Aufgebohrt
Die aktuelle Entwicklerversion VDR 1.3.11 im Überblick
Release-Termin ungewiss
Wann die nächste stabile Version erscheint, aller Voraussicht nach VDR 1.4, wissen weiterhin nur die Götter und Klaus Schmidinger. Immerhin sind bereits viele Punkte und angedachte Verbesserungen umgesetzt worden, eine Freigabe im Herbst hält der Autor für wahrscheinlich – aber ohne Garantie. Der Entwickler verfolgt nämlich die gleiche Strategie wie das Debian-Projekt oder auch LinVDR: Die neue Version erscheint genau dann, wenn sie fertig ist.
RAM aufgebohrt
VDR hatte lange Zeit nur ein sehr schlichtes, stark textorientiertes On-Screen-Menü, Grafiken oder gar bewegte Symbole gab es praktisch nicht. Der Grund dafür sind die sehr stark begrenzten Ressourcen der Full-Featured-DVB-Karten: Wenn man die Video- und Audio-Puffer von den 2 MByte SDRAM abzieht, bleiben gerade einmal 80 KByte für ein On-Sceen-Menü inklusive Fonts und Farbpaletten übrig.
Viele On-Board-Grafikkarten zweigen einen Teil des Hauptspeichers ab und verwenden ihn als Grafikspeicher – das funktioniert mit dem MPEG-Decoder der DVB-Karten allerdings nicht, er benötigt die Daten im RAM der DVB-Karte.
Schon vor gut 18 Monaten diskutierten die VDR-Entwickler auf der Development-Mailing-Liste heftig über eine Speichererweiterung für die DVB-Karten. Den vorhandenen 2-MByte-SDRAM-Chip durch einen größeren zu ersetzen, scheidet aus, da der MPEG-Decoder hier nur 2 MByte adressieren kann.
Die Lösung heißt "SDRAM Chip Select": Damit lassen sich zwei oder mehr RAM-Chips am gleichen Daten- und Adressbus betreiben – welcher der Chips nun gemeint ist, signalisiert der Prozessor, indem er die Chip-Select-Leitung des RAMs auf Low setzt. Beim MPEG-2-Decoder der DVB-Karte ist nur ein Chip-Select-Signal herausgeführt und am vorhandenen RAM-Chip angeschlossen.
Laut Datenblatt hat der Prozessor jedoch eine zweite SDRAM-Chip-Select-Leitung, und zwar am Pin C7 – das Problem ist nur, dass es sich in diesem Fall um ein direkt mit der Platine verlötetes Ball Grid Array ohne Anschlusskontakte handelt. Somit gibt es keine Möglichkeit, direkt an den Anschluss heran zu kommen.
Anfang Juni entdeckte Oliver Endriss durch Experimente mit einer beschädigten DVB-Karte, dass der Chip-Träger (Abbildung 5) einige Datenleitungen bis zur Kante herausführt, darunter auch SDRAM Chip Select 2 (SCS2). Mit einem Skalpell und runder Klinge lässt sich der Lötstopplack von der nur rund 0,1 mm dünnen Leitung abkratzen.
Anschließend wird ein zweiter RAM-Chip auf den ersten gelegt und Beinchen für Beinchen mit dem unteren verlötet – mit Ausnahme des Pins 18, denn dort wird mit einem dünnen Draht die freigelegte Chip-Select-2-Leitung angelötet. Die ausführliche Anleitung von Oliver Endriss nebst vielen Bildern gibt es unter [7].
Dieser Umbau empfiehlt sich jedoch nur für erfahrene Bastler, bei Abständen von unter 1 mm entstehen sehr leicht Kurzschlüsse zwischen den Beinchen der RAMs, die zu einem Totalschaden der 170 bis 250 Euro teuren DVB-Karte führen können. Wer nicht selbst basteln möchte, kann sich im VDR-Portal an Thomas Keil [8] wenden oder beauftragt den Modding-Spezialisten Wolfsoft [9].
Infos
[1] VDR-Entwicklerversion 1.3.11: ftp://ftp.cadsoft.de/vdr/Developer/vdr-1.3.11.tar.bz2
[2] Text2Skin-Plugin für VDR 1.3.11: http://www.magoa.net/linux/index.php?view=text2skin
[3] Skins für VDR: http://vdrskins.org
[4] VDR-Skin "EgalsTry" von Uwe Hankes: http://web.vdrskins.org/vdrskins/albums/userpics/10007/Skin-EgalsTry-0.0.5a.tar.gz
[5] VDR-Admin-Patch für VDR 1.3.11 und VPS: http://linvdr.org/download/vdradmin/vdradmin-0.96-autotimervps.diff.gz
[6] VDR-Portal, Benutzer Thomas: http://vdrportal.de/board/profile.php?userid=663
[7] 4-MByte-Umbau von Oliver Endriss: http://endriss.escape.bei.t-online.de/dvb-mem-mod/index.html
[8] Wolfsoft: http://www.wolfsoft.de
[9] Firmware-Dateien für DVB-Treiber Version 1.x: http://linuxtv.org/cgi-bin/cvsweb.cgi/DVB/driver/av7110
[10] Firmware für DVB-Treiber Version 1.1.x: http://www.linuxtv.org/download/dvb/firmware



