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Streaming Server mit Videolan

01.08.2004 Videolan schiebt von einem mulimedial aufgemotzen zentralen Linux-Rechner aus alle möglichen Formate ins lokale Netz. Auf den Clients muss nur noch ein Mediaplayer laufen.

Wenn Opa, Vater und Tochter unter einem Dach leben und ihre Freizeit verbringen und jeder einen eigenen Computer besitzt, wird es einerseits schnell eng auf der DSL-Leitung und andererseits braucht ein jeder PC eine komplette Hardwareausstattung: Opa hört den Deutschlandfunk über Internet, Papa schaut DVD und das Tochter des Hauses zappt mit einer TV-Karte durch die Kanäle.

Die optimale Lösung wäre ein zentraler Media Streaming Server im lokalen Netzwerk: Ein Rechner mit DVD-Laufwerk, TV-Karte und anderem Multimedia-Schnickschnack, der verschiedene Bild- und Tonquellen entgegen nimmt und sie allen Rechnern im LAN per Multicast oder HTTP-Stream verfügbar macht. Auf den Client-Rechnern braucht nur ein Mediaplayer laufen, der die URL des Streaming Server verabreicht bekommt. Genau das macht das hier vorgestellte Projekt Videolan.

Die für diese Aufgabe früher üblicherweise eingesetzten Windows Media Services 2003 oder die Real-10-Plattform werden damit weitgehend überflüssig. Videolan ist natürlich nicht nur für Generationen übergreifende Kleinfamilien geeignet: In Studentenwohnheimen, für Multimedia-Messeauftritte mit vielen Bildschirmen, in Schulungsfirmen und andernorts kann das Programm seine Dienste anbieten.

Französisches Doppel

Videolan [1] ist das Projekt mehrerer Studenten der École Centrale Paris [2] und inzwischen vieler Entwickler in der ganzen Welt. Es steht unter der General Public License. Videolan teilt sich aus evolutionären Gründen in zwei Projekte: Der Videolan Server VLS ist ein reiner, ziemlich highendiger Streaming Server für zuverlässige Bild- und Tonquellen in Formaten, wie sie professionelle Software oder DVDs und DVB-Kanäle produzieren. Es kann mehrere Quellen gleichzeitig lesen. VLS läuft nur unter Linux und Windows.

VLC dagegen, der Videolan Client, ist entwicklungsgeschichtlich ein Programm zum Empfangen, Dekodieren und Anzeigen von MPEG-Streams. Die aktuelle Formateliste unter [3] ist beeindruckend, denn das Programm kennt neben den Codecs MPEG-1, 2 und 4 auch DivX und Cinepak sowie die Containerformate AVI, Ogg, MOV, MP4, ASF, WMA, WAV und einige andere. Als Medien eignen sich neben Dateien Audio-CDs, DVDs, VCDs, DTS Audio CD, DVB-S/C/T sowie UDP, RTP, HTTP, FTP und MMS. Einzig die Real-Formate fehlen in der Liste.

VLC arbeitet wahlweise unter Linux, Windows, MacOS X, BeOS, vielen BSD-Abkömmlingen, Solaris, QNX, und mehrere Embedded Linux Varianten, zum Beispiel dem Yopy und Sharps Zaurus. Basis beim Bedienen ist ein Kommandozeilen-Tool. Darauf setzen mehrere Frontends aus unterschiedlichen Toolkits auf, von denen allerdings nur zwei aktiv entwickelt werden. Das WX-Windows-basierte Frontend ist nicht besonders ansehnlich, dafür aber das Skins Interface. VLC bringt zudem ein ein passendes Mozilla-Plugin mit. Konqueror kommt mit dem VLC-Plugin leider nicht zurecht.

Anders als es der Name vermuten lässt, haben die VLC-Entwickler ihrem Lieblingskind auch eine Serverfunktionalität eingepflanzt; es arbeitet auf Desktop-Rechnern bei Bedarf als Client und Server zugleich. Anders als VLS kann VLC nicht mehrere Quellen gleichzeitig lesen. Dieser Artikel konzentriert sich auf den VLC, der für die angepeilten Anwendungsfall mehr als ausreichend ist.

Abbildung 1: VLC macht auch einen Windows Rechner zum Streaming-Server.

Was VLC als Client anzeigen kann, kann es zum großen Teil auch im Netz als Server streamen. Der Server unterstützt dabei UDP, RTSP und hat einen kleinen Webserver für HTTP-Streaming eingebaut. Er kann an einen einzelnen Client ausliefern (Unicast) oder per Multicast and eine Gruppe von Rechnern. Je nach Betriebssystem ist die Liste der unterstützten Features unterschiedlich.

Den Server einrichten

VLC-Pakete für recht viele Distributionen hält die Webseite des Projekts [1] zum Download bereit. Das Slackware-Paketformat fehlt in der Liste, die RPM-Pakete für Red Hat lassen sich aber ohne Probleme unter Slackware mit dem -nodeps-Schalter installieren. Das rund 11 MByte große Tar.gz-Archiv für die passende Distribution enthält alle notwendigen RPMs.

Nach deren Installtion fallen keine weiteren Konfigurationsarbeiten an. Der Benutzer startet den Server mit Optionen von der Kommandozeile – sind Geräte im Spiel muss er selbstverständlich entsprechende Rechte besitzen. Später kann man den VLC-Befehl in ein Systemstart-Skript dauerhaft einbinden. Die Syntax des Serveraufrufs kann recht komplex werden. Grundsätzlich folgt sie dem Schema:

vlc -vvv Medienquelle
 --sout Ausgabeziel

Als erstes Beispiel sollen eine DVD per HTTP Protokoll von allen Benutzern im Netzwerk abrufbar sein:

vlc -vvv dvdsimple:/dev/dvd --sout '#standard{access=http,mux=ts,url=192.168.0.97:8080}'

Der vordere Teil liest den Eingangs-Stream, indem er das DVD-Zugriffsmodul dvdsimple aufruft und es anweist auf das Gerät /dev/dvd zuzugreifen. die Option -vvv stellt einen relativ hohen "Geschwätzigkeitslevel" ein. Der hintere Teil steuert die Ausgabe über den in VLC eingebauten Mini-HTTP-Server, der für Clients auf der angegebenen IP-Adresse auf Port 8080 ansprechbar ist. Falls im Netzwerk ein DNS-Server Dienst tut, darf anstelle der IP Adresse der Hostname des Rechners stehen. Das Ausgeben erfolgt dank #standard ohne Veränderung des Eingangsstreams. Als Transportformat fungiert der MPEG-Transportstream. Abb. 2 zeigt, dass man per -loop-Option DVDs auch in Endlosschleife streamen kann.

Abbildung 2: Per -loop-Option kann man DVDs in Endlosschleife streamen.

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Infos zum Autor

Horst erklärt, wenn ich nicht weiter weiß.

Michael Stibane

Admin eines heterogenen Reichs von etwa 150 Rechnern, diversen Kassen-, Waagen- und Warenwirtschaftssystemen und vier Servern eines Bildungsinstituts (http://bdhdd.de), IT Dozent in Dresden mit LPIC 1. Als gelernter Mechaniker bin ich jedenfalls nicht mehr ernsthaft an der Fräsmaschine oder an einer Drehbank einsetzbar. Ebenfalls im Bild: Mein Unterrichtskater Horst.

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