Feinschliff statt Neubau
Version 2.6.1 der Desktop-Umgebung Gnome
Applikationen
Auch die Entwickler anderer Gnome-Standardwerkzeuge haben nicht geschlafen. So kennt der Editor gedit neue Sprachen zum Syntax-Highlighting, das unter der Übersetzung Hervorhebungsmodus zu finden ist.
Der Gnome-eigene PDF-Reader gpdf öffnet nun auch passwortgeschützte PDF-Dokumente und verfügt über eine Seitenleiste, in der man eine Vorschau auf die einzelnen Seiten sieht. Zudem ist er nun in der Lage, TrueType-Schriftarten zu lesen und WWW-Adressen zu erkennen: Klickt man auf eine URL, öffnet sich der Web-Browser und steuert das Ziel an.
Der Desktop-weite Umgang mit Dateien gestaltet sich inzwischen einfacher. So erreicht die Dateisuche (Nach Dateien suchen...) ein höheres Tempo als früher und die Ergebnisse lassen sich per Drag'n'Drop in anderen Anwendungen nahtlos verwenden.
Ebenfalls in allen Gnome-Applikationen fallen die neuen Dialogfenster beim Öffnen und Speichern von Dateien auf. Der linke Teil zeigt eine Liste von Standardverzeichnissen wie Home oder dem CD-ROM-Laufwerk. Diese sind identisch mit dem inhalt des Computer-Ordners auf dem Arbeitsplatz. Mit Hilfe von Lesezeichen fügt man zudem weitere häufig benutzte Orte im Dateisystem hinzu.
Bei der Datei- und Verzeichnisauswahl rechts gibt es eine andere Struktur im neuen Nautilus-Stil: Ein Doppelklick auf ein Verzeichnis schafft einen neuen Reiter, so dass man mit einem Klick zu allen bereits durchforsteten Ordnern zurückkehrt.
Hilfe!
Trotz aller Erfolge beim Versuch, eine selbsterklärende Oberfläche zu schaffen, tauchen immer wieder Fragen nach genaueren Erklärungen auf. Das Gnome-Projekt erklärt stolz, dass ihr Hilfesystem Yelp jede Funktion beschreibt, in der neuen Version hat der Hilfe-Browser zudem spürbar an Tempo zugelegt.
Leider beschreibt die Gnome-Hilfe die meisten Funktionen bisher nur auf englisch und oft nicht sehr präzise; so gibt es zu vielen Dialogfenstern nur eine Tabelle, die die ohnehin sichtbaren Features auflistet.
Wer sich vom neuen Major-Release eine völlig neues Desktop-Gefühl erhoffte, wird mit dem Sprung auf 2.6 enttäuscht. Abgesehen vom Dateimanager Nautilus betreffen die Neuerungen meist nur Details; lobenswert zu erwähnen bleibt aber die in einigen Bereichen deutlich verbesserte Unterstützung behinderter Benutzer.
Auf seiner Homepage plant das Entwickler-Team schon weiter: Version 2.8 soll schon ein halbes Jahr nach 2.6.0, also im September oder Oktober erscheinen. Es versprecht Verbesserungen im Bereich des so genannten "Personal Information Management" (PIM) mit E-Mail-Client und Kalender sowie besser ausgestattete Multimediafunktionalität. In Sachen Benutzerfreundlichkeit wollen die Entwickler ebenfalls weiterarbeiten, mit Augenmerk auf behinderte Anwender und Internationalisierung.
Glossar
Syntax-Highlighting
Benutzt man einen Texteditor zum Programmieren, gestaltet dieses Feature den Programm-Code übersichtlich durch farbliche Hervorhebungen.
Infos
[1] Fedora Linux: http://fedora.redhat.com/
[2] Gnome: http://www.gnome.org/
[3] GConftool-2: Andrea Müller, "Ohne Kindersicherung", LinuxUser 03/2004, S. 28 ff.
[4] Mozilla: http://www.mozilla.org/



