Fedora Core 2

Mit neuem Hut

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Die schon seit früheren Linux-Tagen bekannte Firma Red Hat versucht seit einiger Zeit, mit seiner Community-basierten Distribution namens Fedora Desktop-Benutzer zu erreichen. Inzwischen ist die zweite Version erschienen.

Mit dem Update auf Kernel-Version 2.6 mit Unterstützung für SELinux (Security Enhanced Linux) als Unterbau und dem aktuellen Gnome 2.6 bringt Fedora Core 2 – Codename Tettnang[1] einige Neuerungen. Vier CDs oder eine DVD füllt die Distribution, die sich derzeit als einziges Red-Hat-Linux an Desktop-Anwendern richtet. Die finale Kontrolle über den offiziellen Inhalt bleibt bei Red Hat, aber die Community trägt ihren Teil zur Entwicklung bei. Nebeneffekte der freien Lizenz sind der Mangel an kommerziellen Zusatzprogrammen, aber auch die uneingeschränkt erlaubte Weitergabe und Veränderung aller Komponenten.

Die standardmäßig ausgeschaltete Unterstützung für SELinux hat Red Hat vor allem zu Testzwecken zur späteren Verwendung in seinen Server-Distributionen eingebaut; für Benutzer gewöhnlicher Home-PCs bringt diese Erweiterung des US-amerikanschen Geheimdienstes NSA keinen praktischen Nutzen. Sie erlaubt die Beschränkung der Rechte jedes Prozesses, inklusiver derer des Benutzers root.

Als Server für grafische Anwendungen dient unter Fedora ab Core 2, wie unter einigen anderen Distributionen mittlerweile auch, nicht mehr XFree86, sondern X.org. Hierbei handelt es sich um eine Abspaltung ("Fork") aus dem XFree86-Projekt auf Grund von Streitigkeiten über die Lizenz; dank dieser engen technischen Verwandtschaft ergibt sich daraus kein für den Benutzer spürbarer Unterschied.

Los!

Die Fedora-Core-2-Installation erinnert nicht nur optisch an Red Hat Linux 9, sondern arbeitet tatsächlich mit dem von dort bekannten Installations-Tool Anaconda. Wer schon einmal Red Hat Linux aufgespielt hat, findet sich sofort zurecht; die Änderungen liegen im Detail. So hat sich das Entwickler-Team bemüht, die Installation so weit zu vereinfachen, dass sie nur wenig Interaktion des Benutzers benötigt.

Zu Beginn der Installation versucht Anaconda, den verwendeten Monitor zu erkennen. Gelingt das, behelligt er den Anwender bei der Konfiguration der grafischen Oberfläche nicht mehr mit der langen Liste einzelner Modelle. Stattdessen präsentiert er einen knappen, auch für Windows-Umsteiger verständlichen Dialog, in dem man nur die Auflösung oder Farbtiefe ändert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Konfiguration der grafischen Oberfläche beschränkt sich aufs Wesentliche.

Geht es ans Einrichten der Sound-Karte zeigt sich, dass es die Entwickler mit den Vereinfachungen ein wenig zu gut gemeint haben: Der grafische Assistent informiert den Nutzer, welches Gerät er erkannt hat und spielt auf Wunsch einen Testsound ab. Bleiben dabei die Lautsprecher stumm, gibt es nicht etwa eine Liste zur manuellen Auswahl der Karte; das Fazit des Installers lautet sinngemäß "Keine Autoerkennung, kein Sound" (Abbildung 2) – ein Hinweis, wie man herausfindet, ob Linux die eigene Karte vielleicht doch unterstützt, fehlt.

Abbildung 2: Schlägt die Autoerkennung fehl, deaktiviert Fedora das Sound-System.

Ein weiteren Wermutstropfen bilden die fehlenden OSS-Sound-Module im Fedora-Kernel, die Distribution setzt komplett auf den neuen Standard Alsa; Pech für Besitzer von Karten, die das neue Soundsystem nicht oder fehlerhaft unterstützt. Wie andere Distributionen die alten Module als Notnagel weiterhin mitzuliefern, würde Besitzern von ausgefalleneren Geräten helfen.

Eine weitere Schattenseite der Installationsroutine offenbart sich, wenn die automatische Erkennung der Grafikkarte fehlschlägt: Auf einem unserer Testsysteme gelang es Fedora nicht, den X-Server für die grafische Installationsroutine zu starten. Statt in eine textbasierte Oberfläche zu wechseln, führte das System daraufhin kommentarlos einen Neustart durch.

In unserem Fall wollte der Installer offenbar eine zu hohe Auflösung einstellen, denn nach einem Start mit der manuellen Ergänzung des Boot-Parameters resolution=800x600, um eine niedrigere Bildschirmauflösung einzustellen, ließ sich Fedora problemlos installieren.

Warum man bei der Installation noch immer nicht die Möglichkeit hat, die Dateisysteme xfs oder reiserfs auszuwählen, obwohl das Installationssystem die notwendigen Werkzeuge an Bord hat, bleibt ein Rätsel.

Der Empfang

Als einziger der großen Distributoren verwendet Red Hat als Standard-Desktop-Umgebung Gnome; das äußert sich darin, dass Fedora als einzige große Distribution bereits die aktuelle Version 2.6 [2] dieser Oberfläche mitliefert; die ebenfalls weitverbreitete Alternative KDE befindet sich aber ebenfalls auf den Installationsmedien.

Dem Gnome-Desktop hat das Fedora-Team optisch mit seinem Bluecurve-Theme ein neues Outfit verpasst (Abbildung 3). Im Menü hat es die distributionseigenen Werkzeuge in den Einträgen Systemeinstellungen und Systemtools ergänzt. Hier lassen sich die einzelnen Schritte der Installation wiederholen, beispielsweise bei nachträglich veränderter Hardware.

Abbildung 3: Fedora verwendet einen optisch veränderten Gnome-Desktop

Als Office-Paket dient OpenOffice in der Version 1.1.1, der voreingstellte Web-Browser ist Mozilla 1.6. Als Kommunikationswerkzeug mit E-Mail- und Kalenderfunktion steht Evolution 1.4 bereit.

Schon von früheren Linux-Distributionen aus dem Hause Red Hat bekannt ist die Schwäche im Multimediabereich. So fehlt auf Grund juristischer Befürchtungen die Möglichkeit, MP3-Musikdateien abzuspielen. Auch den RealPlayer zur Wiedergabe von Video- und Tondateien im proprietären Real-Format muss man unter Fedora manuell nachinstallieren, ebenso wie den Acrobat Reader zum Betrachten von PDF-Dateien; für letzteres gibt es immerhin Open-Source-Alternativen.

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