DVD oder Diskette) organisiert sind.
Runlevel
Beschreiben die Betriebsmodi des Linux-Systems. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, welche Dienste beim Booten (oder beim Runlevel-Wechsel) gestartet werden.
Infos
[1] Suse-9.1-Rezension: Patricia Jung, "Die nächste Runde!", LinuxUser 07/2004, S. 56 f.
[2] Rechner gegen Angriffe absichern: Ralf Spenneberg, "Vorsorge ist besser…", LinuxUser 05/2004, S. 27 ff.
[3] Submount: http://submount.sourceforge.net/
[4] Automount-Mini-Howto: http://www.faqs.org/docs/Linux-mini/Automount.html
[5] Klassisch mounten statt subfs: http://portal.suse.com/sdb/de/2004/05/hmeyer_91_revert_from_subfs.html
[6] Linux-Boot-Prozess: Marc André Selig, "Wie Linux sich die Stiefel anzieht", LinuxUser 12/2002, S. 26 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/12/026-init/



