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Reine Geldsache

HBCI-Online-Banking mit Matrica Moneyplex

01.08.2004 Auf bekannte Homebanking-Software wie Quicken müssen Linux-User noch verzichten, doch mit Matricas Moneyplex gibt es auch für sie eine attraktive kommerzielle und HBCI-fähige Online-Banking-Lösung.

Wenn Hersteller einer Windows-Software auf Kundenfang unter Linux-Nutzern gehen, handelt es sich oft um eine Lösung, bei der das Windows-Programm dank der Vermittlertätigkeit von Wine [1] unter Linux läuft. Anders der Hersteller Matrica [2]: Bei der Linux-Ausgabe seiner auch für Windows und OS/2 erhältlichen Online-Banking-Software Moneyplex handelt es sich um ein echtes Linux-Programm.

Insbesondere Käufer einer Suse Linux Professional werden leicht auf diese kommerzielle Konkurrenz zur Open-Source-Lösung GnuCash [3] aufmerksam: Der neuen Suse-9.1-Box liegt – wie schon ihren Vorgängern 8.2 und 9.0 – eine funktionseingeschränkte Moneyplex-Version bei. Sie darf nur unter Suse verwendet werden; zudem bietet Matrica dafür keinen Support an. Uns interessierte: Welche Unterschiede gibt es zwischen der Version aus Suse 9.1 und den separat zu erwerbenden Produkten von der Matrica-Website?

Zunächst einmal die Versionsnummer: Bei der Suse-Ausgabe handelt es sich um Moneyplex 2002, während der Hersteller bereits bei Moneyplex 2003, Moneyplex 2003 Pro und Moneyplex 2003 Business angelangt ist, drei Produkten, die sich ihrerseits in Preis und Funktionsumfang unterscheiden. Tabelle 1 vergleicht die Moneyplex-Suse-9.1-Version mit Moneyplex 2003 Pro; Kasten 1 beschreibt, welche Features nur Moneyplex 2003 Pro enthält.

Tabelle 1: Vollprodukt vs. Suse-Ausgabe

Features Suse 9.1 Moneyplex 2002/Version 5.0 Moneyplex 2003 Pro/Version 5.5
Unterstützte HBCI-Internetbanking-Versionen 2.01 und 2.1 2.01, 2.1 und 2.2
HBCI mit Chipkarte und Diskette ja ja
PIN/TAN nur mit den proprietären Lösungen der Sparda- und der Netbank generell ja, zudem die proprietären Lösungen von Postbank, PSD-Bank, Consors, Spardabank und Netbank
Unterstützung der HBCI-Geldkarte Typ 1 (Sparkassen) ja ja
Unterstützung der VR-NetWorld-Chipkarte (neue Version) ja ja
Euro-fähig/Jahr-2000-fähig ja ja
Kontoarten Girokonto diverse Kontoarten (Giro, Depot usw.)
Anzahl zu verwaltender Konten 1 beliebig viele
Anzahl zu verwaltender Mandanten 1 2
Überweisungen, Terminüberweisung ja ja
Daueraufträge, Devisenverwaltung ja ja

Kasten 1: Nur in Moneyplex 2003 Pro enthaltene Features

  • Editieren, ergänzen und kommentieren von Kontoauszügen,
  • Archiv getätigter Überweisungen,
  • Überblick über noch auszuführende Überweisungen und Daueraufträge,
  • Verwaltung bei Aufbau der HBCI-Verbindung auszuführender Überweisungen und Daueraufträge,
  • archivierte Zahlungen als Template für neue benutzen,
  • Listendruck erfasster Überweisungen,
  • umfangreiche Import- und Exportfunktionen zum Datenaustausch mit anderen Moneyplex-Installationen,
  • grafische Einnahmen- und Ausgabenauswertung (Abbildung 5),
  • Überwachung des Geldflusses (Ausgaben, Einnahmen, Überweisungen, …) durch Einteilung in Kategorien und Unterkategorien, darunter vorgefertigte Standardkategorien,
  • Umbuchungen und Splittbuchungen,
  • Depot- und Wertpapierverwaltung, Depotbestandsabruf über HBCI,
  • effektiver Depotkursverlauf, Aktien- und Devisenkursverlauf (auch im Vergleich), Kontostandsverlauf, Einnahmen- und Ausgaben-Verlauf,
  • Erfolgs- und Haltezeitberechnung,
  • Finanzzentrum (Abbildung 6) mit Konten- und Depotübersicht,
  • Passwortschutz,
  • Mausradunterstützung,
  • PIN-Eingabe über Tastatur eines Chipkartenlesers oder durch einen Chipkartenleser mit Fingerabdrucksensor für biometrische Erkennung,
  • umfangreiche Suchfunktionen mit druckbarem Ergebnis,
  • integrierter Assistent zum Wechsel des Sicherheitsmediums,
  • Support per E-Mail

Bankberater anheuern

Je nachdem, welche der beiden Versionen man benutzt, unterscheidet sich die Installation. Für Moneyplex 2002 aus Suse Linux 9.1 ist das Installationstool YaST zuständig; bei der Installation des RPM-Pakets nistet sich ein neuer Menüpunkt moneyplex im Suse-Menü unter BüroprogrammeFinanzen ein. Wählt man diesen an, wird das Shell-Skript /opt/moneyplex/start.sh aufgerufen. Nach Bestätigung durch die Eingabetaste erscheint auf dem Desktop ein neues Icon, das eine alternative Startmethode bereitstellt.

