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Sendezeit für Programme

deskTOPia: xvidcap

01.07.2004 Funktionen einer Anwendung mit Worten zu beschreiben ist manchmal gar nicht so leicht – meistens muss dann ein Screenshot her. Reicht das Standbild einmal nicht aus, übernimmt xvidcap die Regie.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Windowmanager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Wer zur Demonstration oder für ein Schulungsvideo das Geschehen auf dem Desktop als Film aufnehmen will, hat es nicht leicht: Zwar buhlen mehrere Dutzend Screenshot-Programme um die Gunst dokumentationsfreudiger Anwender, doch keines davon kennt sich im Filmgeschäft aus. Ein Spezialist für diese Aufgabe ist xvidcap [1] von Rasca Gmelch, das inzwischen Karl H. Beckers als Programmierer betreut und weiterentwickelt. Es erzeugt Grafik- oder MPEG-Dateien von einem frei definierbaren Bereich des Desktops und eignet sich damit bestens, um den Weg durch verschachtelte Menüs zu demonstrieren.

Frischgebackener Regisseur

Vor dem ersten Einsatz als Aufnahmeleiter steht die Installation des praktischen Tools an. Gut haben es alle, bei denen sich das RPM- oder Debian-Paket von der xvidcap-Homepage oder unserer Heft-CD einspielen lässt: Das vom Entwickler bereitgestellte RPM-Paket arbeitete hier unter anderem mit Suse Linux 9.0 und Red Hat 9.0 zusammen. Für Debian gibt es gleich zwei Päckchen: Eines für die stabile Version namens Woody und ein weiteres für Debian Testing, auch bekannt als Sarge.

Alle anderen kompilieren xvidcap selbst, wofür zumindest die Entwicklerpakete der libpng, der libjpeg und von XFree86 auf dem System installiert sein müssen. Der altbekannte Dreisatz ./configure ; make ; su -c make install übersetzt danach xvidcap und installiert es in die Verzeichnisse unterhalb von /usr/local. Da dort nur root Schreibrechte hat, verschaffen Sie sich mit su -c (c für command=Befehl) für den make-install-Aufruf kurzzeitig Administratorrechte.

Um Videos zu erstellen, nutzt xvidcap das Programm ffmpeg [2]. Ist es nicht auf dem System vorhanden, erhalten Sie ein xvidcap ohne Videounterstützung, das nur Einzelbilder aufnimmt. Falls der Distributor kein ffmpeg-Paket mitliefert, nutzen Selbstkompilierer einfach die ffmpeg-Version, die der Videokünstler selbst mitbringt: Dazu hängen Sie entweder den Parameter --with-forced-embedded-ffmpeg an den ./configure-Befehl an, um ein xvidcap mit eingebetteter (embedded) ffmpeg-Funktionalität zu erhalten, oder Sie wechseln, bevor Sie xvidcap übersetzen, ins Unterverzeichnis ffmpeg. Mit der dort aufgerufenen Befehlskette ./configure ; make ; su -c make install erzeugen Sie den Kodierer ffmpeg und das Abspielprogramm ffplay, die das make install nach /usr/local/bin kopiert. Der Vorteil dieser Variante ist, dass Sie so ffmpeg und ffplay auch separat nutzen können, was mit der in xvidcap eingebetteten Variante nicht funktioniert.

Ebenfalls interessant für Selbstkompilierer ist der ./configure-Parameter --with-gtk2, der zusätzlich ein Programm namens gvidcap erzeugt. Im Gegensatz zum Original kommt es mit einer modernen gtk-2-Oberfläche daher, so dass es sich optisch perfekt in einen aktuellen Gnome-Desktop integriert.

Das Drehbuch

Das neu installierte Tool starten Sie mit

xvidcap &

oder Sie rufen mit dem Befehl

gvidcap &

die gtk-2-Variante auf. Die Bedienelemente sind bei xvidcap (Abbildung 1) und gvidcap (Abbildung 2) identisch angeordnet, doch jedes hat seine Vor- und Nachteile: Das Original vermittelt optisch einen eher altbackenen Eindruck, ist dafür aber stabiler und konfigurierbarer als sein moderner Verwandter. Für diesen Artikel beschreiben wir daher, und weil die beiden Bedienoberflächen sich sehr ähneln, die Arbeit mit xvidcap.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Desktop-Filmer xvidcap.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die gtk-2-Variante unterscheidet sich hauptsächlich durch das moderne Äußere vom Original.

Das Programm startet mit einem scheckkartengroßen roten Rahmen, der den Aufnahmebereich umfasst. Beim Bewegen des Programmfensters wandert dieser mit. Stört Sie das, koppeln Sie ihn durch Klick auf den Button mit dem Kreuz vom Rest der Anwendung ab. Da die Vorgabe gerade einmal ausreicht, um Miniprogramme aufzunehmen, definieren Sie als erstes den aufzunehmenden Desktop-Ausschnitt neu. Ein Klick auf das Fadenkreuz in der Werkzeugleiste verwandelt den Mauszeiger in selbiges. Entweder ziehen Sie nun mit gedrückt gehaltener linker Maustaste den Drehbereich auf, oder Sie klicken ein einzelnes Fenster an, falls Sie nur an dessen Inhalt interessiert sind. Dann müssen Sie jedoch im Film auf seine Titelleiste verzichten.

Steht der Drehort fest, gilt es, noch einige Optionen, wie etwa das Ausgabeformat, anzupassen. Den Konfigurationsdialog (Abbildung 3) öffnet ein Druck auf [Alt-O] ([Strg-P] bei gvidcap).

Abbildung 3

Abbildung 3: Dieser Dialog nimmt unter anderem das gewünschte Ausgabeformat und den Namen der Ausgabedatei auf.

Setzen Sie zunächst den Wert vor Max Frames auf 0, da xvidcap ansonsten nur 30 Bilder aufnimmt. 0 deaktiviert die Begrenzung, so dass Videos beliebiger Länge möglich sind. Im Feld Frames per Second (FPS) bestimmen Sie, wie viele Bilder xvidcap pro Sekunde aufnimmt. Voreingestellt sind 25 – die Anzeige von 25.000000 ist etwas verwirrend, offenbart aber, das xvidcap als Dezimaltrenner einen Punkt erwartet. Wer ein MPEG1- oder MPEG4-Video erstellen will, liest die dafür zulässigen Bildraten in der xvidcap-Manpage unter der Option --fps nach. Gültige Wert für MPEG1 sind z. B. 25 und 50, MPEG4 spielt mit Werten zwischen 7.5 und 30 zusammen. Geben Sie einen ungültigen Wert ein, erhalten Sie Videos, die entweder viel zu schnell oder zu langsam ablaufen.

Der gewünschte Video-Codec gehört ins Feld codec (e.g. MPEG4). Per Default steht dort MPEG1, was Sie für bessere Qualität in MPEG4 ändern sollten. Die hier erzeugten MPEG1-Videos wirkten so grobpixelig, dass Menüeinträge teilweise nicht zu entziffern waren.

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