Abbildung 1: Der Registrierungsdialog von Moneyplex 2002 aus Suse Linux 9.1 schlägt von selbst einen Dummy-Eintrag für die Seriennummer vor.

Ohne Online-Registrierung bei Matrica (Abbildung 1) geht leider nichts; dabei möchte die Herstellerfirma einiges an persönlichen Daten erfahren. Anschließend startet ein Programm-Update, für das eine stehende Verbindung zum Internet erforderlich ist.

Die für die HBCI-Nutzung nun noch nötige Initialisierung über den mit Erstinitialisierung beschrifteten Knopf im rechten oberen Teil des Programmfensters entspricht dem (weiter unten beschriebenen) Prozedere bei Moneyplex 2003 Pro. Der dabei startende Einrichtungsassistent lässt sich bei der Pro-Version auch über einen gleichnamigen Punkt im erweiterten Anmeldemenü aufrufen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Anmeldemenü der Pro-Version enthält wesentlich mehr Punkte als das der Suse-Version.

Dabei wird eine PIN-geschützte Diskette erstellt, die in verschlüsselter Form die Bankdaten, persönliche Identifizierungsdaten und die Konten für die HBCI-Verbindung bereithält. Wer eine solche Diskette mit einem anderen Online-Banking-Programm eingerichtet hat, kann diese meist weiterverwenden; dies gilt natürlich auch für Moneyplex 2003 Pro.

Dabei handelt es sich um eine Einzelplatzversion, die man als nichtprivilegierter Benutzer (nicht als root) von der Kommandozeile aus installiert. Dort wechselt man in das Mount-Verzeichnis der Produkt-CD und sucht den Ordner moneyplex/linux auf. Das darin befindliche Shell-Skript setup.sh ruft man nun mit dem Kommandozeilenbefehl ./setup.sh oder sh setup.sh auf. Anschließend kopiert der Installer alle nötigen Dateien ins Home-Verzeichnis des jeweiligen Benutzers und legt sowohl für KDE als auch für Gnome ein Desktop-Icon an, über das sich das Programm starten lässt.

Beim ersten Mal geht es zunächst an die Produktregistrierung; der einzutippende Produktcode liegt Moneyplex 2003 Pro bei. Auch hier setzt sich automatisch ein Online-Update in Gang, das die ausführbare Datei moneyplex, verschiedene Handler-Dateien und gelegentlich auch Library-Dateien mit den Endungen .so aktualisiert. Die Handler-Dateien enthalten keine Daten aus der HBCI-Verbindung, sondern spielen bei der Darstellung und bei der Entscheidung, welche Daten wofür verwendet werden, eine Rolle.

Damit die Aktualisierungen aktiv werden, muss das Programm geschlossen und neu gestartet werden. Spätere Updates spielt es nicht mehr von sich aus ein; der Benutzer kann sie aber über den runden, mit U beschrifteten Button in der oberen rechten Programmecke manuell beziehen.

Initialzündung

Wen seine Bank nicht schon beim Antrag des HBCI-Zugangs mit einem personalisierten (also mit einer PIN versehenen) RSA-Chip ausgestattet hat, braucht nun eine Diskette oder eine unpersonalisierte Chipkarte samt Lesegerät. Die zu benutzende Floppy muss unbedingt MS-DOS formatiert sein, ansonsten schlägt die Initialisierung fehl.

Über den Punkt Einstellungen auf der rechten Seite des Moneyplex-Fensters erreicht man ein Registerblatt namens Sicherheitsdiskette, in dem sich bei der Pro-Version anstatt der Gerätedatei des Diskettenlaufwerks ein Pfad zur Sicherheitsdatei secure.map angeben lässt. Versucht man damit, das Sicherheitsmedium auf Festplatte oder auf einer Diskette mit einem Ext2-Dateisystem zu erstellen, geht das selten gut, und wenn doch, lässt sich die entsprechende Datei später nicht verwenden. Überträgt man die bei der Initialisierung auf der MS-DOS-Diskette erstellte Datei hingegen auf die Festplatte oder auf eine Diskette mit anderem Dateisystem, nutzt Moneyplex sie anstandslos.

Bei der Einrichtung des Sicherheitsmediums über den Button Erstinitialisierung fragt ein Assistent zunächst die PIN ab (die bei nichtpersonalisierten Medien selbst gewählt werden muss) und anschließend die von der Bank vorgegebene Benutzerkennung und Kundennummer. Beide sollten nicht verwechselt werden; bei manchen Banken ist gar keine Kundennummer zur Einrichtung erforderlich.

Waren alle Eingaben korrekt, quittiert Moneyplex dies mit einem sogenannten Ini-Brief, den der Benutzer ausdruckt und zur Bank schicken muss. Nach einigen Tagen schaltet die den Zugang frei.

Eine schon einmal erstellte Sicherheitsdiskette kann ohne weitere Erstinitialisierung mit Moneyplex benutzt werden. Sollten auf der Sicherheitsdiskette allerdings mehrere Konten enthalten sein, überfordert dies die Suse-Version, die auf ein Konto beschränkt ist.

Künftig muss sich die secure.map-Datei beim Anmelden immer am Platz befinden – bei Verwendung einer Diskette also die Floppy im Laufwerk.

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LinuxUser 03/2012

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